Kompetenz und breite Aufstellung: Paradeunternehmen und ein Problemfall

Markt / 25.02.2026 • 15:30 Uhr
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In diesem hochmodernen Plasmaofen werden Bauteile aus Metall gehärtet, erklärt Firmenchef Klaus Lingenhöle beim Gespräch mit den VN. VN/sca

Feldkircher Technologiefirma investiert Millionen: Aufträge von Weltmarktführern aus der DACH-Region sorgen für gute Auslastung. Anders die Schwesterfirma: Für die 2025 gegründete und insolvente Elektrotechnikfirma werden Optionen jetzt geprüft.

Feldkirch In den vergangenen Tagen sorgte die Insolvenz des Unternehmens Lingenhöle Performance für Schlagzeilen. Das erst im vergangenen Jahr in Nachfolge der Firma Protec gegründete Unternehmen musste aufgrund der Marktsituation vergangene Woche Insolvenz anmelden. Anders die “große Schwester”: Mit dem Unternehmen Lingenhöle Technologie hat Lingenhöle Performance rechtlich nichts zu tun, stellt Klaus Lingenhöle, Eigentümer und Geschäftsführer beider Firmen, fest. Die Situation bei Lingenhöle Technologie ist eine völlig andere – die Auftragsbücher sind voll, in die Zukunft wird weiter investiert.

Kerngesund und gut ausgelastet

Lingenhöle Technologie, gegründet 1973, ist ein kerngesundes Unternehmen, in dem gerade die dritte Generation ihre ersten Schritte macht, wie der Firmenchef berichtet. Mit Präzision, Qualität und Zuverlässigkeit hat sich das Unternehmen, das 88 Mitarbeiter beschäftigt in der Euregio Bodensee einen sehr guten Ruf erarbeitet – das ist gerade in dem Bereich, in dem der Feldkircher Spezialist tätig ist, Gold wert. Das bedeute aber auch, in der Leistung nicht nachzulassen, sondern im Gegenteil: Ständige Qualifizierung der Mitarbeiter, ständige Innovation und ständige Updates im Maschinenpark sind geübte Praxis in einer Branche, in der es auf Hundertstel Millimeter ankommt und darum geht, dass diese Qualität dauerhaft gewährleistet wird, betont Firmenchef Lingenhöle.

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Hightech für absolute Präzision: Lingenhöle Technologie hat gerade in diese Anlage rund 1,5 Millionen Euro investiert. FA

Derzeit wird in den Werkshallen im Feldkircher Gewerbegebiet Runa gerade eine Maschine aufgestellt, welche derzeit als Nonplusultra in der Branche gilt und die – eine Spezialität des Betriebes – für große Frästeile geeignet ist. Rund 1,5 Millionen Euro kostet das Gerät, informiert er im Gespräch mit den VN. Auch ein neuer Plasmaofen zur Aushärtung von Metall macht die Firma leistungsfähiger. “Wir arbeiten für alle großen Vorarlberger Unternehmen im Metall- und Maschinenbau”, berichtet der Firmenchef. Für einen großen Kunden werden gerade Schiffdieselmotoren, die umweltfreundlich umgerüstet werden, in großem Umfang mit Teilen von Lingenhöle Technologie ausgestattet. Das sorge für eine gute Auslastung, ebenso die Teile für Kunststoffspritzmaschinen, um nur zwei Bereiche zu nennen. In der Branche sind inzwischen Chinesen zu den stärksten Konkurrenten geworden. Lingenhöle könne sich dieser Konkurrenz durch ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal stellen. “Wir sind Spezialisten für große Teile. Ein Import aus China ist in diesem Bereich nicht oder nur mit großen Kosten möglich”, erklärt Lingenhöle, dessen Unternehmen auch im Bau von Wasserkraftwerken aktiv ist.

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Die kleinen Pico-Wasserkraftwerke von Lingenhöle sind eine kompakte und wartungsarme Lösung. Sie werden zur Stromerzeugung in Regionen ohne öffentliches Versorgungsnetz eingesetzt. FA

Hauptsächlich in der Schweiz, im letzten Jahr auch in Tirol, werden Wasserkraftwerke bzw. Teile dafür in Feldkirch gefertigt. Eine Spezialität von Lingenhöle Technologie ist der Turbinenbau. Hier setzt auch das Engagement des Unternehmenschefs für Lingenhöle Performance an, das in einem völlig anderen Bereich eine hohe Expertise hat.

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Die Pelton-Turbine ist eine Freistrahlturbine für Wasserkraftwerke und wird von Lingenhöle Technologie nach den verschiedenen Anforderungen und Parametern konstruiert und gefertigt. FA

Eine Expertise, die derzeit allerdings mit großen Problemen zu kämpfen hat, wie Lingenhöle schmerzlich erfahren musste und die schließlich zum auf eigenen Antrag eröffneten Konkursverfahren mit Verbindlichkeiten von 750.000 Euro führte: Die Übernahme des Steuerungs- und Prozesstechnik-Spezialisten Protec sei deshalb erfolgt, weil man damit sowohl beim Kraftwerksbau als auch im Unternehmen Synergien geortet habe. Allerdings, so musste er feststellen, steckt die ganze Branche aufgrund der derzeitigen Investitions- und Bauzurückhaltung in einer Krise und der Markt ist hart umkämpft. Wie es mit Lingenhöle Performance weitergehe, werde sich in den nächsten Wochen klären, über die verschiedenen Optionen sei man mit dem Masseverwalter im Austausch.