Hubert Rhomberg

Kommentar

Hubert Rhomberg

Globalisation 4.0

14.06.2019 • 20:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Prof. Klaus Schwab hat beim World Government Summit in Dubai Anfang des Jahres eine bemerkenswerte Eröffnungsrede gehalten. Vor über 4000 Politverantwortlichen, -beratern und -institutionen konstatierte der Gründer und Vorsitzende des Davoser Wirtschaftsforums eine wachsende Angst unter großen Teilen der Bevölkerung in der westlichen Welt und eine wachsende Skepsis gegenüber den herrschenden Eliten und der repräsentativen Demokratie. Die Verantwortung dafür sieht er bei den politischen Entscheidern im Westen, die er zu einer nachhaltigeren, inklusiveren und allgemein sehr viel moralischeren Führung aufrief. Damit sprach er vielen aus der Seele, die an politischen und globalen Governance-Fragen arbeiten und versuchen, die Zukunft ihrer Länder zu gestalten.

Ich habe aus seiner Rede sieben „Learnings“ mitgenommen:

1. Wir können das alte System nicht reparieren. Stattdessen brauchen wir ein neues System, in dem Entscheidungen nicht allein anhand von Wirtschaftswachstumszahlen getroffen werden, sondern vielmehr anhand von Indikatoren, die das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Bevölkerung messen.

2. Globale und nationale Agenden sollten nicht im Widerspruch zueinanderstehen, sondern müssen kombiniert werden.

3. Es ist notwendig, die Stärken von „dem Osten“ (eher das Kollektiv) und „dem Westen“ (eher das Individuum) zu verbinden.

4. Neue Politikgestaltung muss im Kern auf Multi-Stakeholder-Ansätzen beruhen, die neue Wege der flexiblen Zusammenarbeit prägen.

5. Intelligente Subsidiarität (Entscheidungsfindung auf der richtigen Ebene) ist Voraussetzung für eine anspruchsvolle Politikgestaltung.

6. Führung muss verantwortungsbewusst und reaktionsschnell sein.

7. In den globalen politischen Diskussionen stehen eher Interessen als Werte im Vordergrund. Als Vorbilder sollten die politischen Entscheidungsträger und auch die gesellschaftlichen Eliten aber gerade jetzt Werte (vor-)leben. Das gibt Stabilität in unübersichtlichen Zeiten.

Wir alle sind aufgerufen, eine gesellschaftliche Debatte darüber zu führen, wie Politikgestaltung in der heutigen Welt aussehen und nach welchen Paradigmen sie sich weiterentwickeln sollte. Je eher wir damit anfangen, desto besser können wir im Herbst die ersten entsprechenden Wahlentscheidungen treffen.

„Wir alle sind aufgerufen, eine gesellschaftliche Debatte darüber zu führen, wie Politikgestaltung aussehen sollte.“

Hubert Rhomberg

markt@vn.at

Hubert Rhomberg ist Baumeister und Geschäftsführer der Rhomberg Holding.