So können Anleger mit gutem Gewissen den Markt schlagen

Markt / 28.06.2019 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Huber in der VN-Redaktion. VN/PAULITSCH

Fondsmanager Michael Huber über nachhaltiges Investieren.

Schwarzach Spätestens seit der Friday’s for future-Bewegung der jungen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg oder der Plastikdiskussion sind die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch stärker in der Gesellschaft angekommen, nicht nur in vielen Lebensbereichen, sondern vermehrt auch in der Geldanlage.

Wobei das Thema dort etwas mythenbehaftet ist. Zumindest was die Rendite betrifft, kann Fondsmanager Michael Huber von Raiffeisen Capital Management Entwarnung geben. Man könne mit einem Investment in nachhaltige Firmen outperformen bzw. den Markt schlagen. Nicht nur für den Anleger sind das gute Nachrichten. „Auch als Finanzbranche muss man diese Chance nutzen“, ist Huber überzeugt. Damit könne man nach den negativen Schlagzeilen rund um die Finanzkrise zeigen, dass es einen guten Weg gebe, Dinge positiv zu beeinflussen. „Und das ohne rosarote Brille.“

Wie nachhaltig ein Anleger sein will, liegt an jedem selbst. Es gebe kein Schema F, das für jeden passe. Bei Raiffeisen, wo man mit dem nachhaltigen Momentum-Fonds erfolgreich am Markt ist, gibt es bestimmte Ausschlusskriterien. So schaffen es Firmen, die in Bereichen wie Rüstung, Pornografie oder Glücksspiel tätig sind, nicht in den nachhaltigen Fonds.  

Das sei aber nur das Grundgerüst. „Rein der Ausschluss von bestimmten Firmen bedeutet noch nicht, dass man etwas Gutes tut“, erklärt Huber. In einem weiteren Prozess gehe es deshalb darum, die Firmen vergleichbar zu machen. Eine Solarfirma, die in einem schlechten Umfeld wirtschafte, sei per se noch kein nachhaltiges Investment. „Es geht uns um eine breite Sichtweise, also auch um die Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit, um Qualität und Innovationen, weil das die wesentlichen Treiber des Unternehmenserfolgs sind.“ Diese Softfacts versuche man greifbar zu machen.

Den Druck, den Investoren auf Unternehmen ausüben können, sich zu verbessern, sei dabei nicht zu unterschätzen. „Die große Masse hat das Potenzial dazu. Denn als Miteigentümer habe man durchaus einen Lenkungseffekt.“

Wie sieht es mit Problembranchen wie Öl aus? „Wir werfen nicht alle in einen Topf. Auch in der Ölbranche gibt es gute Beispiele, so wie Hersteller von Bio-Kerosin. Traditionelle Ölfirmen haben wir indes nicht im Portfolio des Nachhaltigkeitsfonds“, erklärt Michael Huber.  

Was dem Experten in Sachen nachhaltige Unternehmen gut gefällt? Umicore beispielsweise, der Spezialist für Batterienrecycling, oder Biolebensmittelproduzent Wessanan, Tomra Systems als Hersteller von Leergutrücknahmeautomaten oder Lenzing mit seinen nachhaltigen Fasern. Im Bereich Pharma wiederum achte man stark darauf, dass die Medikamente auch in Entwicklungsländern zugänglich und leistbar seien.

Insgesamt fokussiert Raiffeisen im Momentum-Fonds nur auf kleine und mittlere europäische Unternehmen, nicht auf Großkonzerne. Denn dort seien oft die Produktpalette und die Markenvielfalt zu umfangreich, um sich gänzlich nachhaltig aufzustellen.

Antrieb hält an

Dass der Megatrend Nachhaltigkeit irgendwann abflauen wird, glaubt der Fondsmanager indes nicht. „Die junge Bevölkerung sagt, wir wollen, dass auch unsere Kinder auf dem Planeten leben können. Das ist ein großer Antrieb. Zudem dienen soziale Medien stark der Informationsverbreitung von Umweltthemen.“ Wobei Michael Huber den Menschen vor 60 Jahren eine höhere Fokussierung auf Nachhaltigkeit attestiert als heute. „Weil man früher Dinge repariert hat und auch die Lebensmittelverschwendung geringer war. Das Klima zu schützen darf keine Modeerscheinung sein. Es braucht schon ein echtes Pflichtbewusstsein.“