“Es ist leider nicht so, dass niemand auf der Straße leben muss”

Dowas-Leiter Ferdinand Koller widerspricht Vogewosi-Chef Hans-Peter Lorenz: In Vorarlberg gebe es sehr wohl eine Wohnungsnot.
Bregenz Wie ist es um den Vorarlberger Wohnungsmarkt bestellt? Die Antwort auf diese Frage scheint gar nicht so leicht zu sein. Da wäre der scheidende Vogewosi-Chef Hans-Peter Lorenz, der kürzlich im VN-Interview über viele abgelehnte gemeinnützige Wohnungen sprach und sich fragte: “Wo ist da die Wohnungsnot?” Da wäre aber auch Ferdinand Koller, Leiter des Vereins Dowas und Mitglied der Arge Wohnungslosenhilfe. “Die Fakten sprechen eine andere Sprache”, betont er. Die Notschlafstelle habe ein Rekordjahr hinter sich.
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Lorenz berichtete das, was auch aus vielen Gemeinden zu hören ist. Manchmal sei es gar nicht so leicht, gemeinnützige Wohnungen zu vermieten. In einer großen Stadt seien beim Erstbezug einer Anlage mit 18 Wohnungen zunächst erst zehn vergeben worden. “Wenn man dann sagt, Holz mag ich nicht oder die Lage ist nicht gut oder die Küche gefällt nicht, dann frage ich mich ernsthaft: Wo ist da die Wohnungsnot?”, sagte Lorenz.
“Am Ende bleiben sie nicht leer”
Koller kontert: “Es kann sein, dass es eben etwas dauert. Das heißt nicht, dass insgesamt kein Bedarf da ist. Ich kenne die Aussagen von Gemeindebediensteten auch, dass sie sich aufregen, dass es so lange dauert, bis man jemanden findet. Aber das ist ihr Job. Am Ende bleiben die Wohnungen nicht leer.”
Seit der Eröffnung der Notschlafstelle sei sie noch nie so ausgelastet gewesen wie im vergangenen Jahr, fährt Koller fort. “Wir haben an zwei von drei Tagen Menschen abweisen müssen, weil wir voll waren. Es ist leider nicht so, dass niemand auf der Straße leben muss.” Menschen, die die Wohnungslosenhilfe in Anspruch nähmen, könnten nur eine gemeinnützige Wohnung beziehen. “Weil sie auf dem privaten Markt massiv diskriminiert werden.”
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Der private Markt funktioniere deshalb nicht. Menschen würden wegen ihrer Herkunft, wegen einer Krankheit oder wegen ihrer sozialen Stellung diskriminiert. Und natürlich wegen des Preises. “Mit einer Ausgleichszulagenpension kann ich mir keine Wohnung auf dem privaten Markt leisten”, rechnet der Dowas-Chef vor.
Mehr Wohnungen gefordert
Allerdings sind in Vorarlberg besonders viele Menschen auf den privaten Markt angewiesen: Fast 13.000 Menschen aus 5685 Haushalten hätten sich für eine gemeinnützige Wohnung beworben. Die Zahl der Mieterinnen und Mieter sei in Vorarlberg vergleichsweise hoch. Beim Anteil der gemeinnützigen Wohnungen sei das Land hingegen Schlusslicht. “Das kann nicht das Ziel sein.”
Gemeinnütziger Wohnbau sei zudem wichtig, weil man sich sicher sein könne, dass man langfristig bleiben könne. Die kurzen Befristungen auf dem privaten Wohnungsmarkt seien hingegen ein Problem. “Es kann sein, dass ein Mietvertrag ausläuft und man in eine andere Gemeinde ziehen muss. Das erschwert die Integration in das Umfeld und die Gemeinde”, hält Koller fest.
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Koller sieht noch ein weiteres Anzeichen für Wohnungsnot im Land. “Mehrere Hundert Menschen im Land leben in Substandardwohnungen. Private Anbieter haben sich auf Leute spezialisiert, die auf dem privaten Markt keine Wohnung bekommen. Sie vermieten für 500 Euro im Monat Zimmer ohne eigenes WC, teilweise mit Ungeziefer. Da kann ich doch nicht sagen, dass es keine Wohnungsnot gibt?”
Koller widerspricht Lorenz auch in dessen Aussage, dass die Vogewosi sich nicht als Konkurrenz zum privaten Wohnbau sehe. “Er muss Konkurrenz sein, das ist eine ganz wichtige Funktion. In Wien sieht man, dass ein hoher Anteil an gemeinnützigem Wohnbau preisdämpfend auf den privaten Markt wirkt.” Außerdem setze der gemeinnützige Bereich immer wieder hohe Standards.