Keine Negativzinsen mehr für Firmenkunden

Markt / 26.07.2022 • 18:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Europäische Zentralbank hat erstmals seit 2011 den Leitzins erhöht. dpa
Die Europäische Zentralbank hat erstmals seit 2011 den Leitzins erhöht. dpa

Erste Banken schaffen Verwahrgebühren ab.

Wien Für Kommerzkunden zweier österreichischer Banken deutet sich ein Ende der Negativzinsen an. Die Bank Austria und die Erste Group haben ein Abschaffen der Verwahrgebühren angekündigt, die ab einem gewissen Kontostand für Firmenkunden erhoben wurden. Die beiden heimischen Geldhäuser reagieren damit auf die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag.

Die Bank Austria erhob bis jetzt bei institutionellen Kunden, Kunden des öffentlichen Sektors und Firmenkunden eine individuell vereinbarte Verwahrgebühr auf große Guthaben, will dies nun aber zeitnah abschalten. Auch die Erste Bank will die Gebühr, die dort oberhalb einer Freibetragsgrenze von 100.000 Euro schlagend wurde, in Kürze nicht mehr verrechnen.

Mittelfristiges Ziel

Bei den Volksbanken dürften Verwahrgebühren mittelfristig mit großer Wahrscheinlichkeit verschwinden. Davon geht ein Sprecher der Gruppe aus. Zurzeit würden für Firmenkunden teilweise Verwahrgebühren kassiert, dabei gebe es aber je nach Volksbank unterschiedliche Modalitäten. Bei der BAWAG gibt man sich zurückhaltender und kündigt noch keine konkreten Schritte an. Man beobachte die Marktentwicklung aufmerksam, teilte ein Sprecher der Bank mit.

Mit der jüngsten Zinserhöhung sind die „Strafzinsen“ der EZB, also die Negativzinsen auf bei der Zentralbank geparkte Gelder, weggefallen. Diese wurden von einigen Instituten in Form von sogenannten Verwahrentgelten bzw. Verwahrgebühren – de facto Negativzinsen auf Bankguthaben – an ihre Firmenkunden weitergegeben.

Für Private verboten

Nach einem OGH-Urteil aus dem Jahr 2009 sind Negativzinsen für private Sparer in Österreich verboten, nicht aber für Geschäftskunden. In Deutschland sind Verwahr­entgelte auf Spar- und Girokonten für Privatkunden erlaubt.

Für (private) Sparer in Österreich ändert sich nach dem EZB-Entscheid einstweilen nicht viel. Die Erste Group bietet laut eigener Aussage nur fix verzinste Sparprodukte an. „Wir werden die Marktentwicklung weiter beobachten und bei deutlichen Zinserhöhungen Angebote legen“, heißt es in einem Statement. Auch bei der Bank Austria hat die Leitzinserhöhung keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Sparerzinsen. „Die relevanten Indikatoren für Sparzinsen sind derzeit immer noch negativ. Für die Zukunft ist abzuwarten, wie sich der Markt entwickelt“, so eine Sprecherin.

Variable Verzinsung betroffen

Steigerungen nach oben gibt es dafür teilweise bei variabel verzinsten Krediten und bei neuen Fixzins-Krediten. „Diese Entwicklung ist aber nicht neu, sie hat sich bereits durch die Ankündigung der EZB, den Leitzins zu erhöhen, gezeigt“, heißt es bei der Bank Austria. Bei variabel verzinsten Krediten sei zudem die Entwicklung bei den Euribor-Zinssätzen entscheidend. Die Erste Bank gab an, dass es bei Krediten mit variablen Zinsen zu einer höheren Zinsbelastung kommen werde.