Verena Eugster: “Müssen Perspektivlosigkeit durchbrechen”

Unternehmerin über Aktivpension, Zukunftsdepot und die bevorstehende Nachfolgewelle.
Die Bundesregierung hat die Aktivpension beschlossen. Was bringt sie aus Sicht junger Unternehmer?
Leistung muss sich lohnen, auch über das Pensionsalter hinaus. Wer länger arbeiten will und mehr leistet, soll am Ende auch mehr davon haben. Die Aktivpension setzt genau hier an: Sie belohnt freiwilliges Weiterarbeiten, statt es finanziell unattraktiv zu machen. Gerade für junge Unternehmer ist das enorm wichtig. Erfahrene Mitarbeiter bringen oft jahrzehntelanges Wissen mit. Dieses Know-how länger im Betrieb zu halten und an die nächste Generation weiterzugeben, ist unbezahlbar. Wir können es uns schlicht nicht leisten, Erfahrung künstlich aus dem Arbeitsmarkt zu drängen. Und: Die Aktivpension gilt auch für Selbstständige. Leistung darf kein Ablaufdatum haben. Im Gegenteil: Wir müssen Leistung wieder viel stärker wertschätzen und feiern, egal, in welchem Alter.
Bundeskanzler Christian Stocker hat ein Zukunftsdepot für Kinder und Jugendliche vorgeschlagen. Was halten Sie von der Idee?
Das ist richtig und wichtig. Ich höre von jungen Menschen immer wieder Sätze wie: “Ich werde mir das später sowieso nicht leisten können, also arbeite ich lieber Teilzeit oder gebe mein Geld heute für Freizeit und Leben aus.” Genau diese Perspektivlosigkeit müssen wir durchbrechen. Wir müssen jungen Menschen früh die Chance geben, sich selbst etwas aufzubauen. Und ich würde größer denken: Es kann später Ausbildung, Wohnraum oder Altersvorsorge finanzieren, aber genauso das Startkapital für das erste eigene Unternehmen sein. Gleichzeitig lernen junge Menschen früh, wie Kapitalmarkt und langfristiger Vermögensaufbau funktionieren. Das Zukunftsdepot ist deshalb eine sinnvolle Maßnahme. Aber eines dürfen wir uns nicht einreden: Ein Depot allein repariert unser Pensionssystem nicht.
Mit über 8200 Unternehmensübernahmen wurde 2025 ein neuer Rekord erreicht. Ist Österreich für die bevorstehende Nachfolgewelle gerüstet?
Die Zahlen zeigen vor allem eines: Die nächste Unternehmergeneration steht bereit. Seit 2021 wurden bereits mehr als 37.000 Betriebe erfolgreich übernommen. Und die eigentliche Nachfolgewelle liegt noch vor uns: Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts stehen rund 50.000 Unternehmen zur Übergabe an. Das ist eine enorme Chance für unseren Wirtschaftsstandort. Denn eine Übernahme heißt nicht, einfach das Schild an der Tür auszutauschen und weiterzumachen wie bisher. Nachfolger investieren, digitalisieren, modernisieren und entwickeln Unternehmen weiter. Sie sichern damit nicht nur Betriebe und Arbeitsplätze, sondern bringen eine neue Generation von Unternehmertum in bestehende Strukturen. Genau deshalb setzen wir uns als Junge Wirtschaft mit Nachdruck dafür ein, Übernahmen einfacher und attraktiver zu machen.