Eine Branche im Dauerhärtetest

Markt / 13.11.2020 • 22:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Reiseunternehmerinnen Annelies Weiss (r.) und Andrea Füssinger hoffen, dass 2021 wieder ein gutes Reisejahr wird. vn/Steurer
Die Reiseunternehmerinnen Annelies Weiss (r.) und Andrea Füssinger hoffen, dass 2021 wieder ein gutes Reisejahr wird. vn/Steurer

Stornos statt Reiselust: Reiseunternehmen erleben heuer ein ständiges Auf und Ab.

Bregenz Urlaub. Für viele klingt das im Coronajahr 2020 fast wie ein Fremdwort. Was tut aber eine Branche, die davon lebt, dass die Menschen verreisen?

Annelies Weiss und Andrea Füssinger von Weiss Reisen haben heuer ein ständiges Auf und Ab erlebt. Zu Beginn des Jahres schien noch alles rosig. Mit der Präsentation des Reisekatalogs im Jänner trudelten zahlreiche Buchungen ein, viele Reisen und Busfahrten waren bereits bis in den Herbst sehr gut gefüllt. Es schien ein erfolgreiches Jahr zu werden. Dann kam Corona und mit dem Virus folgten zahlreiche Reiseeinschränkungen. „Seit März sind unsere Busse bis auf Ausnahmen abgemeldet“, berichten die Unternehmerinnen.

85-Prozent-Rückgang

Eine Situation, die auch die anderen Reiseunternehmen in Vorarlberg nur zu gut kennen. Beim Bregenzer Unternehmen, das 1957 gegründet wurde und sowohl Bus- wie auch Flugreisen anbietet, brachte das Jahr bislang einen Umsatzrückgang von 85 Prozent.

Aufgrund von Corona stornierten die meisten Kunden ihre bereits gebuchten Reisen. „Der Sommer war zwar etwas besser, aber auch hier konnten wir von normalerweise 30 Adria-Fahrten nur drei durchführen. Dabei ist das seit 30 Jahren eigentlich unser Hauptgeschäft. Zu groß war und ist die Unsicherheit“, sagt Andrea Füssinger. Zudem habe man durch die Absage der Festspiele viele Fahrten verloren. Genauso fielen nahezu alle Gruppen- und Vereinsfahrten aus.

Die Hoffnung verschwand trotz Rückschlägen dennoch nie ganz. Weiss investierte wie viele andere Busunternehmen im Land in Luftfilter und man hoffte auf den Herbst, traditionell eine gute Reisezeit. Aber die Reisewarnungen und steigenden Infektionszahlen machten der Branche erneut einen Strich durch die Rechnung.

Die Reiseunternehmerinnen verstehen die Unsicherheit der Kunden. Die Gesundheit gehe schließlich vor. Wie es weitergeht? Ungewiss. Eigentlich stünden bald die Fahrten zu den Weihnachtsmärkten an. Aber auch hier heißt es wieder einmal abzuwarten.

Hoffen auf 2021

Auch der Termin für den neuen Reisekatalog 2021, der normalerweise in zwei Wochen gedruckt würde, wurde verschoben. Aktuell werden die Kunden online auf dem Laufenden gehalten. Annelies Weiss und Andrea Füssinger wollen aber weiterhin nach vorne schauen und hoffen, dass zumindest im kommenden Jahr wieder viele Reisen durchgeführt werden können und dass ihnen ihre Stammkunden treu bleiben.

Denn anders als andere Betriebe habe man als Reiseunternehmen derzeit wenig Alternativen. Take-away oder Online-Shop seien leider keine Option. Nur eines wäre hilfreich, wie sie sagen. „Zu Weihnachten Reisegutscheine zu verschenken, wäre für die Branche eine echte Unterstützung.“ Zumindest bis endlich wieder Normalität und damit auch die Reisefreude zurückkehrt. VN-reh

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