Auch die Kirche kennt Fachkräftemangel

Markt / 14.09.2019 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Peter Mayerhofer: „Viele Mitarbeiter erkennen bei uns eine hohe Übereinstimmung zwischen persönlicher Überzeugung und beruflichem Tun.“ PAULITSCH

Das Streben nach einer sinnvollen Aufgabe steht bei Bewerbern dennoch auf Platz eins.

Christine Mennel

Sie sind seit 2016 Personalleiter in der Diözese Feldkirch, nachdem Sie dort zehn Jahre in anderen Funktionen gearbeitet hatten. Wie schätzen Sie den derzeitigen Arbeitsmarkt ein? Sind heute eher die Unternehmer die Suchenden?

Ich kenne beide Seiten: Immer wieder begegnen mir Bewerber, die schon lange nach einer geeigneten Anstellung suchen. Besonders im Bereich Büro- bzw. Sekretariatstätigkeit ist die Zahl der Bewerber hoch. Wir spüren aber auch als Kirche einen deutlichen Fachkräftemangel: Bei uns fehlen nicht die Techniker, sondern das theologisch gebildete Fachpersonal.

Wo liegen die Prioritäten der Arbeitnehmer?

Das Streben nach einer sinnvollen Tätigkeit steht bei vielen Arbeitssuchenden weit oben auf der Prioritätenliste. Meist wird damit die Sehnsucht verbunden, dass das berufliche Tun tatsächlich jemandem nützt bzw. einen Mehrwert erzeugt. „Mit Menschen arbeiten“, das ist ein oft gehörter Wunsch, aber auch die Möglichkeit zur Mitbestimmung über die Ziele und Inhalte der eigenen Arbeit. Bei den weiteren Rahmenbedingungen wird zunehmend auf zeitliche Autonomie und gutes Betriebsklima Wert gelegt – noch mehr als auf die reine Höhe des Zahltags.

Was wünschen Sie sich von Bewerbern?

Je nach Anforderungsprofil Unterschiedliches. Eine realistische Selbsteinschätzung, Kritikfähigkeit und Lernbereitschaft sind mir aber immer wichtig. Trifft das zu, dann lassen sich viele nicht voll erfüllte Anforderungen im Laufe der Zeit gut kompensieren.

Was tun Sie, um motivierte Teamplayer für sich zu gewinnen?

Mit Initiativen wie den Hot-Spot-Talks, dem Theo-Forum, Berufungscoaching und vielem mehr versuchen wir, das Bewusstsein für das Thema der persönlichen Berufung besonders unter jungen Leuten zu fördern. Das ist freilich kein „Recruitingprogramm“, sondern in erster Linie Orientierungshilfe. Aber natürlich werden Jugendliche und junge Erwachsene dadurch oft erstmals darauf aufmerksam, dass es auch in der Kirche berufliche Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Auch Ferialjobs und Begleitangebote für Studierende sind öfters ein Zugangstor zum kirchlichen Beruf. Darüber hinaus bedienen wir uns der üblichen Instrumente der Personalgewinnung wie Inserate, Präsenz auf Internetplattformen usw.

Wann bleiben Mitarbeiter ihrem Unternehmen treu?

Der wesentliche Schlüssel liegt im Betriebsklima: Ist dieses geprägt von Kollegialität, Hilfsbereitschaft, Wertschätzung und konstruktiver Fehlerkultur, werden viele Mitarbeiter lange bleiben.

Um die Firmenphilosophie zu beschreiben, könnte man eine mehrstündige Theologie-Vorlesung halten, sagen Sie. Warum?

Die größte Besonderheit und damit auch Stärke der Kirche als Arbeitgeberin ist vielleicht, dass sie eben gerade kein Unternehmen im eigentlichen Sinn ist: Es gibt keinen Eigentümer und eigentlich auch keine wirtschaftlichen Ziele. Es geht – pathetisch formuliert – vielmehr um das Heil der Menschen, das wir auf verschiedenen Ebenen und auf vielfältige Weise zu fördern versuchen. Bei vielen Mitarbeitern ergibt sich daraus eine hohe Übereinstimmung zwischen persönlicher Überzeugung und beruflichem Tun. Ein großer Vorteil für die Mitarbeiter ist sicherlich auch, dass wir nicht unmittelbar konjunkturabhängig sind und damit eine relativ hohe Jobsicherheit bieten können.

Was ist das Schöne an Ihrem Beruf?

Meine Aufgabe ist extrem abwechslungsreich, oft auch fordernd, und ich versuche durch professionelles Personalmanagement dabei mitzuwirken, dass die katholische Kirche in unserem Land Zukunft hat und die Menschen Ansprechpartner und Begleiter auf ihrem persönlichen Glaubensweg finden können.

Peter Mayerhofer

Funktion: Leiter der Personalstelle der Diözese Feldkirch

Jahrgang: 1970

Ausbildung: Theologiestudium (Innsbruck und Passau), Katholische Sozialakademie Österreichs (Lehrgang Sozialethik, Wirtschaft & Politik), Sozialmanagementlehrgang Schloss Hofen

Laufbahn: Zivildienst, Pastoraljahr, Gesellschaftspolitischer Referent der Diözese Feldkirch, Leiter der Katholischen Jugend und Jungschar Vorarlberg, Geschäftsführer der Kaplan Bonetti Sozialwerke, seit 2016 Personalleiter der Diözese

Familie: verheiratet, zwei Kinder

personal@kath-kirche-vorarlberg.at, www.kath-kirche-vorarlberg.at