Börsentipp: Don’t fight the Fed, Treasury & Trump

Markt / 30.01.2026 • 09:00 Uhr
Börsentipp: Don’t fight the Fed, Treasury & Trump
Union Investment

Experte Patrick Schuchter (Union Investment) über die aktuelle Börsenparty.

Frankfurt Die Aktienmärkte kennen auch im Jahr 2026 größtenteils nur eine Richtung – und zwar nach oben. Dabei sind, anders als in den letzten Jahren, nicht mehr die großen US-Tech-Namen die Anführer der Performanceliste, sondern Namen aus der zweiten Reihe sowie Titel aus Asien, speziell aus China und Südkorea. “Schuld” daran ist paradoxerweise vor allem eine sehr starke US-Wirtschaft.

Laut Live-Daten wächst diese aktuell mit über 5 % – Wachstumsraten, von denen wir in Österreich nur träumen können. Im Normalfall werden in solch einem Umfeld die Zinsen erhöht und die Staatsausgaben gekürzt – in den USA passiert aber genau das Gegenteil: Die Notenbank ist von der Politik angehalten, die Zinsen zu senken, der US-Finanzminister denkt gar nicht ans Sparen und Präsident Trump macht alles, um die Wirtschaft weiter zu befeuern – mit dem Ziel, die Midterm-Wahlen im Herbst zu gewinnen. Das heißt, um einen negativen Blick auf die Aktienmärkte in 2026 zu nehmen, müsste man sich gegen die US-Notenbank Fed, gegen die Staatsausgaben und gegen die Ziele von Trump stellen – ein Unterfangen, das relativ aussichtslos erscheint.

Der Nebeneffekt dieser aggressiven “run it hot” (sprich “lass die Wirtschaft heiß laufen”)-Politik sind die eingangs erwähnten Effekte: Anleger meiden den US-Dollar (Vertrauensverlust & Unsicherheit wegen starkem Staatsausgabenanstieg) und werden in konjunktursensitive Aktien gedrückt. Plötzlich sind Nebenwerte und keine Mag7-Aktien mehr gesucht. Durch die Flucht aus dem Dollar finden auch mehr Gelder ihren Weg in andere Märkte – Aktien aus China, Südkorea und Europa erleben eine Renaissance. Was sollte man als Anleger nun tun? Gut beraten ist derjenige, der die Börsenparty nicht verlässt, solange die Kapelle spielt. Und da die Kapelle aus einem Trio mit starker Zunge und vielen Dollars besteht, kann diese dem Markt noch länger den Marsch blasen – vor allem nach oben.

Patrick Schuchter, Union Investment, Patrick.Schuchter@union-investment.at, Gastkommentar für die Volksbank Vorarlberg e. Gen.