Im Reich der Daten

Markt / 07.06.2019 • 22:21 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das InnovationLab von Illwerke vkw war der Schauplatz der Veranstaltung von Senseforce zum Thema Digitalisierung. Innfeld
Das InnovationLab von Illwerke vkw war der Schauplatz der Veranstaltung von Senseforce zum Thema Digitalisierung. Innfeld

Digitalisierung braucht Technologie, aber vor allem auch die Mitarbeiter an Bord.

Bregenz Die Digitalisierung verändert und verwandelt. Wie sie in Industriebetriebe gelangt, war Thema der Veranstaltung „Use the force“, sprich „Nutze die Macht“, des Dornbirner Unternehmens Senseforce unter Federführung von Geschäftsführer Michael Breidenbrücker. Eingeladen waren Experten aus dem Reich von Digitalisierung, Industrie und Maschinenbau. So wie Maks Giordano, der Unternehmen wie Daimler, Volkswagen, Lufthansa oder ProSieben in ihrer digitalen Transformation berät. Die sich rasant entwickelnde Technologie vergleicht er mit der Legende um den Erfinder des Schachspiels, der vom König ein Reiskorn für das erste Feld wollte, die doppelte Menge für das zweite und so weiter. Auf dem 64. Feld liegt dann ein Reisberg höher als der Mount Everest. „Alles wird schneller, weil sich die Trends gegenseitig verstärken“, sagt Giordano. Auch die junge Generation ticke ganz anders. „Sie kennen keinen Kassettenspieler, wollen aber an der Heizung einen touchscreen“, so der Experte über die neue Zielgruppe.

Ebenfalls fördernd für das exponenzielle Wachstum sei, dass die Technologie immer billiger, leistungsfähiger, vernetzter und kleiner werde. „Einen neuen Autokonzern zu schaffen, wäre deshalb vor ein paar Jahren aufgrund der hohen Kosten noch undenkbar gewesen.“ Aber auch wenn die künstliche Intelligenz bereits den Menschen in Schach oder Go schlägt, ist sich Giordano sicher: „Künstliche Intelligenz zusammen mit dem Menschen ist besser als nur die künstliche Intelligenz allein.“

„Digitalisierung verändert die Machtverhältnisse“, sagt Michael Breidenbrücker. Sein Unternehmen Senseforce hat eine Lösung für den Maschinenbau entwickelt, die die Daten von Maschinen erfasst, speichert und austauscht. Das eröffnet Produzenten völlig neue Geschäftsmodelle. Die Senseforce-Lösung nutzt neben IMA Schelling auch der Harder Kranproduzent Künz. „Ein Kran hat tausend Teile und unsere Krane stehen verteilt in Häfen von Europa bis USA. Wir haben aber nie gewusst, was die Maschinen vor Ort machen und nicht überall haben wir Serviceorganisationen, wenn etwas kaputt geht“, sagt Geschäftsführer David Moosbrugger. Mit diesen Maschinendaten hat Künz nun deren Befinden auf einen Blick verfügbar und kann bei Unregelmäßigkeiten früh genug einschreiten.

Digitalisierung in die Industrie zu bringen, sei aber nicht nur ein Technologiethema. „Wichtig ist genauso der Mensch. Das darf man nicht außer Acht lassen. Man muss den Mitarbeiter genauso weiterentwickeln wie die Technologie“, so Moosbrugger. Das bestätigt auch Tobias Ködel, der bei Daimler für die größte Veränderungsinitiative der deutschen Industrie verantwortlich war. „Die super digital-affinen Mitarbeiter sind nur die Spitze des Eisbergs. Viele haben diese Affinität überhaupt nicht.“ Wie also kann man bei 290.000 Mitarbeitern einen Veränderungsprozess anstoßen? Wichtig sei, zunächst die Frage zu beantworten, warum etwas verändert wird. Um es in die Breite zu tragen, wurden Daimler-Mitarbeiter in „Influencer“-Manier als Sprachrohr ausgewählt, um die neue Denkweise weiterzutragen. „Klassisches Veränderungsmanagement ist tot. Top down, also von oben herab, kann das nicht funktionieren. Transformation muss der Mitarbeiter spüren. Es muss emotionalisieren“, sagt Ködel.

Den Endanwender verstehen

Michael Falkus und Lars Hoffmann, Digital Champions bei ZF Friedrichshafen, wissen, dass ein Getriebe allein nicht emotionalisiert. Der Konzern mit 150.000 Mitarbeitern will deshalb zum Systemanbieter werden. „Wir nutzen das Wissen aus der Produktion für zusätzliche, datenbasierte Dienstleistungen für den Kunden“, sagt Falkus. Die Herausforderung: Als traditionell klassischer Zulieferer, nun auch den Endanwender zu verstehen.

Auch für sie ist die eigentliche Herausforderung bei der Digitalisierung nicht nur die Technologie, sondern die Mitarbeiter mit ins Boot zu bringen. Oder wie es Dirk Hofmann, Berater bei Red Bull oder Siemens für die digitale Transformation, formuliert: „Digitalisierung ohne Daten funktioniert nicht. Aber ohne entsprechende Kultur eben auch nicht.“ VN-reh

„Digitalisierung ist nicht nur ein Leadership-Thema. Man muss auch das Team mitnehmen.“