Konjunkturprognose für 2019: Halbiertes Wachstum

Markt / 09.11.2019 • 13:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger Maschinenbauer (Bild: IMA Schelling, Schwarzach) konnten im ersten Halbjahr 2019 die Produktion ausweiten. VN/PAULITISCH

Weltweite Konjunktureintrübung trifft Vorarlberg stark.

Schwarzach, Wien Vorarlberg ist Exportweltmeister. Deshalb wirkt sich das Auf und Ab der globalisierten Wirtschaft besonders stark aus. Die Unsicherheiten und Rückgänge in wichtigen Branchen, Ländern und Regionen haben heuer für ein nur noch verhaltenes Wachstum gesorgt, wie die Analyse des Bank-Austria-Chefökonomen Stefan Bruckbauer zeigt. Konkret: Nach einem Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent im Vorjahr dürfte sich im Gesamtjahr 2019 der Anstieg auf 1,4 Prozent halbieren. Für Österreich prognostiziert Bruckbauer ein geringfügig höheres Wachstum in diesem Jahr, nämlich 1,5 Prozent. Für 2020 senkt die Bank Austria die BIP-Prognose nach vorliegenden Zahlen von 1,3 auf 1,1 Prozent.

Nachlassende Dynamik

Im gesamten Vorarlberger Industriesektor ließ die Dynamik im Juni bereits spürbar nach, so der Konjunkturbericht der Bank Austria. Etwas besser sieht die bisherige Bilanz im Maschinenbausektor aus. Trotz hoher internationaler Unsicherheiten wie Brexit und Handelsstreit zwischen den USA und China und sonst noch einigen Staaten, die sich der US-Präsident vorgeknüpft hat, konnten die Vorarlberger Maschinenbauer im ersten Halbjahr 2019 die Produktion deutlich ausweiten, so die Analyse der Bank-Austria-Ökonomen. Über alle Branchen rechnet Bruckbauer bei den Warenexporten für heuer mit einem Anstieg um knapp drei Prozent von 10,5 Milliarden im Jahr 2018 – stolze 57 Prozent des BIP – auf 10,8 Milliarden Euro heuer.

Inlandskonjunktur noch gut

Die Risiken einer weiteren Konjunkturverlangsamung in den kommenden Monaten haben sich durch steigende internationale Herausforderungen allerdings erhöht. „Die Stimmung in der europäischen Industrie hat sich aufgrund zunehmender Sorgen über Belastungen durch Protektionismus im globalen Handel deutlich eingetrübt. Die Konjunktureinschätzung der heimischen Industriebetriebe hat sich in der Folge im September verschlechtert. Noch läuft die Inlandskonjunktur gut, doch negative externe Einflüsse dämpfen unter anderem bereits den Optimismus der Konsumenten“, so Bruckbauer.

„Angesichts der Konjunkturentwicklung sollte fiskalische Spielräume genutzt werden.“

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Im Tourismus prophezeit er ein Nullwachstum, zumindest was die Übernachtungen angeht: „Im gesamten Jahr rechnen wir mit Übernachtungen im Bereich des Vorjahres von 9,2 Millionen.“ Im Tourismus könne Vorarlberg wie auch Tirol und Salzburg nicht mit den Nächtigungsanstiegen in den östlichen Bundesländern, allen voran Wien, mithalten.

„Angesichts der Konjunkturentwicklung sollte die Nutzung fiskalischer Spielräume im Euroraum auf der wirtschaftspolitischen Agenda nach oben rücken. Ein steigendes BIP und steigende Budgeteinnahmen bei gleichzeitig sinkendem Zinsaufwand eröffnen fiskalische Spielräume, ohne die Verschuldung zu erhöhen“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Selbst bei einem Budgetdefizit von zwei Prozent des BIP würde Österreichs Staatsschuldenquote 2020 sinken.“