„Fairness ist kein Marketing“

Markt / 12.02.2020 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Händler Werner Gunz und Fairtrade-Geschäftsführer Hartwig Kirner. FA
Händler Werner Gunz und Fairtrade-Geschäftsführer Hartwig Kirner. FA

Fairtrade-Produkte bei Konsumenten beliebt. Besonders in Vorarlberg.

Mäder, Wien „Für uns ist das kein Marketing, sondern unsere Philosophie, unser Leitbild“, sagt Werner Gunz, Geschäftsführer des gleichnamigen Lebensmittelgroßhändlers in Mäder, über das Engagement seines Unternehmens in Sachen Fairtrade. Gunz hat 2019 alle Schokolade-Artikel im Sortiment auf Fair Trade umgestellt. „Dadurch sind wir auf einen Schlag der größte Anbieter in Österreich in diesem Bereich geworden“, so Gunz. 1,85 Tonnen Fairtrade Kakao wurden 2019 verarbeitet, mehr als eine Million Euro betrugen die Fairtrade-Investitionen.

Zahlreiche Vorarlberger Partner

Gunz ist ein guter Botschafter für Fairtrade, der seine Produzenten nicht nur für die in seinem Auftrag gefertigten Schoko-Produkte zum Umstieg bewegte, sondern auch bei ihnen das Interesse für einen Umstieg bei deren eigenen Produkten weckte. Außerdem gelangen Produkte mit dem markanten Logo mit Gunz auch in Länder, in welchen Fairtrade noch kein Begriff ist. In Vorarlberg ist der Lebensmittelkaufmann mit Fairtrade in bester Gesellschaft. So sind auch die Kaffeeröster und -händler Amann Kaffee, Dallmayr Vending und Hämmerle Kaffee Partner von Fairtrade. Die beiden großen Fruchtsafthersteller Rauch und Pfanner verarbeiten Fairtrade-Produkte, wobei der Lauteracher Hersteller Pfanner überhaupt weltweit der weltweit größte Hersteller von Fairtrade-Säften ist. Im Bereich Baumwolle gibt es eine Partnerschaft mit dem Schwarzacher Hersteller Hefel Textil. Und dann gibt es eine ganze Reihe handwerklicher Betriebe, die mit Fairtrade-Grundprodukten arbeiten.

Die Grundidee von Faitrade ist es, den Produzenten faire Preise für ihre Grundprodukte zu bezahlen, so der Geschäftsführer der Organisation, Hartwig Kierner, im Gespräch mit den VN. Was bei Produkten, die auf den Warenbörsen weltweit gehandelt werden, nicht immer einfach und deshalb umso wichtiger ist. Gerade sind z. B. die Weltmarktpreise für Rohkaffee im Keller. Über ein Prämienprogramm bekommen die Produzenten, die sich in vielen Ländern in Genossenschaften zusammengeschlossen haben, außerdem Geld für gemeinsame Projekte, die nicht vorgegeben, sondern von ihnen selbst initiert werden – das reicht von Schulen über Maschinen bis zu Schulungsprogrammen.

Bewusst einkaufen

Die Konsumenten werden beim Einkaufen immer bewusster. So schauen sie immer öfter auf das Fairtrade-Siegel, werden beim Einkauf immer bewusster, stellt Kirner fest. Mit dem Trend zur Regionalität habe man keine Berührungsängste. Wie auch? „Wir handeln keine Produkte, die auch in Österreich wachsen“, betont Kirner. Das gilt auch für Rosen, ebenfalls ein Produkt, das Fairtrade im Sortiment hat. „Wir weisen die Kunden darauf hin, dass in Österreich Rosen gezüchtet werden. Allerdings zur Hochsaison um den Valentinstag muss der Handel auf Ware aus anderen Klimazonen zurückgreifen.“

Österreich gehört unter den fünf Topländern, was die Akzeptanz und Abnahme von Fairtrade-Produkten betrifft. In Österreich sind die Vorarlberger noch ein bißchen Fairtrade-affiner, stellt der Geschäftsführer fest. VN-sca

„Das beliebteste Fairtrade-Produkt sind Bananen, Kakao hat einen Anteil von acht Prozent.“

Wenn 1000 Kleinbauern unterstützt werden (Bild: Elfenbeinküste), profitieren davon rund 15.000 Personen.FT/Hawkey
Wenn 1000 Kleinbauern unterstützt werden (Bild: Elfenbeinküste), profitieren davon rund 15.000 Personen.FT/Hawkey

Fairtrade Zahlen

333 Millionen Euro Umsatz weist die letzte Bilanz der Fairtrade-Organisation in Österreich aus.

 

1,85 Tonnen Kakao hat Lebensmittelhändler Gunz 2019, im ersten Jahr mit reiner Fairtrade-Schokolade bezogen.

 

150 Millionen Liter Fairtrade-Säfte hat die Fa. Pfanner von 2001 bis 2018 (letzte Zahlen) produziert.