Weshalb vielen Reisebüros die letzte Reise droht

Markt / 19.11.2020 • 23:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Weshalb vielen Reisebüros die letzte Reise droht
Viele Strände sind heuer leer geblieben und werden es wohl noch länger bleiben. Die Buchungen tendieren gegen null. Und doch müssen oder können Reisebüros offen halten. VN

Reisebüros im Dilemma: Sie sind nicht geschlossen, dürfen aber keinen Umsatz machen.

Dornbirn Derzeit beschäftigen VorarlbergsReisebüros 440 Personen in 72 Arbeitsstätten, 13 Lehrlinge und zusätzlich gibt es noch 713 Beschäftigte in der Autobusbranche, das sind dann knapp 1150 Beschäftigte. Noch. Sollte es keine Hilfe für die Branche geben, die von Corona gebeutelt wird, stehen diese Arbeitsplätze und die Existenzen zahlreicher Unternehmer auf dem Spiel, schildert der Sprecher der Branche, Klaus Herburger, die verzweifelte Lage der Vorarlberger Reisespezialisten.

Fatale Folgen für Reisebüros

Man werde neben anderen “weit weniger betroffenen Branchen wie Gastro, Hotellerie oder auch Fitnesscenter, die im Lockown unbürokratisch bis zu 80 Prozent des Umsatzentganges innerhalb weniger Tage ersetzt bekommen” übergangen oder nicht wahrgenommen, klagt er. Aktueller Anlass sind die Vorschriften für den dreiwöchigen Lockdown, die es den Reisebüros erlauben, offen zu halten. Mit fatalen Folgen für die Branche, denn damit können sie überhaupt keinen Umsatz geltend machen, für den es Ersatz geben könnte. Und das, obwohl das Geschäft praktisch zum Erliegen gekommen ist, da urlaubsreisen defacto untersagt sind und auch Geschäftsreisen wegen fehlender Flugverbindungen kaum mehr möglich sind. Herburger spricht von Umsatzeinbrüchen bis nahezu 100 Prozent in manchen Reisebüros. Deshalb haben auch einige von ihnen schon auf die Kurzarbeit verzichtet und ihre Mitarbeiter gekündigt. Denn auch für 2021 sind die Aussichten trübe.

„Es darf nicht gereist werden, aber die Büros sollen offen sein. Bei uns brennt der Hut.”

Klaus Herburger, Herburger Reisen, Sprecher der Branche

Dazu komme, dass viele Reisebüros auch Busunternehmer sind, die ebenfalls von der Krise stärker betroffen sind. Die Soforthilfe des Landes sei zwar gut und schnell gewesen, aber auch zweckgebunden und komme deshalb anderen Branchen zugute, präzisiert der Reisebürosprecher seinen Ärger darüber, dass man die Branche auflaufen lassen wolle, wie auch die Auskünfte des Innen- und Gesundheitsministeriums zeigen, die völlig widersprüchliche Auskünfte darüber geben, wie und ob gereist werden dürfe. Aus dem Finanzministerium verlautet nun, dass man an einen indirekten Umsatzersatz denke, an einem System werde derzeit noch gearbeitet. Jetzt sei die Politik gefordert, die Reisebüros zu unterstützen. Schließlich habe man seit dem ersten Lockdown tolle Arbeit geleistet, die freilich finanziell unbedankt blieb, verweist er darauf, dass Tausenden Kunden ihre anbezahltes Geld rücküberwiesen und Tausende Reisen rückabgewickelt wurden.

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