“Doppelbudget ist kein Aufbruch, sondern eine vertane Chance”

Unternehmerin Verena Eugster über fehlenden Mut der Regierung und die hohe Rechnung für die nächste Generation.
Die Bundesregierung hat diese Woche das Doppelbudget 2027/28 präsentiert. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Dieses Budget ist kein Aufbruch, sondern eine vertane Chance. Während Österreich wirtschaftlich unter Druck steht, bleibt der große Wurf aus. Besonders enttäuschend ist, dass junge Menschen und junge Unternehmerinnen und Unternehmer kaum eine Rolle spielen. Gerade jene, die die Zukunft dieses Landes gestalten sollen, finden in diesem Budget kaum Impulse. Noch gravierender ist jedoch das Fehlen einer klaren Zukunftsvision. Wo soll Österreich in zehn oder 20 Jahren stehen? Dieses Budget liefert darauf keine überzeugende Antwort. Es verwaltet das Gestern, statt das Morgen zu gestalten.
Was hätte es gebraucht, damit das Budget tatsächlich zum großen Wurf wird?
Wir haben kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Bei den dritthöchsten Staatseinnahmen Europas das fünfthöchste Defizit zu produzieren, ist ein Alarmsignal. Ein echter großer Wurf hätte drei Dinge gebracht: eine verbindliche Ausgabenbremse, die konsequente Streichung ineffizienter Förderungen und eine Koppelung des Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung. Genau dort liegen die großen Hebel. Manchmal habe ich den Eindruck, wir ordnen die Liegestühle auf der Titanic neu an, statt endlich den Kurs zu ändern. Wenn wir die strukturellen Herausforderungen nicht angehen, machen wir die Rechnung für die nächste Generation nur noch größer.
Stichwort Reformen und Umstrukturierungen: In Österreich bauen Unternehmen Stellen ab. Was bedeutet das für den Wirtschaftsstandort?
Wer glaubt, das seien Einzelfälle, verschließt die Augen vor der Realität. Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass Österreich als Standort an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Hohe Lohnnebenkosten, immer mehr Bürokratie und immer weniger Leistungsanreize sind kein Geheimnis. Wenn Unternehmen Stellen abbauen oder Produktionen ins Ausland verlagern, dann machen sie das nicht aus Spaß. Das sind keine Entscheidungen, die leicht getroffen werden. Es sind Warnsignale. Klare Warnsignale. Und ich frage mich mittlerweile ehrlich: Wie viele davon braucht es noch? Wir sollten endlich aufhören, diese Entwicklungen kleinzureden. Ich bin überzeugt: Mit den richtigen Rahmenbedingungen können wir wieder mehr Investitionen anziehen, Innovationen voranbringen und neue Arbeitsplätze schaffen.