„Der Freiheitsgrad bei Liebherr ist groß“

Markt / 11.10.2019 • 19:15 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Manfred Brandl ist bis heute an Innovation und Technik interessiert.

Manfred Brandl ist bis heute an Innovation und Technik interessiert.

Manager Manfred Brandl sieht in der guten Ausbildung den größten Trumpf für den Wirtschaftsstandort.

Nenzing Manfred Brandl ist in Vorarlberg Mr. Liebherr. Der gebürtige Steirer hat eine beispiellose Karriere vom Schlosser zum Geschäftsführer gemacht. Im Gespräch zieht er Bilanz und sagt, warum ihm auch in Zukunft nicht bange ist um den Standort Nenzing.

 

Herr Brandl, nach 42 Jahren bei Liebherr Nenzing ist es Zeit für ein Resümee.

Brandl Die Zeit ist zu schnell vergangen, es war eine Erfolgsstory für mich persönlich. Ich hätte nie gedacht, als ich 1977 hier als Hydraulikschlosser begonnen habe, dass ich jemals Geschäftsführer werde – nicht dieses Werkes und schon gar nicht einer kompletten Sparte, ich war ja auch Geschäftsführer der MCC. Es war immer interessant, und es gab nie Zeit auszuruhen.

 

Was würden Sie gleich machen, was anders?

Brandl Ich würde überhaupt nichts anders machen, aber jungen Menschen würde ich nicht den gleichen Weg empfehlen. Denn meine Berufslaufbahn war sehr interessant, doch mit einer Lehre und Weiterbildung oft sehr hart für mich und auch für meine Familie, weil ich immer an den Wochenenden viel lernen musste, früh aufstehen. Ich war Monate auf Weiterbildung.

 

Sie sind das lebende Beispiel dafür, dass man mit einer Lehre Karriere machen kann.

Brandl Ich habe immer wieder Chancen bekommen. Am Anfang hat es an allem gefehlt hier in Nenzing, es gab ja keine Facharbeiter, das war fürchterlich. Jeder, der positiv aufgefallen ist, hat in diesem Werk eine Chance bekommen. Ich habe immer wieder Positionen angeboten bekommen, wo ich im Laufe der Zeit gemerkt habe, da fehlt mir noch einiges an Wissen. Und so habe ich immer wieder einen Weiterbildungsschritt gemacht. Ich habe davor gar nicht geglaubt, dass man hungrig nach Bildung wird. Ich hatte auch das Glück, dass ich immer Chefs hatte, die mich gefördert und gefordert haben.

 

Wie groß ist die Gestaltungsfreiheit in einem Großkonzern?

Brandl Der Freiheitsgrad als Manager bei Liebherr ist sehr groß. Es gibt Rahmenbedingungen, die einzuhalten sind. Unser Stammgeschäft sind eben Baumaschinen und der maritime Sektor. Wir können nicht entscheiden, dass wir nun Hubschrauber bauen. Das würde nicht funktionieren. Wenn wir ein neues Produkt entwickeln und bauen wollen, dann müssen wir uns mit der Konzernleitung abstimmen. Aber in unserem Stammgeschäft ist die Freiheit sehr groß.

 

Bei Liebherr Nenzing sind keine Frauen in Management. Sind Baumaschinen eine Männerdomäne?

Brandl Wir machen keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen, es kann sich jeder für eine Position bewerben. Unsere Eigentümerinnen sind ja auch Frauen. Aber es hat sich bei uns nicht ergeben. Bei den Lehrlingen gibt es schon Mädchen. Es ist heute anders, als noch vor einigen Jahren. Das war richtige Schwerarbeit, aber die Zeiten haben sich geändert. Aber jetzt ist es ein ganz anderer Maschinenpark, jetzt kommen immer mehr Mädchen in die Firma, die sehr an Technik interessiert sind.

 

Wie geht es in Nenzing weiter? Wie sicher ist der Standort?

Brandl Wir haben keine Arbeiten, die sich immer wiederholen lassen und die man mit angelerntem Personal produzieren kann. Und das ist der große Vorteil in Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland. Das sind die einzigen Länder, wo es die duale Fachkräfteausbildung gibt. Wenn wir einen Wettbewerbsvorteil haben, dann ist es das und sonst gar nichts. Darum ist dieser Standort für Hightech-Produkte  –  und wir haben sehr komplexe Produkte  – sehr gut.

 

Man sagt ja, Liebherr siedelte sich in Nenzing wegen der guten Facharbeiter an. War das tatsächlich der Grund?

Brandl Hans Liebherr hat immer gesagt, am Land haben die jungen Menschen eine natürliche Affinität zur Technik. Jeder weiß, was ein Schraubenzieher ist, schon die Kinder können damit umgehen, das können die Stadtmenschen nicht. Die Leute sind auch sehr loyal und bleiben Liebherr lange treu.

 

Sie haben auch ein Buch für „die erste Führungsebene“ geschrieben.

Brandl Ich habe bemerkt, dass sich Führungskräfte gegenüber Mitarbeitern nicht richtig verhalten. Und da habe ich mir gedacht, wenn ich einmal etwas zu sagen habe, mache ich alles anders. Ich habe keinen Kurs gefunden, wo dieses Wissen vermittelt wurde. Dann habe ich selbst ein Trainingsprogramm zusammengestellt für meine Mitarbeiter. Meine Frau hat angeregt, die Unterlagen in einem Buch zusammenfassen. Ich habe dann angefangen und habe ein Manuskript gemacht. Ein Unternehmensberater hat mich überredet, das Buch herauszugeben. Aber zu sagen, man schreibt ein Buch, das ist eine Sache. Es wirklich zu tun, ist eine ganz andere Geschichte.

 

Was raten Sie aber Ihren Kollegen im Management?

Brandl Ich kann meinen Kollegen nur sagen, wenn man ein ordentliches Betriebsklima hat, dann arbeiten die Menschen von sich aus gut. Sie müssen Empathie haben, sie müssen sich hineinfühlen können in die Mitarbeiter. Wenn man merkt, es zwickt sie irgendwo, dann muss man das ansprechen und nicht auf das Jahrespersonalgespräch warten. Und ihm das Gefühl geben, dass er sich auch verstanden fühlt. Es ist deshalb auch wichtig, dass Führungskräfte lange in ihrer Position bleiben. Die Leute müssen sich auf einen verlassen können.

 

Und wie sieht die Zukunft aus?

Brandl Ich habe ein Engagement als Berater einer Linzer Firma. Beratung mache ich, aber Geschäftsführer nicht, ich möchte keine operative Verantwortung mehr.

„Wenn wir einen Wettbewerbsvorteil haben, dann ist es die duale Ausbildung. “

Manfred Brandl ist seit der Gründung bei Liebherr Nenzing: „Die Zeit ist zu schnell vergangen, es war eine Erfolgsstory für mich persönlich.“  VN/Lerch
Manfred Brandl ist seit der Gründung bei Liebherr Nenzing: „Die Zeit ist zu schnell vergangen, es war eine Erfolgsstory für mich persönlich.“  VN/Lerch

Kennzahlen

Gegründet Liebherr 1948, Liebherr Nenzing 1976/77

Geschäftsführung aktuell Gerhard Freiner, Martin Saler, Markus Schmiedle, Holger Streitz

Mitarbeiter 1640 in Vorarlberg, 423 an anderen Standorten, 124 Lehrlinge

Umsatz 2018 462 Millionen Euro

Export 99 Prozent

Investitionen im Jahr 2018 10,6 Millionen Euro

Privat

Manfred Brandl

Geschäftsführer Liebherr Nenzing, Liebherr MCCtec (bis Ende August 2019)

Geboren 3. November 1954 in Graz

Ausbildung (Auszug) Lehre als Kfz-Mechaniker bei Steyr-Daimler Puch; Meisterprüfung Schlosser; Ausbildung Schweißfachmann
& REFA-Fachmann; Universitätslehrgang „Angewandte Betriebswirtschaft“, Abschluss: akademisch geprüfter Betriebsökonom (Betr.oec.)

Laufbahn 1977–1982: Aufbau Werk Nenzing in der Gründungszeit; Tätigkeit als Gruppenleiter und Vorarbeiter; 80er-Jahre: Aufstieg zum Leiter Fertigungssteuerung, 1994–2000:
Betriebsleiter; ab 2001: Geschäftsführer Produktion der Standorte Nenzing, Rostock und Sunderland

Familie verheiratet, zwei Söhne, zwei Enkel

 

Ins Land gekommen ist Manfred Brandl wegen seiner Liebe zum Skifahren, geblieben ist wegen der Liebe. Er hat seine Frau kennengelernt, die ihm immer Rückhalt gegeben hat. Mit ihr nutze er jetzt auch die freie Zeit für Städtereisen und fürs Familienleben.