Strategien zur Sicherung der Zukunft

Markt / 10.05.2019 • 18:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Referenten Siegfried Prietl und Thomas Dangl, Moderatorin Hanna Reiner, Finanzdienstleister-Fachgruppenobmann Markus Salzgeber und Referent Michael Rammerstorfer.
Die Referenten Siegfried Prietl und Thomas Dangl, Moderatorin Hanna Reiner, Finanzdienstleister-Fachgruppenobmann Markus Salzgeber und Referent Michael Rammerstorfer.

Großes Interesse bei Informationsveranstaltung über Möglichkeiten, Erspartes sinnvoll anzulegen.

Dornbirn Drei Experten, eine Meinung: Wer für die Zukunft vorsorgen will, muss oft einen langen Atem haben, denn kurzfristig aus dem vorhandenen Kapital Geld zu lukrieren, funktioniert selten. Über Möglichkeiten, in Zeiten niedrigster Zinssätze Geld sinnvoll und auch relativ sicher zu investieren, informierten am Donnerstagabend in der Halle 12 im Messequartier drei Experten mit langjähriger Erfahrung.

Der rege Andrang zeigte, dass gute Tipps über Anlagemöglichkeiten durchaus gefragt sind, denn anders als noch vor zehn Jahren bringt das Sparbuch nur noch sehr mickrige Erträge. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen überlegen, ihr Geld zu veranlagen, in welcher Form auch immer. Wer auf Nummer sicher gehen will, ist allerdings gut beraten, die Dienste von Experten in Anspruch zu nehmen.

Mieten oder kaufen?

Über die Strategien bei der Finanzierung der eigenen vier Wände informierte Siegfried Prietl von der Bank Austria. Dabei hilft neben der persönlichen Beratung ab sofort eine „HomeStory“ App, bei der man Finanzierungsvarianten, angefangen von Rückzahlungsraten bis zu Laufzeiten, in aller Ruhe zu Hause selbst austesten kann. Die Ergebnisse können durchaus überraschend ausfallen, wie Prietl betont. In vielen Fällen liegen die Rückzahlungsraten für eine Wohnung oder ein Haus vor allem auch wegen niedriger Zinsen unter der monatlichen Miete, wie der Referent an Beispielen aus Vorarlberg darlegte. Bei einer 320.000 Euro teuren Wohnung mit rund 90 Quadratmeter muss man derzeit bis zu 1400 Euro Miete berappen. Die Rückzahlungsrate eines Kredits liegt monatlich unter 1000 Euro, abhängig von der ausgemachten Laufzeit des Darlehens. Die erforderlichen Eigenmittel sind dann allerdings Verhandlungssache mit dem Kreditgeber. Anders gerechnet: Nach einer Faustregel erhält man für 500 Euro Miete pro Monat einen Kreditbetrag von 150.000 Euro. Das Familieneinkommen müsste dann bei rund 1800 Euro netto liegen, der empfohlene Anteil an Eigenmitteln läge bei mindestens 15 Prozent.

Dass beim Kauf allerdings Risiken, wie Jobverlust oder Todesfall, zu berücksichtigen sind, verschweigt der Experte nicht. Sein Resümee fällt für Wohnungskäufer trotzdem positiv aus: „Es war noch nie so günstig wie jetzt, langfristig Eigentum mit Fremdkapital zu erwerben.“

Geduld gefordert

Eine gewisse Risikobereitschaft brauchen Menschen, die auf Aktien setzen. Vor allem ist Geduld gefordert, weiß Michael Rammerstorfer, Vertriebsleiter von FWU Austria: „Geld mit Aktien verdient man mit dem Hintern, also wer lange darauf sitzen bleibt.“ So um die 15 Jahre müssen wohl einkalkuliert werden, um Gewinne zu erzielen. „Eine Garantie gibt es allerdings nicht“, gibt der Fachmann zu bedenken und verweist auf nicht vorhersehbare Entwicklungen in der globalen Wirtschaftspolitik. Die sicherste Variante sei, den Großteil des Kapitals in Anlagen mit geringem Risiko zu investieren, nicht ohne sich vorher umfangreich beraten zu lassen. Immerhin wissen am ehesten die Fachleute, welche Instrumente zur Sicherung der Vermögensanlage eingesetzt werden können. Rammerstorfer verweist auf die klassische Lebensversicherung mit der garantierten Versicherungssumme zum Ende der Laufzeit. Nachteil ist ein geringer Ertrag. Daneben gibt es auch diverse Garantiekonzepte, die allerdings den Bedürfnissen der Kundschaft entsprechen müssen.

„Enkeltauglich“

„Nachhaltige Veranlagungen sind in den meisten Fällen enkeltauglicher“, so Univ.-Prof. Thomas Dangl, Mitglied der wissenschaftlichen Leitung von Spängler IQAM Invest. Er empfiehlt deshalb, Geld dort anzulegen, wo auf Umwelt, Soziales oder gute Unternehmensführung ohne Korruption Wert gelegt wird. Wo und wie viele Firmen es gibt, die zu dieser Kategorie gezählt werden können, konnten die Experten allerdings nicht sagen. Nur so viel: Es gibt noch viel zu wenige.

Wenig risikofreudig

Dangls Investmenthaus ist vor allem im Bereich Altersvorsorge aktiv und entwickelt ständig neue Produkte, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dass die Österreicherinnen und Österreicher bei neuen Veranlagungsformen weit weniger risikofreudig sind als Menschen in anderen Ländern, ist bekannt. Immerhin liegen auf österreichischen Sparbüchern trotz Niedrigzinsen 230 Milliarden Euro. Die Anleihen hingegen belaufen sich auf 36 Milliarden Euro, die Fondsanteile auf 52 Milliarden, 19 Milliarden sind in Aktien angelegt, die nach Meinung des Experten die besten Chancen auf positive reale Erträge bieten. Anzeichen auf ein baldiges Ende der Niedrigzinsphase sieht Dangl derzeit nicht. Deshalb seien herkömmliche Sparprodukte für die Sicherung der Zukunft in der derzeitigen Situation alles eher als optimal. HA

Volles Haus bei der Veranstaltung „Meine Zukunft sichern“ im Dornbirner Messequartier.VN/Paulitsch
Volles Haus bei der Veranstaltung „Meine Zukunft sichern“ im Dornbirner Messequartier.VN/Paulitsch