Österreichischer Buchpreis an Dimitré Dine

Markt / 11.11.2025 • 13:34 Uhr
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Andreas MarteDimitré Dinev hat an seinem Roman 13 Jahre lang gearbeitet.

“Ich habe nun zwei Jahre, in denen ich mich entspannen kann”.

Wien Der 1.150-Seiten-Roman “Zeit der Mutigen”, der am Montagabend mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet wurde, war das mit Abstand umfangreichste Werk der Auswahl. Autor Dimitré Dinev sieht den Preis als Ermutigung für alle Schreibenden, sich nicht beirren zu lassen: “Daraus entsteht große Literatur: Sich nie an den Markt und an Konventionen halten, nie das machen, was erwartet wird, sondern die Vorurteile sprengen. Man weiß nie, wann ein Buch seinen Weg machen wird.” Er habe während der 13-jährigen Arbeit an seinem Buch “immer das Gefühl gehabt, irgendwann werde ich scheitern”, bekannte er. Diesen Zeitpunkt könne man aber wie den Moment des eigenen Todes nicht im Voraus wissen – deswegen habe er immer weitergeschrieben.
Dass er nicht am Computer, sondern mit der Hand schreibe, verlange “eine andere Art von Disziplin. Wenn man mit der Hand schreibt, schreibt man nur fertige Sätze. Das ist ein ganz anderer Zugang. Das hat auch eine ganz andere Körperlichkeit”, schilderte Dinev. “Ich hatte nur Angst, dass ich eines Tages Dinge, die ich Jahre zuvor geschrieben habe, nicht mehr entziffern können werde. Aber dann kam mir die Erinnerung dabei zu Hilfe. Im Computer gibt es keine Erinnerung. Und auch keine Kaffeeflecken.”


Das Preisgeld von 20.000 Euro sei ihm hoch willkommen, sagte Dinev. “Die Summe ist im Kulturbetrieb vielleicht eine große, aber wenn man sich anschaut, was anderswo auch nur das mittlere Management pro Monat nach Hause bringt, ist es eher bescheiden. Aber wir Autoren sind gewohnt, immer am Rande zu leben. Für mich bedeutet das Geld zwei Jahre, in denen ich mich entspannen kann, in denen ich nicht an die Miete oder an das tägliche Brot denken muss. Das ist sehr viel wert für mich.” Das Erinnern an viele Ereignisse in der jüngeren bulgarischen Vergangenheit sei beim Schreiben schmerzhaft, aber notwendig gewesen. “Die Erinnerung ist unser Fundament. Über die Erinnerung bekommt die Vergangenheit ein Leben, sonst hätte sie gar keinen Wert mehr. Ohne Erinnerung bist du kein Mensch. Ohne Erinnerung gibt es auch keine Erlösung.”
Er hoffe sehr, dass er mit seinem Buch auch den Opfern von Nationalsozialismus und Kommunismus ein Denkmal gesetzt habe, sagte der Autor. “Es war eines meiner tiefsten Anliegen, dass sie wieder ins Bewusstsein kommen.”