Deshalb sieht die Vorarlberger Industrie schwarz

Markt / 19.07.2022 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Erwartungen der Metallindustrie für die nächsten sechs Monate sind sehr pessimistisch. <span class="copyright">Reuters</span>
Die Erwartungen der Metallindustrie für die nächsten sechs Monate sind sehr pessimistisch. Reuters

Pessimismus dominiert Konjunkturumfrage in den größten Unternehmen des Landes.

Lustenau Regelmäßig fragen die Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung Vorarlberg die aktuelle Situation wie auch die geschäftlichen Aussichten bei ihren Mitgliedsbetrieben ab, doch so pessimistisch gestimmt waren die Manager in Vorarlbergs größten Unternehmen selten, zum letzten Mal im Jahr 2012, wie Industriellenpräsident Martin Ohneberg gleich zu Beginn der Präsentation feststellt und auch die Gründe dafür nennt, die derzeit nicht nur die Wirtschaft, sondern das gesamte Land, ja ganz Europa, beschäftigen: Das liege vor allem an dem hohen Kostendruck am Markt, konkret an den hohen Rohstoff- und Energiekosten. Ganz zu schweigen vom Ukraine-Krieg sowie den unklaren Einschränkungen durch Covid im Herbst.Und schliießlich sei auch der Personalmangel ein Problem. Das könnte anders werden, wenn nicht richtig reagiert werde auf die aktuelle Situation, so der Industrielle.

„Wir brauchen Zukunftsperspektiven und erwarten mehr Planbarkeit und Hausverstand.“

Martin Ohneberg, Präs. Industriellenvereinigung

Größter Unsicherheitsfaktor ist die Energie. Wenn Russland den Gashahn zudrehe, drohe ein volkswirtschaftliches Fiasko – das hat die Industriellenvereinigung bereits vor knapp zwei Wochen vorgerechnet: „Ohne Gas würde der direkte und vorgelagerte Wertschöpfungsverlust wöchentlich 74,4 Millionen Euro betragen, also 23 Prozent der gesamten Wertschöpfung. Darüber hinaus hängen fast 28.000 Arbeitsplätze am Gas”. Bisher ist nicht viel geschehen.  „Dass wir die Abhängigkeiten reduzieren müssen, ist vollkommen klar. Neben einem kurzfristigen „Masterplan Gas“ zur Reduktion der Abhängigkeit und zur Planung des Worst-Case-Szenarios brauche die Wirtschaft einen langfristigen Plan zur Energiesicherheit – “ohne bewusst in Kauf genommenen Wohlstandsverlusten und mit einer technologischen Offenheit gegenüber unterschiedlichen Energieträgern.“

Schulterschluss gefordert

Einen Schulterschluss fordert die Industrie auch bei den Herbst-Lohnverhandlungen, denn wenn die Forderungen der Gewerkschaft “überzogen” seien, bestehe die Gefahr, dass wir uns aus dem Markt herausschießen. Bei der Forderung nach einer Inflationsabgeltung durch die Arbeitnehmervertreter müsse man selbstverständlich auch die staatlichen Hilfen berücksichtigen, so Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der WKV. Gefordert sei jetzt, so die Industrievertreter, Hausverstand und Verantwortung “ohne Inszenierung und Drohgebärden.

Deutlicher Absturz

Für den Geschäftsklimaindex wurden 38 Vorarlberger Unternehmen mit über 27.000 Beschäftigten befragt. Der Mittelwert der Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten ist nach der Verschlechterung vom ersten Quartal noch einmal deutlich abgestürzt. Die aktuelle Geschäftslage wird von 65 Prozent der Unternehmen noch als gut bezeichnet, die Geschäftslage in sechs Monaten wird hingegen nur mehr von vier Prozent als gut eingeschätzt. Das spiegelt sich auch in der Einschätzung der Ertragslage wider: 46 Prozent der befragten Manager erwarten eine schlechtere Ertragslage im kommenden halben Jahr, nur vier Prozent eine Verbesserung.

Industrie konjunkturumfrage

Geschäftslage derzeit 65% gut, 4% schlecht, 31% durchschnittlich

Geschäftslage in 6 Monaten 4% gut, 36% schlecht, 60% durchschnittl.

Ertragssituation in 6 M. 4% gut, 46% schlecht, 60% durchschnittlich

Geschäftlage Metallind. in 6 M. 1% gut, 61% schlecht, 38% durchschnittlich

GL Lebensmittelind. in 6 M. 1% gut, 7% schlecht, 92% durchschnittlich

GL Textilind. in 6 M. 0% gut, 31% schlecht, 69% durchschnittlich

GL Elektroind. in 6 M. 35% gut, 5% schlecht, 60% durchschnittlich

GL Verpackungsind. in 6 M. 0% gut, 26% schlecht, 74% durchschnittlich