“Es gibt in Vorarlberg niemanden, der auf der Straße leben muss”

15.07.2026 • 17:04 Uhr
"Es gibt in Vorarlberg niemanden, der auf der Straße leben muss"
Nur noch Tage, nämlich bis zur Aufsichtsratsitzung am 17. Juli, führt Hans-Peter Lorenz die Vogewosi. In einem ausführlichen Gespräch legte er Bilanz.VN/Schöller

Beim größten gemeinnützigen Wohnbauträger Vorarlbergs steht der Führungswechsel bevor. Zeit für Hans-Peter Lorenz, der das Unternehmen seit 2000 führte, Bilanz zu ziehen.

von Michael Prock und Andreas Scalet

Dornbirn, Bregenz In der Holzackergasse in Bregenz herrscht geschäftiges Treiben. Eine Wohnanlage mit 78 Wohneinheiten entsteht, die Handwerker sind mit dem Innenausbau beschäftigt. Hier zieht Hans-Peter Lorenz, Geschäftsführer der Vogewosi, im Gespräch mit den VN Bilanz seiner insgesamt fast 40-jährigen Tätigkeit im Unternehmen, das derzeit rund 15.000 Wohnungen im Bestand hat. Mit der Übernahme der Verantwortung hat er die Vogewosi neu ausgerichtet. “Wir mussten das Ganze viel moderner aufstellen, wir waren sehr konservativ unterwegs”, so Lorenz.

“In den Jahren 2006 bis 2009 konnten wir dann die sogenannten Faktor-10-Sanierungen (Passivhaus-Sanierungen im Bestand) umsetzen, natürlich mit sehr guter Wohnbauförderung.” Das hatte Vorbildcharakter. “Dauernd kamen Delegationen, sogar der französische Wohnbauminister war hier. Später haben wir auch Passivhäuser im Neubau umgesetzt.”

“Vereinfachung im Gebäude”

Durch die Flüchtlingskrise bedingt verlangte man von der Vogewosi, ein möglichst kostengünstiges, schnell umsetzbares Modell zu realisieren. “Das haben wir jetzt als “Wohnen 550” für Startwohnungen im Programm. “Faktor 10, Barrierefreiheit waren politische und gesetzliche Vorgaben, die immer mehr wurden und die hohe Kosten verursachen.” Jetzt kostet die Quadratmetermiete 13,50 Euro. “Das ist im Vergleich zum privaten Wohnbau immer noch günstig, aber viele schreien, dass sozialer Wohnbau über zehn Euro zu hoch ist. Dann frage ich aber, wie wir das finanzieren sollen.” Die Vogewosi habe keine anderen Kosten als die privaten Wohnbauträger. Und Vorarlberg sei ein abgeschotteter Markt. “Wir kriegen keine Angebote aus Deutschland oder aus Tirol. Wir haben fast nur Anbieter aus Vorarlberg. Das soll uns ja recht sein, aber wir sind halt ein Hochpreisland.”

"Es gibt in Vorarlberg niemanden, der auf der Straße leben muss"
Hans-Peter Lorenz im Gespräch mit den VN-Journalisten Michael Prock (Politik) und Andreas Scalet (Wirtschaft)

Er erwarte sich keine zusätzlichen Mittel im Wohnbau. “Der Schlüssel für sozialen Wohnbau ist die Vereinfachung der Gebäude. Deshalb sind wir gerade dabei, möglichst ein Modulsystem bzw. ein Elementsystem zu entwickeln, wo wir von den Kosten signifikant runterkommen. Wir sind nicht der private Wohnbau, wir müssen keinen Luxus betreiben. Wir wollten auch nie Konkurrenz zum privaten Wohnbau sein.” Er bzw. die Vogewosi wünschen sich, dass die Gesetzgebung bei den Anforderungen zurückhaltender ist. Aber dieser Wunsch ist Schall und Rauch.”

Ansprüche sind hoch

Die Ansprüche an die Wohnungen seien hoch, erklärt Lorenz. “Ich sage immer, so groß ist die Wohnungsnot gar nicht.” Ganz recht habe er nicht damit, aber wenn mir ein Sachbearbeiter einer großen Stadt sagt, dass er bei einem Erstbezug von 18 Wohnungen bei zehn Wohnungen Schwierigkeiten hatte, “dann frage ich mich, warum. Wenn man dann sagt, Holz mag ich nicht oder die Lage ist nicht gut oder die Küche gefällt nicht, dann frage ich mich ernsthaft: Wo ist da die Wohnungsnot?”

"Es gibt in Vorarlberg niemanden, der auf der Straße leben muss"
Großprojekt: Obwohl die Vogewosi oft kleine Anlagen baut, ist diese im Bau befindliche Anlage in Bregenz ganz schön groß.

Außerdem gebe es starken Druck durch den Wohnungsbedarf von Menschen mit migrantischem Hintergrund. “Ich halte es nicht für gescheit, wenn man in großen Anlagen forciert an Migranten vermietet. Nicht, weil sie Migranten sind, sondern weil eine Wohnanlage mit Mietern aus verschiedenen sozialen Strukturen viel besser funktioniert. Ich habe deshalb immer geschaut, dass wir möglichst kleine Anlagen bauen. Da gibt es potenziell weniger Probleme.”

“Es gibt in Vorarlberg niemanden, der auf der Straße leben muss”, so Lorenz zur politischen Debatte zum Wohnbau. Zu den Zahlen, die kursieren, sagt er: “350 Wohnungen zu errichten ist zu wenig, 1000 ist zu viel. Wenn Mario Leiter 11.000 Wohnungen in fünf Jahren möchte, dann sage ich ihm persönlich, das braucht es nicht.”