Weshalb es trotz Streik keinen Bierengpass gibt

Markt / 12.12.2022 • 18:00 Uhr
Die Abfüllanlage ist am Montag im Land nur bei der Mohrenbrauerei still gestanden. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Die Abfüllanlage ist am Montag im Land nur bei der Mohrenbrauerei still gestanden. VN/Paulitsch

Von Melanie Fetz, Andreas Scalet

Schwarzach, Dornbirn Am Sonntag endete die Verhandlungsrunde zum Kollektivvertrag der Brauwirtschaft bereits zum sechsten Mal ohne Abschluss. Gleich im Anschluss daran machte die Gewerkschaft ernst: Von Sonntag 22 Uhr bis Montag 22 Uhr steht die Arbeit still – zumindest bei den ganz großen Brauereien. In Vorarlberg haben sich nur die Mitarbeiter einer Brauerei, der Dornbirner Mohrenbrauerei, zur Teilnahme am Streik entschieden. In den anderen Brauereien – die VN berichteten bereits – wird zwar auch auf einen Abschluss wie von der Gewerkschaft gefordert in Höhe von zehn Prozent gehofft, doch die Arbeit niederlegen will oder kann nicht jeder. „Über die Teilnahme entscheiden die Betriebsräte“, informiert der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Pro-GE Wolfgang Fritz im Gespräch mit den VN. Und wenn es gar keinen Betriebsrat gebe, sei das ein zusätzliches Hindernis für streikwillige Brauereimitarbeiter.

Nächste Verhandlung am 21. Dezember

Am späten Montagabend entschied die Gewerkschaftsspitze darüber, ob der Streik weitergeführt werden soll. Auf den Bierkonsum der Vorarlberger bzw. der Österreicher hat die Arbeitsniederlegung vorderhand keine Auswirkungen. Es gibt bislang keinen Bierengpass, noch stapeln sich die Kisten in den Lagern des Lebensmittelhandels. Drei bis vier Tage müsste durchgehend gestreikt werden, bis es „da und dort etwas knapper werden könnte“, schätzt Florian Berger, Geschäftsführer des Brauerei-Verbands.

Der nächste Verhandlungstermin ist auf den 21. Dezember festgelegt, die Gewerkschaft hat aber bereits deponiert, dass sie schon früher weiter verhandeln wolle. Berger hält das für durchaus „denkbar“.

Ist der Streik gerechtfertigt, zahlen Sie mehr für Bier?

Aus Mitarbeitersicht ist es verständlich, dass die Löhne in einem gewissen Maß angepasst werden müssen. Es muss auch mehr Netto vom Brutto übrig bleiben. Die Frage ist, ob so ein Streik eine Lösung ist. Aus Unternehmersicht rechne ich damit, dass eine Bierpreiserhöhung kommen wird. Warum sollte das auch nicht so sein. Für manche wird das dann schwieriger, sie müssen sich dann überlegen, ob sie sich das noch leisten. Bier ist ein Gradmesser. Viele kaufen es nur, wenn es in Aktion ist. Dann verkaufen wir die vierfache Menge.

Jürgen Albrecht (51), Schwarzach

Mich persönlich trifft das Thema jetzt nicht so, weil ich nicht so viel Bier trinke. Ich würde mir Bier hin und wieder auch noch leisten, wenn der Preis steigen würde. Das ist alles eine Spirale. Wenn die Löhne und andere Kosten raufgehen, wird sich das wohl auch auf das Produkt auswirken. Was Streiks angeht, so wird in anderen Ländern noch viel öfter gestreikt. Inzwischen muss jeder schauen, wie er die Teuerung abfedern kann.

Klaus Höfle (55), Schwarzach

Während der kalten Jahreszeit bekommt man so einen Streik vielleicht nicht so zu spüren, weil weniger Bier getrunken wird als im Sommer. Dann wäre das im Hinblick auf die Gastronomen natürlich schlimmer. Für mich ist es unverständlich, warum immer ewig herumdiskutiert werden muss. Wenn die Brauereimitarbeiter mehr Lohn bekommen, wird wahrscheinlich auch der Preis für das Bier erhöht werden müssen. Für viele ist der Bierpreis jetzt schon grenzwertig. Je höher dieser wird, desto eher werden sich manche wahrscheinlich zweimal überlegen, ob sie sich welches leisten. Bier ist ja kein Grundnahrungsmittel. Manche werden dann vielleicht auch auf Billigbier in Discountern zurückgreifen.

Edi Nadrai (48), Dornbirn