Warum Rauch die Mehrheit an Fohrenburger abgibt

Markt / 21.11.2019 • 06:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jürgen Rauch (Rauch Fruchtsäfte), Wolfgang Sila (GF Fohrenburg Brauerei & s’Fäscht GmbH) stoßen mit Magne Setnes (Vorstandsvorsitzender der Brau Union AG/ Brau Union Österreich AG) und Luc van Haastrecht (Finanzvorstand Brau Union) an (v.l.n.r.). FA

VN-Hintergrund: Schrumpfender Biermarkt, fehlende Auslastung und Optionen für den Saft. Warum Rauch die Mehrheit an Fohrenburger abgibt.

Bludenz Über viele Jahrzehnte galt der Biermarkt als sichere Bank für kontinuierliches Wachstum. Damit ist es schon seit einigen Jahren vorbei, zumindest in Vorarlberg. Während die Österreicher im gesamten zwar einige Halbe mehr tranken, nämlich 106 Liter pro Kopf, kämpfen die Vorarlberger mit dem nachlassenden Bierdurst ihrer Konsumenten. Mit mehr oder weniger Erfolg. Während die Mohrenbrauerei den Ausstoß um 1000 Hektoliter steigern konnte, ging der Absatz von Fohrenburger im Land im vergangenen Jahr zurück. Auch der Versuch, Fohrenburger bundesweit zu etablieren, war – weil Biertrinker sehr regional verankert sind – nicht wirklich von Erfolg gekrönt.

Zu geringe Auslastung

Mit Innovationen wie den Bieren „Oberländer“ und dem Vorarlberger Biobier konnten die Bludenzer zwar wieder Boden gutmachen, das Geschäft bleibt aber schwierig. Zumal die Braukapazitäten bei der Fohrenburg-Brauerei alles andere als ausgelastet sind. Auch die anderen Vorarlberger Brauereien hätten, so ein Brancheninsider, noch freie Kapazitäten. In der 138 Jahre alten Fohrenburger-Brauerei setzt man deshalb die Hoffnung auf Aufträge durch die neue Konzernmutter. Die Radler-Produktion für Gösser soll dabei nur der Anfang sein. Man könnte statt wie derzeit eine Schicht auch drei Schichten fahren, so ein mit den Verhältnissen vertrauter Insider. Man sei eben kein Brauer, heißt es aus Rauch-nahen Kreisen, man sei im Biergeschäft nicht gut genug aufgestellt. Das ändere sich jetzt, auch neue Arbeitsplätze seien geplant. Für Rauch war es auch neu, dass Markt, Produktion und damit Absatz schrumpfen.

Fer Firma Rauch dürfte der Verkauf der Mehrheit gleich mehrere Vorteile bringen. In den vergangenen Jahren offenbarte sich den Rankweilern, dass der Biermarkt eigene Gesetzmäßigkeiten hat, die nicht mit dem Fruchtsaftgeschäft korrespondieren. Es habe an der richtigen Distribution gefehlt, ist zu hören, auch stünden trotz der Investitionen in den vergangenen Jahren weitere notwendige Erneuerungen an, die ein großer Braukonzern wie Brau Union/Heineken leichter bewerkstelligt, weil er die entsprechende Infrastruktur und Branchenerfahrung hat. Für das Unternehmen Rauch könnte auch, so wird gemutmaßt, ein guter Draht zu Heineken beim europa- und weltweiten Vertrieb der Fruchtsäfte interessant sein.

Eine Hürde, die allerdings zu nehmen ist, dürfte die Bundeswettbewerbsbehörde sein, die schon bei der Übernahme der Villacher Brauerei durch die Brau Union sehr penibel prüfte. Das könnte bis Februar oder März 2020 dauern. Vorderhand läuft also das Geschäft wie bisher. Derzeit werden die Vorräte des größten Gastronomiekunden, der Silvretta Montafon, für den Winter geliefert. Insgesamt nehmen die Restaurants der Skigebiete rund 2000 Hektoliter ab.