„Maschinen sind nicht multitaskingfähig“

Markt / 06.12.2019 • 19:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
John-Dylan Haynes ist Hirnforscher an der Berliner Charité. MG
John-Dylan Haynes ist Hirnforscher an der Berliner Charité. MG

Künstliche Intelligenz kann sehr viel. Der Mensch hat dafür andere Stärken, sagt Hirnforscher John-Dylan Haynes.

Lech John-Dylan Haynes ist Hirnforscher an der Berliner Charité und der Universität Berlin. Er beschäftigt sich mit der menschlichen wie der künstlichen Intelligenz. Da stellt sich die Frage: Werden Maschinen uns bald in unseren Denkleistungen überholen? „Künstliche Intelligenz kann sehr viel. Zum einen können Informationen viel schneller verarbeitet werden, als es uns Menschen möglich wäre. Außerdem lernt künstliche Intelligenz sehr schnell Informationen zu erkennen, etwa anhand eines Musters. Auch das Durchsuchen von großen Datenmengen wird damit vereinfacht. Es gibt also viele Dinge, in denen uns die künstliche Intelligenz voraus ist“, sagt Haynes anlässlich des Europäischen Mediengipfels am Arlberg. Aber der Mensch habe dafür andere Stärken, etwa ein robusteres Verhalten gegenüber Änderungen oder das Lösen allgemeiner Probleme. „Wir sind multitaskingfähig, das unterscheidet uns derzeit noch von Maschinen“, so Haynes.

Mehr Arbeitsplätze

Generell seien Arbeitsplätze in Europa aber durch viele Faktoren bedroht – darunter falle auch die künstliche Intelligenz. „Vor etwa sechs Jahren ergaben Schätzungen, dass etwa die Hälfte unserer Arbeitsplätze durch Maschinen und die Automatisierung bedroht sind. Diese Zahlen gelten heute jedoch als überholt. Es gibt sogar Schätzungen, die besagen, dass bestimmte Arbeitsplätze zwar überflüssig werden, aber dafür wieder andere Jobs entstehen. Dadurch könnte es generell sogar mehr Arbeitsplätze geben“, so der Hirnforscher.

Welche der heutigen Jobs als besonders sicher gelten? „Arbeitsplätze gelten dann als sicher, wenn sie verschiedene Faktoren beinhalten, in denen gerade der Mensch besonders gut ist, etwa manuelle Geschicklichkeit. Ein Friseur beispielsweise muss sich also noch keine Sorgen machen, von einer Maschine ersetzt zu werden. Auch Berufe, die soziale Aspekte, etwa Empathie oder Resonanz, beinhalten, sind bisher sicher. Das betrifft etwa Lehrer oder Psychotherapeuten. Jobs hingegen, die mit einer sehr starken Routine zu tun haben und leicht automatisiert werden könnten, sind eher bedroht.“

Zusammenarbeit

Vorstellbar sei aber auch, dass Menschen mit der künstlichen Intelligenz zusammenarbeiten. „Optimistisch gesehen wäre es so, dass wir lernen, bestimmte Algorithmen und Daten zu unserem Vorteil nutzbar zu machen.“ Die Gefahr dabei sei aber, dass man nicht wisse, welche Auswirkungen das auf die soziale Gerechtigkeit habe. „Das ist ein ganz großes Problem.“

„Ein Friseur muss sich noch keine Sorgen machen, von einer Maschine ersetzt zu werden.“

Alyssa Hanßke (Russmedia) und Julia Papst (Uni Wien) führten das Interview im Rahmen des Europäischen Mediengipfels in Lech.