“Der Notgroschen ist ein Thema”

Markt / 23.10.2022 • 17:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Kurz vor Weihnachtsgeschäft lässt VN-Wirtschaftsbarometer die Alarmglocken schrillen.

Schwarzach, Linz Es geht noch tiefer. Bereits im Juli hat das Linzer Meinungsforschungsinstitut Spectra, das seit über 30 Jahren die wirtschaftliche Großwetterlage in Österreich und in den Bundesländern erhebt, festgestellt, dass so tief wie zum damaligen Zeitpunkt die Stimmung bei den rund 2000 Befragten noch nie oder nur selten gesunken ist, wie aus dem Spectra-Wirtschaftsbarometer für die Vorarlberger Nachrichten, die Oberösterreichischen Nachrichten und weitere Bundesländerzeitungen hervorgeht. Doch die Österreicher haben sich durch die Krisen und Ereignisse der letzten Wochen und Monate nochmals pessimistischer zur aktuellen Wirtschaftslage geäußert.

Pessimismus nimmt zu

Die Stimmung und die für die Konjunktur so wichtige Konsumlaune sind auf einem Tiefpunkt angekommen. Das ist die Kernaussage, wenn man die verschiedenen Fragen zur wirtschaftlichen Großwetterlage in Österreich analysiert. Das starke eingetrübte Konsumklima ist denn auch für Spectra-Geschäftsführer Peter Bruckmüller ein Alarmsignal: „Der Wirtschaftsoptimismus ist ein sehr volatiler Wert, Veränderungen bei der Sparneigung und beim Konsumklima gehen normalerweise normalerweise sehr zäh vor sich. Daher sei die Verschlechterung bei der Sparneigung – in Österreich wollen 51 Prozent künftig mehr sparen, in Vorarlberg, sind es 21 Prozent – auch so bemerkenswert.

Die Zahl der Pessimisten nimmt also weiter zu, in Vorarlberg ist es nur noch ein Prozent der Befragten, die „glauben, dass es in der nächsten Zeit mit unserer Wirtschaft eher aufwärts geht“. 92 Prozent der Menschen in unserem sonst doch zuversichtlichen Bundesland sind anderer Meinung, sie glauben, dass es abwärts geht. Damit ist im Bundesländervergleich Vorarlberg das Bundesland mit den pessimistischsten Befragten.

Dementsprechend blicken 75 Prozent der Vorarlberger den nächsten zwölf Monaten mit Sorge entgegen, das sind zehn Prozent mehr als vor drei Monaten. Nur noch 19 Prozent sind zuversichtlich, sehen in den Krisen also auch eine Chance.

Weiter auf Talfahrt

Geld ist vorhanden, so Bruckmüller „aber die Verunsicherung der Menschen, dieses auszugeben, ist groß: Bereits das vierte Quartal in Folge machen die Österreicher die Geldtasche immer weiter zu und sehen die Wirtschaftsentwicklung immer pessimistischer. Und aufgrund der Inflation, die den höchsten Wert seit 70 Jahren erreicht hat, hat sich bei den Österreichern und den Vorarlbergern der Eindruck verfestigt, „sich immer weniger leisten zu können“. Das zeigt sich auch bei der Frage „Können Sie sich mit Ihrem derzeitigen Einkommen mehr leisten als im Vorjahr, weniger oder gleich viel wie im Vorjahr?“ Nur noch ein Prozent (letztes Wirtschaftsbarometer fünf Prozent) der Vorarlberger geben an, sich heuer mehr leisten zu können als vor einem Jahr. 54 Prozent geben an, sich weniger leisten zu können. Bei 41 Prozent hat sich laut dem Wirtschaftsbarometer von Spectra. nichts geändert. VN-sca

„Der Notgroschen ist viel mehr ein Thema, als er das früher war. Auch weil keiner weiß, was kommt.“

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