Wer in Vorarlberg Kanonen baut

Markt / 31.01.2022 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer in Vorarlberg Kanonen baut
Der Markt für die kleine Kühne-Kanone ist eine Nische, aber dafür ist er international.VN/Sams

Meininger Firma Kanonen Kühne produziert kleine, aber funktionsfähige, Kanonen und Hightechbauteile.

Meiningen Nein, wie in einer Waffenschmiede schaut es in der Werkstätte von Andreas Kühne in Meiningen nicht aus. Das hätte man sich eigentlich erwartet, wenn sich eine Firma den Namen „Kanonen Kühne“ gibt. Oder auch nicht. Seine Geschäftsidee, nämlich Kanonen zu bauen, ist aus der Not entstanden. Als sich die Gesetzeslage änderte und der ausgebildete Feuerwerker nicht mehr Freudenböller so abschießen konnte, wie er es gewohnt war, hat er sich schlau gemacht, Fachliteratur gebüffelt, das Internet durchsucht und seinem eigenen Know-how beim Zerspanen vertraut. Denn auf die Kanonenschüsse, die nicht abschrecken sollen, sondern bei freudigen Ereignissen zum Einsatz kommen, wollte er partout nicht verzichten, und seine Feuerwehrkameraden, mit denen er für das berühmte Meininger Feuerwerk, zu dem jährlich Tausende Menschen aus Vorarlberg und dem Schweizer Rheintal strömten, organisierte, auch nicht. Und auch das zeigten seine Nachforschungen: Auf dem Markt gab es “kein wirklich schönes Angebot, das waren im besten Fall schwarze Rohre mit Gummirädern dran”.

Weltweit nachgefragt

Die Recherche und vor allem die hohe Qualifizierung von Kühne machten es möglich. Im Jahr 2011 entstand die erste jener Kanonen, die inzwischen vor allem bei Schützenvereinen, aber auch als hochwertige Werbegeschenke weltweit nachgefragt sind, wie der stolze Unternehmer und Handwerker erzählt. Wer eine Kanone bestelle, können sie binnen einer Woche bekommen, berichtet er über die Lieferzeiten. Die Kanone gab schließlich auch den Startschuß für seine Selbstständigkeit. Doch im geschäftlichen Alltag ist sie inzwischen trotz der firmennamensgebenden Funktion längst nicht mehr der wichtigste Teil des gut gehenden Kleinunternehmens. “In der Zerspanung gibt es nichts, was wir nicht machen, von der Neukonstruktion bis zu Reparaturen für Handwerker, Landwirte und Privatpersonen”, umreißt der Kanonenentwickler seine Geschäftstätigkeit. Hauptsächlich fertige er für Vorarlberger Unternehmen in Gewerbe und Industrie. Auch in den vergangenen zwei Jahren sei er mit diesen Aufträgen gut ausgelastet gewesen. Doch er freue sich nach wie vor über jede Kanone, die bestellt werde.

“Staatlich geprüfte Qualität”

Die Kanone, die nicht als Waffe, sondern als Signalschussapparat gilt und deshalb auch keinen Waffenschein benötigt, muss dennoch allen Sicherheitsvorschriften entsprechen. Deshalb packt der Meininger einmal im Jahr seine Kanonenrohre ins Auto und fährt in die Kärntner Büchsenmacherhochburg nach Ferlach, wo jedes einzelne Kanonenrohr vom Beschussamt “beschossen” wird. “Staatlich geprüfte Qualität”, so Kühne.  Allerdings, 18 Jahre alt muss man schon sein, um sie zu betätigen. Und eine Genehmigung der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft braucht man auch, wenn man z. B. für ein Hochzeitspaar Salut schießt, einen Geburtstag einläutet oder beim Schützenfest für Donner sorgt.

Andreas Kühne (im Bild mit Kanonenrohr) in seiner hochmodernen Werkstätte, in der er neben den Kanonen auch Präzisionsteile für Maschinen herstellt. <span class="copyright"> VN/Sams</span>
Andreas Kühne (im Bild mit Kanonenrohr) in seiner hochmodernen Werkstätte, in der er neben den Kanonen auch Präzisionsteile für Maschinen herstellt.  VN/Sams

„Auf dem Markt gab es keine schöne Kanone, deshalb habe ich sie selbst gebaut.“

Andreas Kühne, Kanonen Kühne

Die Minikanonen, eine noch kleinere ist in Entwicklung, wird von A bis Z im eigenen Haus gefertigt, d. h. auch die Holzteile. Dafür verwendet Kühne heimische Esche. So viel Handwerkskunst hat ihren Preis. Eine Kanone kostet 2500 Euro, dafür ist aber eine Gebrauchsanleitung und für Selbstabholer eine Einschulung dabei. Übrigens: Ausleihen kann man das Schießgerät auch.

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