So geben Vorarlberger Autofahrer Gas

Untersuchung zeigt: Autobesitzer im Land setzen auf immer stärkere Motoren.
Schwarzach, Wien Vorarlberg hält sich viel darauf zugute, dass es bei den Zulassungen von E-Fahrzeugen im österreichischen Spitzenfeld liegt. Das ist auch dringend notwendig, denn ungeachtet der Diskussionen um den Individualverkehr und Antriebssysteme haben die Vorarlberger Autobesitzer im Laufe der vergangenen Jahre die Leistung ihrer zum weit überwiegenden Teil mit Verbrennungsmotoren ausgestatteten Autos koninuierlich hochgeschraubt. Im Durchschnitt, so zeigt eine Untersuchung der Wiener Städtischen Versicherung, sind die Autos im Land mit 127,9 Pferdestärken motorisiert. Nur die Wiener fahren noch stärkere Fahrzeuge mit durchschnittlich 129 PS. Ein Blick zurück zeigt, dass auch schon im Jahr 2010 Wiener und Vorarlberger mit 108 PS bzw. 101,8 PS die am stärksten motorisierten Autos auf Österreichs Straßen lenkten.
20 PS mehr in zehn Jahren
In einem Zehnjahresvergleich zeigt sich, dass die Motorkraft den Fahrern in ganz Österreich immer wichtiger wird. Seit 2010 legte die Motorisierung österreichweit um 20 Prozent zu auf einen Bundesdurchschnitt von von 99,9 auf heute 119,8 PS. Dass die Steigerung der Motorleistung aber nicht unbedingt auch bedeutet, dass die Umwelt mehr belastet wird, zeigt eine weitere Hochrechnung der Versicherung: Normalerweise steigen die CO2-Emissionen, je höher die PS sind. Das war nach 2010 auch der Fall, als die Emissionen sprunghaft von 138 g/km auf 156 g/km angestiegen sind. Seit diesem Zeitpunkt sinken die Emissionszahlen aber wieder und spiegeln sich in den PS-Zahlen nicht wider. Im letzten Jahr sind die CO2-Emissionen sogar fast am Niveau vom Jahr 2010 angekommen und liegen bei 141 g/km. Freilich könnte das Ergebnis noch besser sein, wenn sich mehr Vorarlberger beim Autokauf für ein elektrische Fahrzeug entscheiden.
Sinnbild für Individualität
Auf die effizienteren und damit umweltverträglicheren Motoren weisen im Gespräch mit den VN auch die Autohändler Karin Seyfried (Schneider Automobil, Mercedes Benz) und Dieter Unterberger (Unterberger Automobile, BMW) hin. „Das ist bei den Autokäufern ein wichtiges Argument“, erklärt Seyfried. Dass die Autos größer und die Motoren stärker sind in Vorarlberg hänge auch damit zusammen, dass die Menschen im Land in den vergangenen Jahren mehr Geld zur Verfügung haben. Und ganz wichtig: „Das Auto ist nach wie vor wichtig, die Menschen wollen mobil sein. Das bedeutet auch individuelle Freiheit.“
Die Autofahrer wollen stärkere Fahrzeuge. Aber die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit ist auch ein sehr wichtiges Argument.
Karin Seyfried, Schneider Automobil
Für BMW-Händler Unterberger ist die Individualität ein Schlüssel zum stärkeren Auto. „Die Käufer legen darauf großen Wert, das eigene Auto ist ein Sinnbild für Individualiät.“ Die Steigerung der PS-Zahl in den zehn Jahren um knapp 20 Pferdestärke mehr, halte sich im Rahmen, zumal die Werte auch ständig verbessert werden und die Autos heute weit umweltfreundlicher seien.
„Das Auto ist nach wie vor wichtig, die Menschen wollen mobil sein. Das bedeutet auch individuelle Freiheit.“
Dieter Unterberger, Unterberger Automobile
Wie der Unterschied zwischen ländlichem Raum und Stadt bei den wichtigsten Parametern beim Autokauf ist, kann er ebensowenig wie die Untersuchung der Wiener Städtischen Versicherung benennen. Obwohl: Gerade in der Stadt machen alternative Mobilitätsangebote mehr Sinn als am Land, resümmiert Unterberger. Dass Wien dennoch die stärksten Autos habe, liege vielleicht daran, dass immer mehr Menschen im Speckgürtel der Stadt wohnen und jederzeit mobil sein wollen.
Aufrüstung geht weiter
Derweil geht die automobile Aufrüstung weiter, wie die Untersuchung auch zeigt. Die Salzburger holen derzeit gegenüber Wien und Vorarlberg stark auf, in Vorarlberg ist allerdings der Trend weiterhin auf sehr hohem Stand. Nach Salzburg liegt unser Land auch in dieser Untersuchung mit Platz zwei auf der Überholspur. Denn, so die Vermutung in der Branche als auch von Verkehrsexperten: Es gibt auch Autofahrer, die sich vor die Ära der Veerbrennungsmotoren zu Ende geht, noch ein PS-starkes Auto kaufen. Am hinteren Ende der PS-Parade steht übrigens Oberösterreich, dort hat ein Auto durchschnittlich 114 PS.