Börsentipp: Die doppelte Bedrohung

Experte Stefan Bruckbauer (UniCredit Bank Austria) über den globalen Wettbewerb im Güterexport.
Wien Trotz des eher schwachen konjunkturellen Starts ins Jahr 2026, zumindest was die Industrie in Österreich und Teilen Europas betrifft, wird 2026 mehr Wirtschaftswachstum bringen. Die deutliche Senkung der Inflationsrate in Österreich im Jänner sollte dazu beitragen, dass heuer die Sparquote etwas niedriger ausfallen wird.
Trotz dieses leicht optimistischen Ausblicks für heuer, steht die Wirtschaft in Österreich bzw. ganz Europa mittelfristig vor großen Herausforderungen. Die Handelspolitik der USA ist dabei eher nur ein, vielleicht sogar eher kleineres Problem.
Österreich hat zuletzt aufgrund der höheren Inflation Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Mitbewerbern in Europa verloren, dies lässt sich jedoch in den nächsten Jahren wieder korrigieren, vor allem mit Hilfe von Produktivitätssteigerungen, was natürlich auch Arbeitsplatzverluste bedeutet.
Herausfordernder wird jedoch der globale Wettbewerb im Güterexport, vor allem mit China. Der hohe Eurokurs verschärft derzeit das Problem noch, ist aber nicht der wesentlichste Grund. Europa hat eine deutlich höhere Kostenbasis – die auch die Basis unseres hohen Lebensstandards ist.
Bisher konnten wir dies durch höhere Qualität unserer Exportgüter ausgleichen. Aber inzwischen hat China deutlich nachgezogen, die Qualität der Exportgüter Chinas unterscheidet sich nur mehr teilweise von jener Europas. So konnte China beim globalen Exportmarktanteil Europa überholen und liegt heute bei 26 Prozent, die EU bei 18 Prozent.
Auch die weltweite Güterproduktion wird heute von China dominiert, es ist aktuell für ein Drittel der globalen Industrieproduktion verantwortlich, Europa – inklusive Großbritannien und der Schweiz – kommt auf ein Fünftel. Dank des Dienstleistungssektors liegt der Anteil am weltweiten BIP Europas noch immer über jenem Chinas, aber im globalen Dienstleistungswettstreit steht Europa den USA gegenüber. Vor allem wenn es sich um global handelbare Dienstleistungen handelt. Europa importierte 2025 bereits mehr Dienstleistungen aus den USA als Waren in die USA exportiert wurden, wenn man die irischen Pharmaexporte herausrechnet.
Die Dominanz der USA besonders im Technologiebereich ist enorm. Europa muss also in diesem Bereich deutlich nachziehen, um seinen Lebensstandard zu halten. Und dieser ist in vielen Bereichen jenem der USA überlegen, denken wir an Einkommensgleichheit, Freizeit, persönliche Sicherheit und viele andere Bereiche des Lebens.