“Enormes Einsparpotenzial”

Markt / 04.11.2022 • 19:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Know-how der Wagner GmbH ist gefragter denn je: v.l. Werkstattleiter Johannes Skazedonig, GF. Martin Wagner, Prok. Claudia Lusser, Prok. Toni Mündle. FA
Das Know-how der Wagner GmbH ist gefragter denn je: v.l. Werkstattleiter Johannes Skazedonig, GF. Martin Wagner, Prok. Claudia Lusser, Prok. Toni Mündle. FA

Energiepreis steigert Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen der Wagner GmbH.

Nüziders Seit seinem Einstieg in den väterlichen Betrieb ist es Martin Wagner ein großes Anliegen, ein Höchstmaß an Energieeffizienz bei seinen Anlagen zu erreichen. „Die Möglichkeiten in meiner Branche, um den Energieverbrauch von Industrie- und Kraftwerksanlagen zu senken, sind enorm“, ist Wagner überzeugt, der die Wagner GmbH in Nüziders im Jahr 2001 übernahm und zu einem gefragten Partner in den Bereichen Anlagenbau, Edelstahlrohrleitungsbau und Haustechnik weiterentwickelte. Einen Nachfrageschub erfährt der bereits an die 100 Mitarbeiter zählende Betrieb insbesondere aufgrund der derzeit hohen Energiepreise. „Aktuell haben wir mehrere Industrie-Anwendungen in der Planungsphase, welche sich bei den neuen Energiekosten sogar bei Investitionskosten von mehreren Millionen Euro innerhalb weniger Jahre amortisieren.“ Laut Firmenchef Martin Wagner besteht in vielen Industriebetrieben ein großes Einsparpotenzial, das in der Vergangenheit nicht genutzt wurde. Denn in nahezu allen Prozessen in der Industrie entsteht sogenannte Abwärme, die bei Kühlprozessen als „Abfall“ entsteht. Diese Abwärme kann je nach Temperaturniveau entweder direkt als Wärme genutzt oder durch einen Temperaturhub in einer Wärmepumpe auf ein nutzbares Temperaturniveau gehievt und dann genutzt werden.

Optimale Rückgewinnung

Die Herausforderung besteht allerdings darin, dass die benötigte Abwärme im Betrieb meist sowohl zeitlich als auch räumlich versetzt anfällt. „Das macht solche Systeme rasch komplex und somit aufwendig. Durch die derzeit hohen Energiepreise werden diese jedoch wirtschaftlich interessant“, verweist Wagner auf ein aktuelles Projekt: „Bei einem Vorarlberger Industriebetrieb planen wir, diverse Abwärmequellen zu sammeln und die komplette Wärmeversorgung mittels einer Ammoniakwärmepumpe zu bewerkstelligen. Dabei reduzieren wir den Gasverbrauch um etwa 70 Prozent sowie die Betriebskosten um rund eine Million pro Jahr. Die Investitionskosten liegen noch ohne Berücksichtigung von Förderungen bei ca. drei Millionen Euro.“

Innovative Lösungen

Innovative Energielösungen entstehen auch für Großprojekte wie dem Obervermuntwerk II oder dem weltgrößten Holzheizkraftwerk in Frauenfeld (CH). Bei Letzterem zeichnete Wagner für das gesamte Wärmemanagement verantwortlich. Im Werk wird aus Restholz Holzgas gewonnen, das über Gasmotoren in erneuerbaren Strom für rund 8.000 Haushalte umgewandelt und die entstehende Abwärme für diverse Verbraucher abgegeben wird. Das Besondere ist die Klimabilanz. Die Anlage bindet während der Energie-Herstellung CO2 und macht so die gesamte Produktion zu einem CO2-negativen und somit klimapositiven Prozess. „Daneben tüfteln wir auch gerne an kleineren Projekten“, meint Wagner. Das im heurigen Jahr mitrealisierte Schwimmbad in Braz, das erste Null-Energie-Bad in Vorarlberg, zählt zu seinen Lieblingsprojekten. „Mittlerweile wissen wir, dass wir sogar besser als Null-Energie sind. Das heißt, dass vom Bad mehr Energie ans Netz abgegeben wird, als es verbraucht.“

Vorzeigebetrieb

Die Wille für neue Wege prägt die Firmengeschichte. „Schon mein Vater war sehr innovativ. Er war der Erste, der in Vorarlberg Fußbodenheizungen verlegte. Einen Meilenstein bedeutete die Verarbeitung von Edelstahlrohren ab den 1990er Jahren. In diesem Bereich sind wir bis heute in Westösterreich führend.“

Wagner gilt nicht nur durch seine innovativen Energiekonzepte als Vorzeigebetrieb, auch im eigenen Unternehmen wird viel Wert auf eine moderne, nachhaltige Bauweise unter anderem mit dem Baustoff Holz, dem Einsatz von Wärme­pumpen und PV-Anlagen sowie einer intelligenten Gebäudesteuerung gelegt. Über weitere Ideen zu großen Batteriespeichern oder ersten kleinen Wasserstoffanwendungen im Haus wird bereits nachgedacht.

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