Mit der Verantwortung für das große Ganze

Markt / 22.10.2019 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Dis.Kurs Zukunft“ nennt sich der Strategieprozess der Wirtschaftskammer. M.rauch
„Dis.Kurs Zukunft“ nennt sich der Strategieprozess der Wirtschaftskammer. M.rauch

120 Unternehmer widmen sich bei Dis.Kurs-Prozess dem Miteinander.

Dornbirn 15 Uhr, Wifi Dornbirn: Es wuselt in den Gängen des Weiterbildungsinstituts. 120 Unternehmer aller Branchen und aller Größenordnungen sprechen über das, was sie bewegt und was sie für die richtigen Zukunftsstrategien für Vorarlberg halten. Miteinander arbeiten, anstatt sein eigenes Süppchen kochen, den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus  werfen und das große Ganze sehen – so könnte man das zusammenfassen, was sie für die Entwicklung des Landes für unabdingbar halten.

Die Wirtschaftskammer hat 2018 unter dem Namen „Dis.Kurs Zukunft“ den größten Strategieprozess in ihrer Geschichte gestartet. Seither trifft man sich regelmäßig, überprüft das, was in Umsetzung ist und ergänzt den Prozess durch neue Themen.

Nachhaltigkeit als Haltung

Aktuell ist es die Nachhaltigkeit, die Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler ins Strategiepapier „hineinreklamiert“ hat. „Wir müssen das Bild korrigieren, dass die Wirtschaft diejenigen sind, die alles zerstören wollen. Auch wir Unternehmer haben Kinder und denken deshalb in Generationen“, sagt er. Das müsse man verstärkt kommunizieren. „Wir als Unternehmen produzieren mehr elektrische Energie aus Wasserkraft, als wir selbst verbrauchen. Für uns ist Nachhaltigkeit eine Haltung und nichts, was man tut, weil es gerade modern ist“, betont Markus Comploj (Getzner Mutter & Cie., Bludenz), der von Anfang des Prozesses an dabei ist.

Nachhaltigkeit sieht er dabei aber nicht nur als rein ökologisches Thema. Hier spielen auch soziale und ökonomische Komponenten mit hinein. „Allerdings sind diese drei Dimensionen noch nicht miteinander verknüpft. Zum Teil werden sie gegeneinander ausgespielt.“ Das merke man auch bei Standorterweiterungsdiskussionen. Auch hier liege eine Lösung in der Kommunikation. „Man muss darüber sprechen und nicht alles im stillen Kämmerlein denken“, ist er überzeugt. Deshalb müsse man verstärkt dazu übergehen, zusammenzuarbeiten und Partnerschaften über Firmen-, Gemeinde- und Landesgrenzen zu ziehen. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir die Herausforderungen nur miteinander schaffen können. Wir sind mit 2000 Mitarbeitern kein kleines Unternehmen, aber auch wir können das nicht alleine.“

Auch Rosi Lerchenmüller, Geschäftsführerin von Bischofberger Transporte, die zum ersten Mal dabei ist, plädiert fürs Miteinander als Zukunftsstrategie. Man müsse sich im Land mehr zusammentun. „Anstatt gegeneinander zu arbeiten, braucht es Kooperationen. Wieso nicht bestehende Strukturen gemeinsam nutzen?“ Ihre Motivation, sich trotz unternehmerischem Alltag in den Strategieprozess einzubringen? „Ich wollte Themen ansprechen, mittun und habe den Wunsch, etwas zu bewegen.“

„Eine schöne Mischung“

Gerade frische Kräfte seien im Prozess sehr willkommen, sagt Präsident Metzler und ist stolz auf die „schöne Mischung“ an Unternehmern, die an Bord sind. Das ist sehr positiv, sagt auch Markus Comploj. „Schon von Beginn an hat mich besonders der Umstand inspiriert, dass sowohl gestandene wie junge Unternehmer in den Strategieprozess eingebunden sind, und wie viele unternehmerische Persönlichkeiten sich dafür Zeit genommen haben.“ Ansonsten treffe man sich eher zu branchenspezifischen Themen. Hier seien aber alle Interessen, vom Ein-Personen-Unternehmen bis hin zum großen Industriebetrieb vertreten. Und vor allem seien auch kritische Geister dabei, was dem Ganzen guttue.

Einige Projekte sind aus dem Prozess bereits entstanden. Es sei wichtig, in konjunkturell guten Zeiten zu handeln. Jetzt, wo es dem Land gut gehe, habe man das Zeitfenster, um etwas zu verändern. VN-reh

„Es braucht eine Partnerschaft über Firmen-, Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus.“

„Wir müssen uns im Land mehr zusammentun und Kooperationen eingehen.“