“Eine Herzensangelegenheit”

Markt / 15.04.2021 • 22:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Hotel in Fontanella wurde vor ein paar Jahren umfangreich ausgebaut. Dafür wurden zehn Millionen Euro investiert. schäfer
Das Hotel in Fontanella wurde vor ein paar Jahren umfangreich ausgebaut. Dafür wurden zehn Millionen Euro investiert. schäfer

Gläubiger stimmen zu: Hotel “Das Schäfer” in Fontanella kann fortgeführt werden.

Fontanella Es ist das erste Hotel in Vorarlberg, das während des anhaltenden Lockdowns eine erfolgreiche Sanierung geschafft hat. Gestern wurde am Landesgericht Feldkirch der Sanierungsplan der „Das Schäfer Berghotel GmbH“ in Fontanella mit der erforderlichen Mehrheit und einer Quote von 23 Prozent akzeptiert. Es gab nur eine Gegenstimme. Somit ist der Fortbestand des Hauses gesichert.

Das Hotel hatte im Jänner 2021 ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Betroffen waren rund 74 Gläubiger. Der Insolvenzverwalter hatte Forderungen in Höhe von 9,1 Millionen Euro anerkannt. Ein Teil davon ist auf einer Liegenschaft besichert.

Herzensangelegenheit

Jenen Gläubigern, die dem Sanierungsplan nun zustimmten, ist Geschäftsführer Rainer Schäfer dankbar. „Allen diesen regionalen Gläubigern und Lieferanten gilt unser großer Dank. Auch der Gemeinde Fontanella und dem Land Vorarlberg im Besonderen, denn die Fortführung des Berghotels ist für die gesamte Familie Schäfer eine Herzensangelegenheit.“ Man wolle nun effizient und fokussiert weiterarbeiten. „Wir haben die vergangenen Wochen und Monate genutzt, die Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Eine Besonderheit

Rechtskräftig wird der Sanierungsplan in 14 Tagen. Bis dahin gilt noch eine Einspruchsfrist. Eine Besonderheit in dem Verfahren war jedenfalls, dass durch den noch bestehenden Lockdown in der Hotellerie kein Umsatz im laufenden Betrieb verdient werden konnte. Eine spezielle Situation, sagt Sanierungsberater und Rechtsanwalt Matthias Prior (Abel Rechtsanwälte, Wien). „Trotz der besonderen Herausforderung während des aktuell nach wie vor bestehenden Lockdowns war die erfolgreiche Sanierung insbesondere durch die Unterstützung der regionalen Geschäftspartner und der öffentlichen Gläubiger sowie aufgrund der professionellen Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter möglich.“

Für die Gläubiger sei diese Lösung insgesamt wesentlich attraktiver, betont Regina Nesensohn, Standortleiterin des Kreditschutzverbandes KSV1870. „Weil im Falle einer Zerschlagung des Unternehmens die Quote viel niedriger ausfallen würde.“

Große Investitionen

Die Geschichte des Hotels in Fontanella begann in den 1990er-Jahren. Ursprünglich als Pension betrieben, folgte vor ein paar Jahren ein großer Erweiterungsschritt zum 4-Sterne-Superior-Hotel. Zehn Millionen Euro wurden dafür investiert. Seitdem war allerdings die wirtschaftliche Lage angespannt. Laut Rainer Schäfer habe man es im Jahr 2019 aber geschafft, die Situation mittels Restrukturierungsmaßnahmen zu stabilisieren. Auch den ersten Lockdown 2020 habe man unter Aufbringung aller erdenklichen Kräfte bewältigen können. Den zweiten und dritten dann aber nicht mehr. So musste dann auch die Sanierung beantragt werden.

Nun geht der Blick nach vorne. Sobald es die gesetzlichen Covid-19-Bestimmungen zulassen, soll der Hotelbetrieb umgehend wieder geöffnet werden. Die Familie Schäfer geht jedenfalls davon aus, dass dann auch eine gute Buchungslage erreicht werden kann. „Wir sind mehr als zuversichtlich, dass nach Corona der Betrieb erfolgreich weitergeführt werden kann.“ VN-reh

„Eine Sanierung während bestehendem Lockdown war eine besondere Herausforderung.“

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