“Förderungen sind oft gut gemeint, aber nicht praktikabel”

Komplexe Richtlinien, hoher Aufwand: Steuerberater Christian Gerstgrasser sieht große Hürden für Unternehmen bei der Nutzung von Fördermitteln.
Schlins Wer schon einmal um eine Förderung angesucht hat, weiß, dass das oft keine einfach zu bewältigende Aufgabe ist. „Förderungen sollten eigentlich als Entlastung dienen. De facto bringen sie jedoch viele Hürden und einen hohen Verwaltungsaufwand mit sich, weil sie oft hochkomplex sind“, erklärt Christian Gerstgrasser von der gleichnamigen Steuerberatung in Schlins.
Zu viele Hürden
Die Herausforderungen, die er in der Praxis täglich beobachtet, sind vielfältig. Eine große Hürde seien etwa die mit Förderungen verbundenen Dokumentationspflichten. „Diese entscheiden darüber, ob ich die Förderung letztlich auch behalten kann.“ Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sei die Chance, alles korrekt abzuwickeln, oft geringer als das Risiko, Fördermittel zurückzahlen zu müssen.

Die hohe Komplexität führe dazu, dass Förderungen, die eigentlich breit zugänglich sein sollten, in der Praxis nur dann genutzt werden können, wenn entsprechendes Know-how vorhanden ist oder externe Beratung hinzugezogen wird. „Für einen Unternehmer ist das mittlerweile kaum mehr zu stemmen“, ist Gerstgrasser überzeugt. Förderungen seien daher oft gut gemeint, aber nicht ausreichend praktikabel.
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Zudem ortet der Steuerberater eine stark zersplitterte Förderlandschaft. „Es gibt EU-, Bundes- und Landesförderungen, aber keine einheitliche Plattform, auf der alle Angebote gebündelt ersichtlich sind. Dadurch bekommt man oft gar nicht mit, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Außerdem hat jede Förderung ihre eigene Antragslogik.“

Beispiele für diesen „Förderdschungel“ kennt Gerstgrasser viele. Eines stammt aus eigener Erfahrung mit der Kinderbetreuungseinrichtung „Forscherhüsle“ in Gais: Um eine Landesförderung im niedrigen vierstelligen Bereich zu erhalten, wurden rund 45 Mitarbeiterstunden für den Dokumentationsprozess aufgewendet. „Wenn man diesen Aufwand der Fördersumme gegenüberstellt, muss man sich fragen, ob diese Ressourcen nicht sinnvoller eingesetzt wären“, sagt er. „Förderungen finanzieren Bürokratie und erfüllen damit oft nicht ihren eigentlichen Zweck.“

Fixe Förderzusage
Ein weiteres Beispiel zeigt, wie drastisch die Folgen sein können: Ein Unternehmen investierte millionenschwer in seinen Maschinenpark und erhielt dafür eine fixe Förderzusage. Bei der Errichtung der Anlage wurde jedoch ein gebrauchtes Bauteil eingebaut. In der Folge fiel der Unternehmer fast um die gesamte Förderung, da laut Richtlinien ausschließlich neu beschaffte Teile zulässig gewesen wären. „Das ist wirklich bitter, denn hier wurde jemand bestraft, der wirtschaftlich und mit Hausverstand gehandelt hat“, betont Gerstgrasser.
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Gerade EU-Förderungen seien extrem formalistisch und ließen kaum Spielraum. Schon kleine Fehler im Antragsprozess könnten zum Ausschluss führen. „Ohne Experten sind EU-Förderungen kaum abwickelbar“, sagt Gerstgrasser. Selbst für Fachleute sei es angesichts der Vielzahl an Programmen eine Herausforderung, stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

In seinem Unternehmen arbeiten 43 Mitarbeiter. Die steigende Komplexität sei auch ein Grund dafür, dass man Partner des Prüfungs- und Beratungsunternehmen BDO werde, um auf breitere fachliche Ressourcen zurückgreifen zu können.
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Man könnte Dinge verändern
Für Gerstgrasser ist klar: Die Abwicklung von Förderungen und die damit verbundenen Dokumentationspflichten ließen sich deutlich vereinfachen. Zudem gebe es Überschneidungen zwischen Bundes- und Landesförderungen. „Manche Programme existieren doppelt, können aber dennoch nur einmal beantragt werden.“ Auch die Digitalisierung sei ausbaufähig: Vieles werde weiterhin in Papierform abgewickelt, und selbst der E-Mail-Versand sei nicht immer zulässig. Teilweise sei der fristgerechte Eingang von Unterlagen sogar an die Öffnungszeiten von Behörden gekoppelt – außerhalb dieser Zeiten gelte eine E-Mail als nicht zugestellt.
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Möglichkeiten aufzeigen
Der Steuerberater versucht daher auch im Rahmen von Veranstaltungen, das Bewusstsein für die Komplexität von Förderungen zu schärfen und konkrete Orientierung zu bieten. Die nächste Veranstaltung findet am 16. April in Dornbirn statt. „Wichtig ist, Förderungen frühzeitig mitzudenken, da Anträge oft vor Beginn einer Investition gestellt werden müssen.“ Hinzu komme, dass die verfügbaren Mittel aufgrund von Budgeteinsparungen knapper würden. „Das Geld wird weniger und damit der Wettbewerb um Förderungen größer.“
Veranstaltung “Förderungen, Forschungsprämie und erfolgreiche Anträge sichern”, am 16. April ab 17.30 Uhr in der Postgarage Dornbirn. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.bdo.at/events