Top-Arbeitgeber: Mehr Arbeitsplätze, aber Wirtschaftslage sorgt für Unsicherheit

Vorarlbergs größte Arbeitgeber haben in den vergangenen Krisenjahren im Land die Mitarbeiterzahl vergrößert – aber mehr neue Arbeitsplätze entstanden an ausländischen Standorten.
Schwarzach Die größten Arbeitgeber des Landes schlagen längst Alarm – der Standort Vorarlberg (oder wahlweise: Österreich) sei nicht mehr konkurrenzfähig ob der überbordenden Bürokratie und zu hoher Arbeitskosten. Das Schlagwort von einer drohenden Deindustrialisierung ist keine leere Phrase. Elmar Hartmann, Präsident der Industriellenvereinigung Vorarlberg, geht deshalb mit der Bundesregierung ins Gericht: Das präsentierte Doppelbudget, das eine Reduzierung der Lohnnebenkosten vorsieht, sei nicht der “notwendige große Wurf”. Es sei kein struktureller Befreiungsschlag, der eine Entlastung des Wirtschaftsstandortes sowie Wachstumsimpulse präsentiere.
“Schlichtweg unwirtschaftlich”
Die Lohnkosten sind eines der großen Probleme für die Unternehmen, die im globalen Wettbewerb stehen. Das betont auch der CEO des Automobilindustrie-Zulieferers Hirschmann Automotive, Angelo Holzknecht, gegenüber den VN: “Das aktuelle Lohnniveau macht die Produktion für die Mehrheit unserer Produkte in Rankweil schlichtweg unwirtschaftlich. Diese Produkte kommen auch in den nächsten Jahren nicht bzw. nicht wieder zurück. Nach wie vor laufen in Österreich die Lohnverhandlungen nach einem Schema ab, mit welchem versucht wird, aus einem nicht größer werdenden Kuchen jedes Jahr größere Stücke rauszuschneiden.” Holzknecht betont aber auch, dass Hirschmann Automotive trotzdem klar am Standort festhalte und die technischen Kompetenzen hier halten und ein hervorragender Arbeitgeber in der Region sein wolle und werde.
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Der Arbeitsplatzabbau beim Verpackungskonzern Alpla und die Kündigungen beim Motorenspezialisten König haben am angespannten Arbeitsmarkt ein Rufzeichen gesetzt, das, so ein Unternehmer, “von der Politik endlich ernst genommen werden muss”. Doch wie hat sich der Arbeitsmarkt wirklich entwickelt? Ein Vergleich von von Unternehmen selbst gemeldeten Zahlen der Beschäftigten von 2020 bis 2026 für die VN Top 100 zeigt, wie sich die Arbeits- und Ausbildungsplätze in den elf größten Arbeitgeber-Firmen in den seit 2020 anhaltenden Krisen entwickelt haben. Die gute Nachricht: Zählt man zusammen, wurden trotz schwieriger Lage 1251 neue Arbeitsplätze an den Vorarlberger Standorten geschaffen. Wobei es auch große Vorarlberger Arbeitgeber gibt, die in diesen Jahren Hunderte Arbeitsplätze abbauten.
Neue Arbeitsplätze
Deutlich mehr Arbeitsplätze wurden außerhalb Vorarlbergs von den elf Top-Arbeitgebern geschaffen: in Summe 4523. Nicht eingerechnet in die vorliegenden Zahlen ist die Entwicklung heuer. Der Geschäftsführer des AMS Vorarlberg, Bernhard Bereuter, ist trotz einer Verflachung der Arbeitslosenzahlen zum Monatsende Mai für das laufende Jahr nicht sehr optimistisch: “Die jüngsten Prognosen gehen im Jahresdurchschnitt von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit aus”, so Bereuter. In den Unternehmen ist man zurückhaltend, was die weitere Entwicklung angeht: Eine konkrete Reduzierung der Arbeitsplätze will niemand nennen. Einer der Gründe dafür ist, dass in Zeiten unberechenbarer geopolitischer Entwicklungen viel geschehen könne – sowohl in Richtung Aufschwung als auch in Richtung nächster Krise, beschreibt einer der größten Arbeitgeber des Landes die Lage.

In der Regel werden Kündigungen vermieden: Wer die Zahl der Mitarbeiter dennoch reduzieren muss, tut das durch Nichtnachbesetzung bei Pensionierungen oder wenn Mitarbeiter von sich aus das Unternehmen verlassen. Erster Ansprechpartner bei einem größeren Mitarbeiterabbau ist das AMS: Kündigungen von mehr als 30 Mitarbeitern (bei einer Betriebsgröße von mehr als 600 Mitarbeitern) müssen mindestens 30 Tage vor der ersten Auflösung schriftlich angezeigt werden.