„Schaffa, schaffa … und wohnen?“

Markt / 18.09.2019 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wohnen an der Leistbarkeitsgrenze: Für Bankchef Böhler braucht es leistbares Mietangebot.

Dornbirn Wie leistbar ist Wohnen in Vorarlberg? Das ist wohl eine der am häufigsten diskutierten Fragen und stellt viele Menschen vor Herausforderungen.

Lässt man rein die Zahlen sprechen, wird das bestätigt. Laut Statistik Austria leben 57,5 Prozent der Vorarlberger in Haus- oder Wohnungseigentum. Ob sich dieser Wert halten wird, ist aber fraglich. Denn mittlerweile muss man für eine Eigentumswohnung durchschnittlich 3846 Euro pro Quadratmeter zahlen, in Ballungszentren teilweise über 5000 Euro. Für eine Neubauwohnung wurde 2018 in Vorarlberg im Schnitt laut Grundbuch 321.359 Euro bezahlt.

Auch bei den Mieten sieht es nicht besser aus. Sie liegen durchschnittlich bei neun Euro pro Quadratmeter (inkl. Betriebskosten). So müssen Geringverdiener laut einer Studie des Landes teilweise bis zu 45 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnraum ausgeben. Zugleich gibt es im Bundesländervergleich einen sehr niedrigen Anteil an gemeinnützigen Wohnungen (12,9 Prozent), auch wenn durch die Wohnbauoffensive des Landes rund 750 Wohnungen im Jahr dazu kommen. Aber längst wohnen in gemeinnützigen Wohnbauten nicht mehr nur die unteren Einkommensschichten, sondern auch die Mittelschicht.

Die Sparkasse hat in einer aktuellen Studie die Bevölkerung befragt. Ernüchternd: Mehr als zwei Drittel der Vorarlberger sind überzeugt, dass Wohnen heutzutage nicht mehr leistbar ist. Denn ein Mietpreis von neun Euro ist weit entfernt von dem, was sie als erschwinglich empfinden. Als leistbar wird ein Quadratmeterpreis von 6,30 erachtet. Wobei das ein Durchschnittsempfinden ist. Befragte mit Matura geben 7,50 Euro an, bei Einpersonen-Haushalten oder Haushalten mit Kindern sind es 5,50 Euro.

Dieser Unterschied zwischen der maximal vorstellbaren Mietpreisobergrenze und tatsächlichen Mieten ist übrigens laut Studie in keinem österreichischen Bundesland so groß wie hierzulande. Bleibt somit die Vorarlberger-Mentalität „schaffa, schaffa, Hüsle baua“ auf der Strecke? Viel Optimismus zeigen die Befragten jedenfalls nicht. Bei der Frage, wie sie die Leistbarkeit von Wohnen im Jahr 2030 einschätzen, geht nur ein Prozent davon aus, dass Wohnen gut leistbar sein wird. 83 Prozent erwarten, dass die Wohnkosten in Zukunft einen viel zu hohen Teil ihres Einkommens verschlingen werden.

Die steigenden Wohnkosten haben dabei viele Väter. „Zum einen wächst in Vorarlberg die Nachfrage nach Wohnraum durch einen überdurchschnittlich hohen Bevölkerungszuwachs. Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Wohnraumsuchenden hinsichtlich Qualität stark. Außerdem gewinnt Betongold als Anlageobjekt immer mehr an Attraktivität und die Verfügbarkeit von Baugrund nimmt ab“, nennt Werner Böhler, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen, die Hauptgründe. Dazu kommt eine vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen erhobene Zahl von 2000 theoretisch sofort vermietbaren Wohnungen, die aber aus Angst vor möglichen Komplikationen beim Vermieten leer stehen.

Mehr Angebote schaffen

Werner Böhlers Appell ist deshalb, im Land mehr leistbare Mietangebote zu schaffen. Das sei besonders für Kleinverdiener und junge Familien wichtig. Vor allem im gemeinnützigen Wohnbau sieht er eine entscheidende Rolle. Zudem lohne es sich, einen Vergleich zwischen Miete und Eigentum aufzustellen. Denn der Vorstandschef der Dornbirner Sparkasse geht davon aus, dass die Niedrigzinsphase anhalten wird. „Wer aktuell teuer in Miete wohnt, sollte prüfen, ob kreditfinanziertes Eigentum nicht auf die Dauer günstiger kommt.“ VN-reh

„In Vorarlberg müssen mehr leistbare Mietangebote geschaffen werden.“