„Eine einmalige Chance“

Markt / 21.10.2019 • 22:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Hauptsitz von Union Investment in der Bankenmetropole Frankfurt. UI
Der Hauptsitz von Union Investment in der Bankenmetropole Frankfurt. UI

Großer Karriereschritt für Vorarlberger Börsenexperte Patrick Schuchter.

Dornbirn Bereits als HAK-Schüler formulierte er in einem Referat sein großes Ziel: In Frankfurt als Aktienanalyst zu arbeiten.

Manchmal werden Wünsche wahr. Denn Patrick Schuchter (33) wechselt nach acht Jahren bei der Volksbank Vorarlberg, wo er zuletzt die Vermögensverwaltung leitete, in die deutsche Bankenmetropole. Konkret zu Union Investment, dem Fondspartner der Volksbank, der rund 350 Milliarden Euro an Vermögen verwaltet und damit zu den führenden Fondsgesellschaften in Deutschland zählt. Im Sommer kam das Jobangebot. Lange überlegen musste er nicht. „Es ist eine einmalige Chance“, sagt Schuchter im VN-Gespräch.

In Frankfurt wird er für die Aktien im Bereich globaler Transportsektor zuständig sein. Also für Fahrdienstleister wie Uber, Logistikkonzerne wie die Post oder andere Mobilitätsanbieter. „In China wird mittels Drohnen geliefert. Zudem wird sich meiner Meinung nach das Elektroauto durchsetzen. Denn in die Technologie fließt extrem viel Kapital hinein. Auch Carsharing wird an Bedeutung gewinnen, denn heute braucht nicht mehr jeder ein eigenes Auto. Für viele ist es billiger, regelmäßig mit Uber zu fahren, als ein eigenes Fahrzeug zu besitzen“, ist Schuchter überzeugt.

Tiefe Einblicke

Zudem wird er einen eigenen Fonds von amerikanischen und kanadischen Klein- und mittelgroßen Unternehmen managen. „Es ist eine große und zugleich spannende Herausforderung.“ Reizvoll sei dabei vor allem der persönliche Kontakt mit den Managern börsennotierter Unternehmen aus der ganzen Welt, die bei Union Investment regelmäßig vorstellig werden. „Die Möglichkeit, so tiefe Einblicke in Unternehmen zu bekommen, hat man sonst selten.“

So ein Job fliegt einem aber nicht einfach so zu. „Ich habe bei der Volksbank seit 2014 den globalen Aktienfonds erfolgreich gemanagt. So ist man auf mich aufmerksam geworden“, erzählt Schuchter. Und auch wenn es für den Kennelbacher einen Karriereschritt bedeutet, ist dieser auch mit Wehmut verbunden. „Privat ist es eine Herausforderung. Denn meine Freundin bleibt in Vorarlberg. Wir haben auch gerade ein Haus gebaut. Deshalb werde ich pendeln. Zudem muss ich meine Fußballleidenschaft ad acta legen“, sagt Schuchter, der beim FC Kennelbach sowohl als Stürmer als auch als sportlicher Leiter aktiv ist.

Seinem Noch-Arbeitgeber, der Volksbank Vorarlberg, ist er dankbar, dass er in jungen Jahren die Chance bekam, sich zu beweisen. Dort zu arbeiten begonnen hat Schuchter bereits während seines BWL-Studiums, das er in Liechtenstein, Basel und London absolvierte. Damals war er der jüngste Fondsmanager Österreichs. „Mein Alter war schon ein Thema. Denn Topkunden werden normal von älteren Mitarbeitern betreut. Anfangs wurde ich kritisch begutachtet, aber sie haben schnell gemerkt, dass es fachlich und menschlich passt“, erzählt der 33-Jährige, der ab 1. November nun seinen Arbeitsplatz in Dornbirn gegen den in Frankfurt tauscht. „Es ist dort ähnlich dem Szenario wie man es aus Filmen kennt. Ein Großraumbüro mit Menschen, die deren Hände an der Computertastatur und deren Blicke an Bildschirmen heften.“ Imposant war bereits das dreieinhalbstündige Vorstellungsgespräch vor sieben Verantwortlichen von Union Investment im Wolkenkratzer mit Blick über Frankfurts Skyline.

Nicht verlieben

Das Wichtigste an der Börse, so der Experte, ist es, Demut zu haben und aus seinen Fehlern zu lernen. „Wir werden nie alles wissen. Je erfolgreicher man ist, desto intensiver muss man seine Positionen überprüfen und hinterfragen.“ Man dürfe weder den Blick verlieren, noch sich verlieben. Auch wenn alles perfekt erscheine. „Verlieb dich nie – vor allem nicht in Aktien!“, so lautete übrigens auch der Titel eines seiner ersten Börsenkommentare, die Patrick Schuchter in den vergangenen Jahren für die VN schrieb. Mit dem Schritt nach Frankfurt endet nun auch dieses Engagement.

Zur Person

Patrick Schuchter

Geboren 22.04.1986

Ausbildung HAK, BWL-Studium in Liechtenstein, Basel, London

Laufbahn 2011 Eintritt in die Volksbank Vorarlberg, zuletzt Leiter Vermögensverwaltung, ab 1. November bei Union Investment in Frankfurt