Kein Bierfest zum Jubiläum

Markt / 06.04.2021 • 22:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wolfgang Sila: „Wir sind und bleiben eine Vorarlberger Brauerei.“ VN/HB
Wolfgang Sila: „Wir sind und bleiben eine Vorarlberger Brauerei.“ VN/HB

Brauerei Fohrenburg litt stark unter Corona – ehrgeizige Pläne für die Zukunft.

Bludenz Im Jahr 1881 versprach der Bludenzer Ferdinand Gassner, ein Bier zu brauen, das höchsten Ansprüchen genügt. Zudem rechnete der Geschäftsmann mit einem interessanten Markt, der sich direkt vor der Haustüre eröffnete. Die Arbeiter der Arlbergtunnel mussten mit dem Gerstensaft versorgt werden. Heuer feiert die Brauerei an der Ortseinfahrt zu Bludenz ihren 140. Geburtstag. Zuvor mussten aber große Prüfungen bestanden werden. Die letzten beiden Jahre waren für das Unternehmen besonders herausfordernd.

Herausfordernde Jahre

Begonnen hat diese „Sonderprüfung“ mit dem Verkauf der Mehrheit an die Brau Union 2019. Die zur Heineken-Gruppe gehörende Brau Union war freilich schon zuvor mit elf Prozent an der Brauerei beteiligt, nun sind es 74 Prozent. Weiterhin Gesellschafter sind die Rauch GmbH und auch Geschäftsführer Wolfgang Sila. Doch bevor die neuen Besitzverhältnisse festgeschrieben wurden, hieß es warten – erst im vergangenen September gab es grünes Licht von der Bundeswettbewerbsbehörde.

Während der Wartezeit brach im vergangenen Jahr das Geschäft ein. Das Coronavirus und die Maßnahmen zur Bekämpfung haben das Geschäft fast zum Erliegen gebracht. Rund 40 Prozent weniger Absatz im Jahr 2020. Das liege daran, dass Fohrenburger seinen Vertriebsschwerpunkt in der Gastronomie und als Lieferant für Feste habe, so Wolfgang Sila. Heuer erhofft man sich, dass sich die Lage verbessere, dass die Gastronomie wieder Gäste empfangen kann und auch Veranstaltungen wieder möglich werden. Allerdings werde es kein eigenes Jubiläumsfest geben. „Wir werden unseren Kunden nicht auch noch Konkurrenz machen nach dem schwierigen Jahr“, so Sila, allerdings werde man im Laufe des Jahres mit Aktionen überraschen.

Investitionen geplant

Optimistisch ist er, was die Zukunft der Brauerei betrifft. Nach wie vor bestehe Erklärungsbedarf bei den Kunden, die befürchten, dass das Bier seine Herkunft verliere. „Das ist definitiv nicht der Fall, dafür stehe ich“, so Sila. Er selbst hat gerade seinen Vertrag vorzeitig verlängert. Auch seien die Planungen für die nächsten Jahre ein klares Bekenntnis zum Standort. „Wir werden mehrere Millionen Euro investieren“, versichert er. Dabei geht es um Produktion, Logistik und Nachhaltigkeit – auch neue Arbeitsplätze. „Da werden wir mit heimischen Firmen zusammenarbeiten.“

Seit Anfang April werden in Bludenz „Gösser Radler“ für den deutschen Markt produziert. „Das ist eine ganz eigene Produktionslinie, die nichts mit unseren Fohrenburger Bieren zu tun hat“, informiert er. Bei den eigenen Bieren werde man z. B. das Braumeister Bio-Hofbier weiter ausbauen, d. h. auch, dass weitere Vorarlberger Landwirte unter Vertrag genommen werden, die Bio-Braugerste zuliefern. „Mit diesem Projekt sind wir einzigartig in Österreich, weil wir auch auf regionale Gerste zurückgreifen und nicht irgendwo zukaufen“, erklärt er.

Das Bier hat auch den Wirt eines der größten Bierlokale Österreichs überzeugt. Das Bio-Hofbier wird jetzt auch in der Luftburg im Wiener Prater ausgeschenkt. Die Luftburg  ist das größte voll biozertifizierte Restaurant der Welt. VN-sca

„Wir können nicht wirklich planen. Schon wurden erste Feste wieder abgesagt.“

Seit 140 Jahren wird in Bludenz Fohrenburger gebraut, das Bild zeigt die Brauerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Firmenarchiv
Seit 140 Jahren wird in Bludenz Fohrenburger gebraut, das Bild zeigt die Brauerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Firmenarchiv

Fohrenburger GmbH

Gegründet 1881

Gesellschafter Brau Union /74%), Rauch GmbH, Wolfgang Sila, Streu­besitz (26 %)

Geschäftsführung Wolfgang Sila

Mitarbeiter rd. 150

Ausstoß 145.000 Hektoliter Bier (2019)

Portfolio Bierspezialitäten, Limonaden, Mineralwasser-Handel via s‘Fescht und eigenen Shop: Spirituosen und Wein