AMS musste im Vorjahr hart durchgreifen

Politik / 15.02.2026 • 10:00 Uhr
Beim Arbeitsmarktservice (AMS) in Vorarlberg arbeiten 280 Mitarbeiter in verschiedensten Bereichen.  ams
Das AMS hat im Vorjahr wesentlich mehr Arbeit bekommen.  ams

Gegen den Österreichtrend: Während die Zahl österreichweit stagniert, wurde in Vorarlberg das Arbeitslosengeld im Jahr 2025 weitaus häufiger gesperrt als im Jahr davor.

Bregenz Dem österreichischen Arbeitsmarkt geht es derzeit wenig rosig – und Vorarlberg bildet keine Ausnahme. Ende Jänner waren im Land fast 12.000 Personen arbeitslos. Das sind 6,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Deutlich stärker gestiegen ist allerdings die Zahl der Sanktionen. 3340 Mal strich das Arbeitsmarktservice (AMS) Vorarlberg im vergangenen Jahr einer Person das Arbeitslosengeld. Das geht aus Zahlen hervor, die den VN vorliegen. Das sind 405 Fälle mehr als 2024, ein Plus von 13,8 Prozent.

Ein Teil dieses deutlichen Anstiegs lasse sich mit der höheren Arbeitslosigkeit erklären, sagt Bernhard Bereuter, Geschäftsführer des AMS Vorarlberg. „Aber wir haben einen noch stärkeren Fokus auf die Vermittlung und kooperieren eng mit den Unternehmen.“ Das AMS ist auf deren Rückmeldungen angewiesen. Immer wieder höre er von Betrieben, dass Personen, die vom AMS zu Bewerbungen geschickt werden, lediglich eine Bestätigung ihrer Bewerbung abholen wollten. „Wenn ein Unternehmen das dem AMS meldet, ist das eine klare Vereitelung.“

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Das liege auch im Interesse der Unternehmen, betont Bereuter. „Das verärgert die Firmen. Wenn wir gut zusammenarbeiten, können wir Sanktionen setzen. Wir haben ähnliche Interessen. Das AMS möchte, dass eine Beschäftigung zustande kommt und die Unternehmen möchten offene Stellen besetzen.“

Von Vereitelung spricht man, wenn sich jemand weigert, eine zumutbare Beschäftigung anzunehmen, oder sich so verhält, dass ein Unternehmen die Person nicht einstellt. In solchen Fällen wird das Arbeitslosengeld zunächst für sechs Wochen gestrichen, im Wiederholungsfall für acht Wochen. Gleichzeitig verkürzt sich die Bezugsdauer um diesen Zeitraum.

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Gekürzt wird auch, wenn beim AMS gemeldete Personen nicht an Schulungen teilnehmen oder diese absichtlich nicht erfolgreich abschließen, wenn sie Wiedereingliederungsmaßnahmen verweigern, sich nicht ausreichend um eine Beschäftigung bemühen oder andere zumutbare Arbeitsmöglichkeiten nicht annehmen.

Österreichweit zeigt sich ein anderes Bild. Mit 162.000 vorübergehenden Sperren des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe liegt die Zahl in etwa auf dem Niveau von 2024. Rund 80.000 Sperren betrafen mangelnde Arbeitswilligkeit. Darunter fielen 43.206 Fälle von tageweisem Fernbleiben bei Schulungen sowie 35.944 sechswöchige Sperren wegen der Verweigerung von Jobangeboten oder Schulungen beziehungsweise wegen Vereitelung einer Arbeitsaufnahme. Die Zahl der Fälle gänzlicher Arbeitsunwilligkeit stieg im Jahresvergleich um 17 Prozent auf 1733.

Dass die Zahlen österreichweit stagnieren, obwohl die Arbeitslosigkeit steigt, hängt auch damit zusammen, dass die Zahl der offenen Stellen gesunken ist. Das AMS hat damit weniger Möglichkeiten, Arbeitslose in Beschäftigung zu vermitteln.

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Wichtig ist jedoch: Die Zahlen lassen sich nicht eins zu eins auf einzelne Personen umlegen. „Wir haben Klientinnen und Klienten, bei denen wir mehrmals kürzen mussten“, sagt Bereuter. Immer wieder gebe es Diskussionen über die Zumutbarkeit von Stellen. „Oft geht es um das subjektive Empfinden, dass jemand eine Stelle wegen der Entfernung als nicht zumutbar ansieht. Aber das können wir nicht berücksichtigen. Es gibt klare gesetzliche Bestimmungen.“ Drei Stunden tägliche Wegzeit gelten als zumutbar. In Vorarlberg liegt damit nahezu jede Stelle innerhalb dieser Grenze.

Bereuter relativiert jedoch: „Natürlich kann man mit uns sprechen. Wir suchen passende Stellen, uns ist eine nachhaltige Beschäftigung wichtig. Wenn sich jemand eine Stelle nicht vorstellen kann, erwarte ich mir zumindest, dass man uns anruft.“