Nachgefragt bei Verena Eugster: “Meine Botschaft an alle Frauen”

Markt / 06.03.2026 • 14:15 Uhr
Nachgefragt bei Verena Eugster: "Meine Botschaft an alle Frauen"
STEFAN FRIEDRICH MAYR

Anlässlich des Weltfrauentages zieht die Unternehmerin und Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft Bilanz.

Wie erlebst du derzeit die Entwicklung des weiblichen Unternehmertums in Österreich?

Frauen lassen sich vom wirtschaftlichen Gegenwind nicht bremsen, im Gegenteil. Heute wird fast jedes zweite Unternehmen in Österreich von einer Frau gegründet. Das bedeutet rund 58 Gründerinnen pro Tag. Gleichzeitig steht unsere Wirtschaft vor einem großen Generationenwechsel. Bis 2034 müssen über 50.000 Betriebe übergeben werden, mit mehr als 700.000 Arbeitsplätzen. Das ist eine enorme Chance, auch für Frauen, Unternehmen zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Als ich vor über zehn Jahren gegründet habe, war ich bei vielen Netzwerktreffen eine der wenigen Frauen im Raum. Heute ist das zum Glück anders. Immer mehr Frauen sehen: Unternehmertum ist kein Ausnahmeweg mehr, sondern eine echte Option. Vorbilder, Mentorinnen und Netzwerke machen diesen Weg sichtbar.

Was braucht es konkret, damit diese Entwicklung weitergeht?

Ein zentraler Punkt ist Kapital, vor allem für Gründerinnen und Startups. Noch immer fließt ein Großteil der Finanzierung in rein männliche Gründerteams, während Gründerinnen deutlich seltener Investment erhalten. Dabei zeigen Studien: Frauen gründen oft vorsichtiger, aber langfristig stabiler und nachhaltiger. In den kommenden Jahren wird sich auch die Kapitalverteilung verändern. Ein wachsender Teil von Vermögen und Erbschaften wird an Frauen gehen. Deshalb braucht es künftig auch mehr Investorinnen und mehr weibliches Kapital, das in Unternehmen und Innovation investiert. Ebenso wichtig sind Rahmenbedingungen, die Unternehmertum ermöglichen, etwa verlässliche Kinderbetreuung für Mütter und Väter. Diverse Teams sind wirtschaftlich erfolgreicher.

Zum Weltfrauentag: Was ist deine persönliche Botschaft an Frauen?

Ich mache mir immer wieder bewusst, in welcher privilegierten Situation wir hier leben. Wir haben Zugang zu Bildung, freie Berufswahl und die Möglichkeit, unseren eigenen Weg zu gehen. Viele Frauen auf der Welt kämpfen noch immer genau für diese Rechte. Meine Generation steht auf den Schultern unserer Mütter und Großmütter, die vieles davon erst erkämpft haben. Jetzt liegt es an uns, diese Chancen zu nutzen und für die nächste Generation weiter auszubauen. Ein Satz hat mich besonders geprägt: Während in Europa manche für das Recht kämpfen, ein Kopftuch zu tragen, riskieren Frauen im Iran ihr Leben, um es ablegen zu dürfen. Bleiben wir unseren Werten treu, nutzen wir unsere Möglichkeiten und gestalten wir aktiv mit. Es ist nicht immer der leichte Weg, aber oft der erfüllendere. Und nehmen wir die Männer auf diesem Weg mit, statt sie auszuschließen. Denn wir gehen diesen Weg nicht nur für uns selbst, sondern für die nächste Generation – in meinem Fall für meine Nichten und Neffen.