Kunststoff für die Nachhaltigkeit

Markt / 22.09.2022 • 22:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Becher und Geschirrteile von Cup Concept werden vom Unternehmen selbst gereinigt und den Kunden wieder zur Verfügung gestellt.Fa
Die Becher und Geschirrteile von Cup Concept werden vom Unternehmen selbst gereinigt und den Kunden wieder zur Verfügung gestellt.Fa

Cup Concept ist Europas Marktführer bei Kunststoff-Mehrwegbechern und -geschirr.

Sulz, Sexau  Das nennt man Voraussicht: Vor 27 Jahren hat der Kunststofftechnik-Spezialist Fries in Sulz eine Idee, die sich Bahn bricht. Das Unternehmen, das heuer 125-jähriges Jubiläum feiert, hat damals Kunststoffbecher ins Programm genommen und von Anfang an auf Mehrweg gesetzt. Das bedeutete – auch wenn das Produkt – simpel erscheint, umfassende Innovationsarbeit, wie der CEO des Fries-Tochterunternehmens Cup Concept, das seinen Sitz im deutschen Sexau hat, Gerhard Bertsch, berichtet. Das richtige Material war ebenso Thema wie die Möglichkeiten es zu bedrucken, die Reinigungseigenschaften und die Nutzung. Neben der Logistik, die aufgebaut werden musste, wurde auch ein Reinigungsmittel entwickelt, das einen geringen Wasserverbrauch gewährleistet, entsprechende Trocknungseigenschaften aufweist und chlorfrei ist. Und nach wie vor wird weiterentwickelt.

Fullservice-Konzept

Das Spin-Off der Sulner ist seither kontinuierlich gewachsen. Heute beschäftigt das Unternehmen in Deutschland, wohin auch der Hauptsitz von Cup Concept verlegt wurde, ganzjährig 85 Mitarbeiter, im Sommer verdoppelt sich die Zahl auf 150. Denn Cup Concept bietet ein Fullservice Konzept. Die Becher werden in Sulz produziert, von Cup Concept verwaltet, eingesetzt, wieder gereinigt und ersetzt, sollten Becher abhanden kommen. Was regelmäßig der Fall ist und das hat gute Gründe.

Denn die Becher sind in Fußballstadien in Deutschland und Österreich inzwischen Standard. Mit dem richtigen Label sind sie bei Fans begehrt. Das gilt auch für Rockkonzerte von der Rolling Stones-Europatour bis zum Szene-Openair in Lustenau. Derzeit sind rund fünf Millionen Becher im Umlauf, berichtet Bertsch. Und es werden ständig mehr. Die Nachfrage ist so groß wie nie, heuer erfolgte sogar ein viermonatiger Verkaufsstopp, weil Produktion und Handling überfordert waren. Derzeit werden in Sulz vier weitere Produktionseinheiten installiert.

Mehrweggeschirr und Coffeecups

Cup Concept bietet in Zukunft nicht nur Becher an, sondern die gesamte Palette an Mehrweggeschirr inklusive Besteck nach dem bewährten selbst entwickelten System: Also herstellen, reinigen, manangen und bereitstellen. „Die Pommesschale ist jetzt schon ein Verkaufsschlager“, so Bertsch: 500.000 wurden davon heuer verkauft. Die Eventbranche steht danach bereits an, denn Nachhaltigkeit sei inzwischen für alle wichtig. Das gilt auch für Kaffeebechersysteme. Der Automaten-Mehrwegbecher mit eigener Reinigungsinfrastruktur für die Betriebe und verschiedenen Rückgabemöglichkeiten, u. a. mittels App-Applikation wird noch heuer ausgerollt. Die Test in einem Vorarlberger Großunternehmen sind positiv abgeschlossen, die Nachfrage groß. In München arbeitet man mit dem Startup Kooky zusammen, das ein Recyclingsystem etabliert. Laut Bertsch unter den momentan am Markt befindlichen bzw. vor Marteintritt stehenden Startups das vielversprechendste System.

Digitialisierung ist auch bei Cup Concept ein Thema: Sowohl Abrechnungen etwa bei großen Festveranstaltungen mit mehreren Wirten werden digital durchgeführt, das Management für die Kunden ebenso. Auch die Gestaltung der Gebinde kann digital durchgeführt werden. Die Sulner vertrauen bei der Digitalisierung auf Fachleute. „Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenzen.“

Diese sollen in Zukunft noch mehr Menschen in Europa in Anspruch nehmen. Noch heuer gehen zwei weitere Standort in Deutschland an den Start, Länderstandorte werden in Dänemark, Frankreich und Spanien eröffnet. Der Markt sei bereit dafür, das zeige nach den zwei Jahren Corona mit jeweils 90-prozentigem Umsatzrückgang die Zahlen. Gegenüber 2019 beträgt heuer das Umsatzplus 20 Prozent. Was dazu notwendig ist: Mitarbeiter. Sowohl bei der Mutterfirma Fries als auch bei Cup Concept. Ein Plus sei, dass man mit dem nachhaltigen Konzept viele Menschen, die nicht nur verdienen, sondern sinnvolle Arbeit leisten wollen, begeistern könne. Immerhin bis zu 400 Mal wird ein Becher verwendet, danach werden sie geschreddert und zu neuen Geschirrteilen verarbeitet. VN-sca

„Wir wollen uns mit Cup Concept international noch breiter aufstellen und eröffnen weitere Niederlassungen.“

Cup Concept

Markteinführung 1995

Eigentümer Fries Kunststofftechnik GmbH

Geschäftsführung Gerhard Bertsch (CEO), Katharina Rhomberg-Shebl, Florian Stengel

Umsatz Gruppe 2022 (Fries und Cup Concept) zwischen 35 und 40 Millionen Euro

Belieferung rd. 10.000 Events 2022