Wie die „Boehler Brothers“ die Industrie digitalisieren

Markt / 16.06.2019 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Florian (l.) und Lukas Böhler in ihren neuen Büroräumlichkeiten in der „Schlosserei“ am Steinebach. VN/LERCH

Lukas und Florian Böhler entwickeln Apps und Web-Anwendungen.

Dornbirn Die in Firmenlegenden gerne zitierte Garage war es nicht, dafür aber das Zimmer im Elternhaus, von wo aus die Erfolgsgeschichte des Unternehmens seinen Beginn nahm. Lukas Böhler (26) programmierte schon während der Schulzeit und verlor danach keine Zeit. Denn er wagte sofort nach der Matura 2012 den Schritt in die Selbstständigkeit. „Am Tag der Zeugnisverteilung bin ich gleich nach Feldkirch gefahren und habe mein Gewerbe angemeldet“, erzählt er von den Anfängen. Auch wenn es damals durchaus auch zweifelnde und skeptische Kommentare dazu gab, ob aus seiner Geschäftsidee denn etwas werden könne.

Lukas Böhler ließ sich nicht beirren und startete mit der AppWerkstatt, wie die Firma zunächst hieß. Zunächst wurden, wie der Name schon vermuten lässt, Apps entwickelt. Die Zeiten dafür waren gut. Denn im Appstore gab es noch nicht so viel Konkurrenz wie heute. Und spätestens als mit dieser Anwendungssoftware das erste Geld verdient wurde, war klar, es funktioniert.

Später ging es in Richtung Agentur. So wurden auch Apps und Webseiten für Unternehmen entwickelt und Bruder Florian kam mit ins Boot. Seit 2018 fungieren sie nun als „Boehler Brothers“ und seither, wie Lukas und Florian Böhler sagen, habe die Tätigkeit eine große Portion Ernsthaftigkeit bekommen. „Zuvor war es schon auch ein Lernweg.“

Fokus auf Industrie

Heute haben sich die Boehler Brothers stark hin zu Industriekunden und damit zu größeren, langfristigen Projekten ausgerichtet. Aber nicht ausschließlich. „Zu einem Teil sind wir die Agentur, die Apps, Webseiten und Web-Anwendungen entwickelt. Zum anderen entwickeln wir aber nach wie vor auch eigene Dinge“, erklären die Brüder. Daraus sind einige erfolgreiche Projekte entstanden. So wie eine App, um den Fehlerreporting-Prozess komfortabler zu gestalten oder auch die Wetter-App „WeatherWheel“, die auf bereits zwei Millionen Downloads verweisen kann. Diese zweigeteilte Ausrichtung ergänze sich insgesamt gut und sei auch für die Kunden von Vorteil, sind sie überzeugt.

Momentan arbeitet das Team im Büro im Dornbirner Steinebach zu dritt. Niklas Fessler ist der Dritte im Bunde. Gerne möchte man weiterwachsen, denn die Auftragslage ist sehr gut. Nur die Fachkräfte dafür sind nicht so leicht zu finden.

Die Brüder haben sich das Programmieren übrigens – nebst Stippvisite an verschiedenen Fachhochschulen – selbst beigebracht. Ihr Wissen geben sie demnächst auch als Vortragende am neuen „Digital Campus Vorarlberg“ weiter. „Nach ein paar Monaten Crashkurs kann man sich einiges an Wissen aneignen, der Rest kann dann direkt im Unternehmen vertieft werden“, ist Lukas Böhler überzeugt.

Trend Benutzerfreundlichkeit

Die großen Digitalisierungsthemen in der Industrie sehen die Boehler Brothers derzeit vor allem in der Automatisierung, in der Optimierung alter Systeme hin zu Webanwendungen sowie in der Benutzerfreundlichkeit. Dabei würden auch Apps aufgrund ihrer einfachen Bedienbarkeit für die Industrie eine wichtige Rolle spielen.

Dass sie als Agentur quasi als Außenstehende in die Unternehmen kommen, sehen sie dabei als großen Vorteil. Dadurch könne man, weil man nicht im „daily business“ verankert sei, andere Standpunkte und Denkmuster hineinbringen. Zudem könne man einfacher Prototypen bauen und somit Dinge ausprobieren. „Auszutesten ist ein sehr wichtiger Wettbewerbsvorteil, um der Konkurrenz voraus zu sein“, ist Florian Böhler überzeugt.

Was die Zukunft an neuen Technologien bringt beziehungsweise was aktuell gefragt ist? Momentan gehe die Technologie hin zu Virtual oder Augmented Reality, also der virtuellen bzw. erweiterten Realität. Zudem sei das maschinelle Lernen ein großes Thema. Das ermögliche heute deutlich einfachere und auch günstigere Lösungen. „In der Produktion können dadurch beispielsweise anstatt von Sensoren auch eine Kamera mit Systemen auf Basis von maschinellem Lernen eingesetzt werden. Das Thema hatte früher einen akademischen, forschenden Zugang, heute ist es einfacher und adaptiver geworden“, betont Florian Böhler.

Bewusstsein vorhanden

Wie die heimischen Unternehmen mit diesen vielfältigen technologischen Neuerungen umgehen? Das Bewusstsein, wie wichtig diese innovativen Neuerungen sind, sei bei den meisten vorhanden, sagen die Brüder. Viele wüssten aber noch nicht genau, was sie davon einsetzen können.