ÖBB: Staffelübergabe zweier Vollblut-Eisenbahner

Markt / 25.06.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Marcus Ender (l.) übernimmt den Posten von ÖBB-Regionalmanager Gerhard Mayer. VN/PAULITSCH

ÖBB-Regionalmanager Gerhard Mayer übergibt Signalkelle an Marcus Ender.

Schwarzach Ihre beiden Herzen schlagen für die ÖBB und zusammen kommen sie auf beachtliche 80 Dienstjahre. Nun geht der eine in den Ruhestand, der andere übernimmt das Ruder. Gerhard Mayer (63) steht seit 48 Jahren im Dienste der Bundesbahnen, die letzten 23 Jahre davon war er Regionalmanager für Vorarlberg. Nun übergibt der Vollblut-ÖBBler mit 1. Juli an Marcus Ender (50). Dessen Laufbahn begann vor 32 Jahren. Zunächst im Zugbegleitdienst, dann in den Bereichen Disposition, Planung und Betriebsleitung.

Was sie besonders stolz macht ist, dass die ÖBB in Vorarlberg ein hohes Ansehen genießt. Das sei einzigartig. Man habe es mit den insgesamt 1200 Mitarbeitern in Vorarlberg geschafft, eine regionale Identität zu schaffen. Mit Erfolg. Denn die Vorarlberger sind laut VCÖ die zufriedensten Bahnkunden in ganz Österreich. „Früher haben wir oft neidisch in die Schweiz geschaut. Mittlerweile sind wir schweizerischer als die Schweiz“, sagt Mayer. Zudem gebe es hier keine politischen Kämpfe, denn die Landesregierung habe immer zum öffentlichen Verkehr gestanden.

Wie man es schafft, die mehr als 150.000 Menschen in Vorarlberg, die täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, zufrieden zu stellen? Es werde stetig an der Attraktivierung gearbeitet. Zum einen betrifft das die Infrastruktur. Neben dem Bahnhof Bregenz, der neu gebaut wird, sollen im Zuge des Rheintal-Walgau-Konzeptes II bis zum Jahr 2030 rund 70 Millionen Euro in die Modernisierung von neun Bahnhöfen und Bahnhalte­stellen zwischen Lochau und Nen­zing fließen. Denn schon lange gehe es nicht mehr nur um die Beförderung von A nach B, um Pünktlichkeit und Sauberkeit. Auch ein Bahnhof müsse hohe Ansprüche erfüllen. „Dabei geht es um die Anbindung von Bus oder Pkw genauso wie um den Zugang zum Bahnsteig oder das Interieur“, sagt Mayer über die Wichtigkeit eines stimmigen Gesamtkonzepts.

„Wichtig ist das, was wir bislang geschaffen haben“, sagt Marcus Ender. Er sei stolz, bei der Bahn zu arbeiten. „Das wird heute im Gegensatz zu früher von den Menschen auch positiv wahrgenommen“, sagt er über frühere Imageprobleme. Dennoch gehe es darum, ständig weiter an der Qualität zu arbeiten und auch vermehrt länderübergreifende Projekte anzustoßen. Mit der Elektrifizierung der Bahnstrecken in Deutschland oder mit FL-A-CH, dem grenzüberschreitenden Eisenbahnkonzept von Liechtenstein, Österreich und der Schweiz, würden sich neue Gegebenheiten auftun, ist er überzeugt.

Mit langem Atem

Auch auf die bevorstehende Weltgymnaestrada sehen sich die ÖBB gut vorbereitet. Auch wenn die bestellten Talent-Züge nicht fristgerecht eintreffen. Man habe stattdessen sechs zusätzliche Triebwagen aus anderen Bundesländern im Einsatz, sagt Marcus Ender. Einen ÖBBler bringt man eben nicht so leicht aus der Ruhe. Schließlich verlangen viele Projekte einen langen Atem. Der Ausbau der Strecke Lustenau-Lauterach samt Haltestelle Lauterach West beispielsweise. Das Projekt wird sich aufgrund eines Vorverfahrens beim Verwaltungsgerichtshof erneut verzögern. Die Herren sehen das aber gelassen. Eine gute Planung und Abstimmung sei sehr wichtig, denn diese Projekte hätten letztlich über Jahrzehnte Bestand.

Der Fachkräftebedarf bleibt dabei eine der Herausforderungen. Vor allem Lokführer und Verschieber seien nicht leicht zu finden. Das liege meist am Schichtdienst. Dabei müsse man nur die Vorteile darin sehen und nutzen. Sowieso sei der Zusammenhalt der ÖBB-Mitarbeiter untereinander einzigartig. Und auch karrieretechnisch habe die Bahn einiges zu bieten. Bestes Beispiel: Sie selbst. „Die Tellerwäscher-Geschichten funktionieren bei den ÖBB noch“, so Ender.

Die eine Karriere endet nun. „Next stop Pension“ also. Trotz Freude darüber kommt auch Sentimentalität auf. Kein Wunder, in der Brust des Vollblut-ÖBBlers schlagen schließlich zwei Herzen.