Didier Cuche – Ein Leben auf und abseits der Skipiste

Markt / 07.10.2019 • 07:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Didier Cuche ist heute als Markenbotschafter und auch als Coach und Berater im Nachwuchsbereich des Skisports tätig. APA

Ex-Skirennläufer ist einer der Referenten des Vorarlberger Wirtschaftsforums.

Bregenz Didier Cuche hat den Übergang in die neue Lebensphase erfolgreich gemeistert und ist heute sowohl als Markenbotschafter wie auch als Coach und Berater im Nachwuchsbereich des Skisports tätig. Er wird als Speaker zum Vorarlberger Wirtschaftsforum als einer der „Mutmacher“ erwartet.

Unvergessen sein letzter Auftritt im Skizirkus: Mit Kappe, Kniebundhose, Wolljacke, Rucksack, alten Skistöcken sowie Holzskiern mit angeschraubten Kanten geht Didier Cuche im März 2012 beim Riesenslalom in Schladming an den Start. „Mit diesen Skiern über eine Weltcupstrecke – Hut ab. Da musst du hervorragend Skifahren können“, sagt einer der Reporter. Und der Co-Kommentator ergänzt: „Den Zielhang überlebt er nicht. Da wird’s ihn runterwickeln.“

Unterhalb des Starthäuschens rutscht Cuche zunächst zu FIS-Renndirektor Günter Hujara. Mit dem Deutschen war er ein Jahr zuvor während eines Weltcup-Rennens in Kvitfjell aneinandergeraten. Cuche hatte sich damals über die Präparierung eines Sprungs auf der Olympia-Piste von 1994 beschwert und sich dabei in der Wortwahl vergriffen. Der Streit wurde beigelegt – das belegt auch diese Szene. Zum Abschied überreicht Cuche dem Renndirektor ein rotes Trikot, wie es der Führende des Weltcups trägt.

Abschiedsszenen

Meter für Meter kämpft sich der Schweizer die Piste hinunter. Ein norwegischer Trainer rettet ihn vor dem Sturz. Wenig später – und noch weit vor dem steilen und eisigen Zielhang – sitzt Cuche dann doch auf dem Hosenboden. Der guten Stimmung tut dies keinen Abbruch. „Danke Didi“ schallt es aus dem Zielbereich, in dem eine Band aufspielt. Nach einem zweiten Ausrutscher, weiteren Abschiedsszenen und zahlreichen Umarmungen erreicht Cuche das Ziel. Dort verneigt sich ein Vorarlberger – Head-Rennsportleiter Rainer Salzgeber zollt „Speedier“ nach 18 Jahren im Skiweltcup seinen Respekt.

Begonnen hatte die Karriere des Rennläufers im Alter von drei Jahren. Die Familie lebte in einem kleinen Weiler im Val de Ruz, ein Hochtal im Neuenburger Jura. Direkt bei einem der Skilifte führten die Eltern von Cuche das Restaurant „Bonne Auberge“. Die Gelegenheit, mehr als nur die ersten Schwünge auf weißem Untergrund zu erproben. Im Laufe der Jahre perfektionierte Cuche seine Technik auf zwei Brettern, landete schließlich im Kader von „Swiss Ski“, wo er zunächst als Slalomfahrer gefördert wurde. Erst spät entdeckten die Trainer sein Talent für schnelle Disziplinen.

Holpriger Start

Sein Weltcup-Debüt gab Cuche 1993 in Bormio. Die Abfahrt beendete er als Zweitletzter. Größere Erfolge sollten sich erst später einstellen. Bis dahin galt es für Cuche, das eine oder andere Tal zu durchwandern. 1996 zog er sich im Trainingslager einen Schien- und Wadenbeinbruch zu und fiel die komplette Saison aus. Beeindruckend verlief das Comeback in der Saison 1997/98: Auf der legendären „Streif“ holte er sich den ersten von insgesamt 21 Weltcupsiegen. Cuche qualifizierte sich für die Olympischen Spiele in Nagano. Hinter Hermann Maier und zeitgleich mit Hans Knauß landete er damals auf dem zweiten Platz.

Gold war dem Schweizer, dem über die Jahre das Image des „Ewigen Zweiten“ anhaftete, bei Olympischen Spielen nie vergönnt. Dieses Kunststück gelang ihm nur bei der Weltmeisterschaft 2009 in Val d’Isère. Im Super-G verwies er die Konkurrenz auf die Plätze. In der Abfahrt hingegen reichte es einmal mehr nur für Rang 2.

Beschwerlicher Weg

Cuches Weg zum Super-G-Gold war ein beschwerlicher. 2005 kämpfte er sich nach einem Kreuzbandriss zurück an die Weltspitze. Die Zeit während der Verletzungspause nutzte er, um einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Le Donte“ (Der Zweifel) zu drehen. Nach seinem Comeback 2006/07 blieben ihm Weltcupsiege zunächst verwehrt. In der Abfahrt fuhr er vier Mal hintereinander „nur“ auf Platz zwei. Mit viel Geduld, Ausdauer und Selbstvertrauen schaffte Cuche im Laufe seiner Karriere immer wieder das Unmögliche. 2010 etwa gelang es ihm, trotz gebrochener Rippe den Super-G und die Abfahrt am Hahnenkamm zu gewinnen. Zudem stellte er mehrere Altersrekorde (ältester Sieger eines Weltcuprennens in den Disziplinen Abfahrt, Super-G und Riesenslalom sowie ältester Weltcupsieger) auf.

Besondere Art

Und nicht zuletzt kreierte der Schweizer auch eine besondere Art des Skiabschnallens. Nach seinem Sieg im Riesenslalom 2002 in Adelboden wollte Cuche schwungvoll aus der Bindung steigen, wobei der Ski einen Salto vollzog. Dies wurde schließlich zum Markenzeichen des Schweizer Skirennläufers.

Entsprechend gespannt warteten die Zuschauer auch beim letzten Auftritt Cuches in Schladming darauf, wie sich der Skiprofi der alten Holzskier entledigen würde. Und Cuches enttäuschte nicht. Am Ende wirbelte einer der beiden Holzskier durch die Luft.

Sieben Jahre nach Karriereende ist das Thema Rennsport längt nicht passé. Regelmäßig ist „Speedier“ auf und abseits der Skipisten unterwegs. Zunächst unterstützte er den Schweizer Rennkollegen Beat Feuz, später die Schweizer Nachwuchsfahrer und 2018 seinen Neffen Robin Cuche, der bei den Paralympics in Südkorea am Start war.

Wenn dem Skisportler einige Mal das Glück auf der Piste verwehrt blieb – abseits der Piste war dies offenbar nicht der Fall. Beim Weltcupfinale 2012 in Lenzerheide lernte er seine Frau Manuela kennen. Sie war damals als Ärztin im Einsatz. Mit ihr hat der ehemalige Skistar zwei Kinder – Noé (3) und Amelie (1).