Deshalb steigt Vogewosi beim Neubau auf die Bremse

Markt / 12.12.2022 • 13:15 Uhr
Der Wiederaufbau der Wohnanlage Feldmoos ist ein Vorzeigeprojekt für einen zukunftsfitten Umgang mit Altwohnungen, die nicht mehr sanierbar sind. <span class="copyright">FA</span>
Der Wiederaufbau der Wohnanlage Feldmoos ist ein Vorzeigeprojekt für einen zukunftsfitten Umgang mit Altwohnungen, die nicht mehr sanierbar sind. FA

Bilanz 2021: Stabilität trotz herausfordernden Zeiten, sechs neue Wohnanlagen mit 124 Wohnungen fertiggestellt.

Dornbirn Mit 26 Millionen Euro lag das Neubauvolumen des gemeinnützigen Wohnbauunternehmens Vogewosi um knapp 10 Millionen Euro unter dem der letzten Jahre. Es wurden auch weniger Wohnungen übergeben – 124 an der Zahl. Im Jahr 2022 werden es übers Jahr verteilt lediglich 66 sein. Erst im nächsten Jahr steigt die Zahl wieder auf den langjährigen Schnitt, also rund 120 Wohnungen.

Ursache dafür ist die Preisentwicklung, wie Vogwosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz bei der Bilanzpressekonferenz informierte. Steigende Kosten, vor allem bei Bauleistungen und Rohstoffen, aber auch die explodierenden Grundstückspreise haben dazu geführt, „dass wir auf die Bremse gestanden sind“, so Lorenz. Immerhin koste heutzutage ein Grundstück so viel, wie vor wenigen Jahren noch der Bau samt Grundstück gekostet habe, die Kostensteigerung beziffert er mit rund 25 Prozent. „Doch gerade heute hat leistbares Wohnen einen sehr hohen Stellenwert, stellt doch eine Inflation von rund neun Prozent das Leben der Menschen auf eine harte Probe“, ergänzt Aufsichtsratsvorsitzender Karlheinz Rüdisser.

Kein Leerstand

Derzeit vermietet die größte gemeinnützige Wohnbaugesellschaft des Landes 14.583 Wohnungen im Land, für 2595 hat die Vogewosi die Verwaltung übernommen. Leerstand gibt es so gut wie keinen, mit 1,12 Prozent ist er nur halb so groß wie bei vergleichbaren Gemeinnützigen. Die Nachfrage bleibt hoch, auch wenn Lorenz eine leichte Entspannung am Markt ortet. Der große Finanzierungsanteil öffentlicher Gelder und die Eigenmittel der Vogewosi ermöglichten es allerdings auch 2021, dass die Vogewosi eine konstant hohe Zahl an leistbaren neuen Wohnungen errichten konnte. Und auch zwei weitere Gemeinden im Land haben jetzt Wohnanlagen des gemeinnützigen Unternehmens. Mit den Kleinwohnanlagen in Zwischenwasser (12 Wohnungen) und Übersaxen (6 Wohnungen) können diese Kommunen ihren dringenden Wohnbedarf jetzt selbst abdecken. Die Vogewosi ist nun in 60 Gemeinden des Landes Vorarlberg mit nachhaltig leistbaren Mietwohnanlagen vertreten.

Eigenkaptial gesteigert

Trotz der vielen Hindernisse habe die Vogewosi auch 2021 einen wesentlichen Beitrag zur Wohnbauoffensive des Landes geleistet. Die Bilanzsumme konnte auf rund 885 Mill. Euro gesteigert werden. Das Eigenkapital beträgt mit 311 Mill. Euro bereits mehr als ein Drittel der Bilanzsumme. „Gerade in unsicheren Zeiten mit steigenden Zinsen und hoher Inflation ist es umso erfreulicher, dass das Eigenkapital der Vogewosi wieder angewachsen ist“, so der Geschäftsführer. „Gemeinsam mit der Wohnbauförderung gibt uns das die Möglichkeit, die Mieten weitgehend stabil halten zu können.“

Doch nicht nur die Preisverwerfungen durch Lieferengpässe und die Grundstücksskosten sind hoch. Ein weiterer Grund für die Verteuerung ist die Vielzahl an Vorgaben durch die öffentliche Hand. So brauche es zum Beispiel oft eine detaillierte Außenraumplanung, geparkt werden soll nur noch in Sammelgaragen, die entsprechend „eReady“, also für die E-Mobilität ausgestattet sind. Barrierefreiheit ist auch bei Klein- und Kleinstwohnanlagen zu gewährleisten, zudem große Fahrradräume im EG und moderne Unterflurmüllsysteme.

Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz  und der Aufsichtratsvorsitzende Karlheinz-Rüdisser, legten Bilanz des gemeinnützigen Siedlungsunternehmens für das Jahr 2021. <span class="copyright">FA</span>
Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz und der Aufsichtratsvorsitzende Karlheinz-Rüdisser, legten Bilanz des gemeinnützigen Siedlungsunternehmens für das Jahr 2021. FA

Aufgrund der Preisexplosionen in allen Bereichen werden im Neubau vorerst nur noch Projekte gestartet, die aufgrund des Wohnbedarfs dringend benötigt werden. Außerdem konzentriert sich die Bautätigkeit auf die derzeit noch etwas kostengünstigeren Holzbauprojekte Wohnen500+® und auf Projekte, deren Bauverfahren bereits sehr weit fortgeschritten sind. „Wir forcieren vor allem Projekte, die weitgehend Kostensicherheit garantieren, nachhaltig finanzierbar sind und solide und überschaubare Ausfinanzierungsräume aufweisen“, so der Geschäftsführer.

Insgesamt wurden im Jahre 2021 bei 40 Wohnanlagen Sanierungsarbeiten durchgeführt. Investiert wurde vor allem in sicherheitstechnische Bereiche wie Elektroanlagen, Brandschutzmaßnahmen, in die laufende Überprüfung der Dächer sowie in Garagentorerneuerungen. Umfassende energetische Sanierungen werden zunehmend seltener, da die hohen Kosten in diesem Bereich nicht mehr auf die Mieterinnen und Mieter weiterverrechnet werden können. „Sanieren wie bisher wird in Zukunft nicht mehr leistbar sein. Es braucht gravierende Änderungen im Bereich der Förderungen und des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes, um die dringend notwendige Steigerung der Sanierungsrate finanzieren zu können,“ betont Hans-Peter Lorenz.

Vogewosi Daten

Bilanzsumme 884,7 Mill. Euro (2020: 877,9 Mill. €)

Eigenkapital 310,9 Mio. Euro (2020: 295,1 Mill. €)

Sachanlagevermögen 723,3 Mill. Euro

Umsatz 92,3 Mio. Euro

Bilanzgewinn 6,37 Mill. Euro

Mietwohnungen 14.583

Verwaltete Wohnungen gesamt 17.178

Mitarbeiter 97