Nerven und Ausdauer gefragt

Markt / 14.10.2022 • 19:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nerven und Ausdauer gefragt

Dornbirn Die ökonomische und politische Großwetterlage hat sich in den letzten Monaten nicht wesentlich gebessert. Damit einhergehend zeigen sich auch die Kapitalmärkte weiter von ihrer volatilen Seite. Einer rasanten Gegenbewegung im Juli folgte eine neuerliche Stimmungseintrübung in den vergangenen Wochen, sodass gegenwärtig sowohl globale Aktien als auch Anleihen nahe den kurstechnischen Jahrestiefstständen notieren. Die Gründe für die Verunsicherung bleiben im Grunde genommen seit Monaten unverändert – die geopolitischen Spannungen rund um den Russland-Ukraine-Konflikt, horrende Energiekosten, eine hartnäckig hohe Teuerungsrate und der hieraus resultierende Kampf der Notenbanken diese zu bändigen.

Während die US-FED in puncto Glaubwürdigkeit in den letzten Wochen deutlich zulegen konnte – sie hat den Leitzins Ende September bereits zum dritten Mal in Folge um 0,75% auf mittlerweile 3-3,25% – ist die Europäische Zentralbank gefühlt weiterhin im Selbstfindungsmodus. Zwar hat auch Christine Lagarde beim jüngsten Meeting im September den 0,75 Prozent-Schritt für sich entdeckt, jedoch hat man dennoch das Gefühl, dass die EZB mit einigen Monaten Verzögerung im Windschatten der FED agiere.

Auch wenn wir in Europa den Höhepunkt der Inflation wohl noch vor uns haben, so darf man nicht außer Acht lassen, dass zwei der drei wesentlichsten Inflationstreiber sich allmählich entspannen. Die durch die Corona-Pandemie angespannten Lieferketten scheinen sich (zwar spät) aber nun doch zu normalisieren. So sind beispielsweise die globalen Frachtkosten seit der Spitze letzten Jahres schier unbemerkt um über 60% zurückgekommen. Die Kosten für Energie bleiben enorm, aber auch hier haben wir in den letzten Wochen positive Tendenzen beobachtet.

Entsprechend der vielen negativen Faktoren bleibt das Umfeld für die Kapitalmärkte weiter fordernd. Die Aktienmärkte befinden sich in einem Bärenmarkt und selbst Anleihen haben im Jahresverlauf Verluste in historischem Ausmaß erlitten. Die Stimmung unter den Marktteilnehmern ist am langjährigen Tiefpunkt. Die aktuellen Kurse scheinen diese negativen Szenarien bereits zu bepreisen.

christoph.flatz@dornbirn.sparkasse.at, Christoph Flatz, Private Banking. www.erste-am.at

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