Heimwerken statt Mode

Markt / 28.02.2022 • 19:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sparten-GF Michael Tagwerker, Obfrau Carina Pollhammer, Erhard Fischer (Intersport) und Peter Voithofer (Economica). wkv/Mauche
Sparten-GF Michael Tagwerker, Obfrau Carina Pollhammer, Erhard Fischer (Intersport) und Peter Voithofer (Economica). wkv/Mauche

Vorarlberger Handel 2021 mit Umsatzplus. Aber nicht allen Branchen geht es gut.

Dornbirn Zwei Jahre Corona haben auch beim Vorarlberger Handel deutliche Spuren hinterlassen. Mit Ausnahme der Geschäfte mit Produkten des täglichen Bedarfs bedeutete die Pandemie schließlich 130 Tage im Lockdown. Dementsprechend spricht Obfrau Carina Pollhammer (Spar Vorarlberg) von zwei „durchwachsenen“ Jahren mit einem sehr differenzierten Bild quer durch alle Branchen. Von einem leichten Plus bis hin zu einem extremen Minus sei alles dabei. Das hänge stark vom Geschäftsmodell und dem Standort ab.

Bereiche mit Aufholbedarf

Das vergangene Jahr 2021 brachte dem Handel im Land (Einzelhandel, Großhandel, Kfz-Handel) insgesamt ein nominelles Umsatzplus von 10,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 betrug das Plus 5,4 Prozent. Die Zahlen seien erfreulich, sagt Pollhammer. Allerdings gebe es in einigen Bereichen noch immer Aufholbedarf. „Im Bekleidungs- und Schuhhandel konnte das Vorkrisenniveau beispielsweise noch nicht erreicht werden. Genauso wenig in den Bereichen Blumen, Schmuck, Spielwaren, Sportartikel und Elektro sowie dem Bücher- und Zeitschriftenhandel.“

Deutlich positiv lief der Onlinehandel mit einem Plus von 12,4 Prozent. Auch sehe man Verschiebungen zwischen einzelnen Branchen, sagt Peter Voithofer vom Economica Institut. „Einen großen Unterschied gibt es zwischen dem Modehandel und dem Bereich „Do it yourself“. Während die Umsätze im Modehandel noch um 6,3 Prozent unter dem Vorkrisenniveau 2019 liegen, konnte der Einzelhandel mit Bau- und Heimwerkerbedarf die Umsatzsteigerungen auch 2021 weiter ausbauen.“

Zudem müsse man beachten, dass das Plus im Großhandel vor allem aus den außergewöhnlich hohen Preissteigerungen resultiere. Der Umsatzanstieg im Kfz-Handel wiederum sei auf den ersten Blick erfreulich, allerdings vergleiche man hier mit einem sehr schlechten Jahr 2020, sagt Voithofer.

Weihnachten desaströs

Nicht zu vergessen, so Pollhammer, sei auch das „desaströse“ Weihnachtsgeschäft aufgrund von 2G. Der Handel mit Mode- und Freizeitartikel beispielsweise hätte dadurch Umsatzeinbußen von bis zu 40 Prozent erlitten. „Insgesamt – mit Ausnahme der Grundversorgung – sind die Einnahmen gegenüber 2019 um 23 Prozent gesunken“, betont die Spartenobfrau.

Je nach Standort

Erhard Fischer betreibt fünf Intersport-Standorte in Vorarlberg und beschäftigt 180 Mitarbeiter. Auch er sieht ein sehr differenziertes Bild zwischen seinen Standorten. „In Tourismusorten haben wir die fehlenden Gäste im Umsatz gespürt. Auch wenn die Einheimischen einiges davon kompensiert haben. In den städtischen Standorten haben wir unsere Umsatzziele erreicht. Gerade nach den Lockdowns haben wir starke Kundenfrequenzen verzeichnet“, erklärt Fischer.

Erfreulich ist, dass die Zahl der Beschäftigten 2021 wieder gestiegen ist. Mitarbeiter seien gefragt, so Voithofer. Das sehe man an der sinkenden Arbeitslosenquote und dem Anstieg der offenen Stellen. Optimistisch ist er auch für heuer. „Wir erwarten, dass die Konsumausgaben deutlich steigen werden. Wichtig ist Normalität, denn das bedeutet auch wieder Impulskäufe.“

Optimistisch für heuer

Zuversichtlich ist auch Carina Pollhammer. Nichtsdestotrotz brauche es für die nach wie vor stark betroffenen Branchen weitere Unterstützungsmaßnahmen seitens der Regierung. Und auch die Loyalität der Vorarlberger Bevölkerung, die regionalen Händler zu unterstützen. „Man sollte ihnen gerade jetzt treu bleiben.“ VN-reh