KI als Teamplayer und Energiesparer

Von Kranbauer Künz und dem AIT Austrian Institute of Technology entwickeltes KI-gestütztes Assistenzsystem gewinnt Mobilitätspreis.
Hard, Wien Die Diskussion um künstliche Intelligenz und den richtigen Einsatz von KI-gestützten Systemen ist seit der Warnung führender KI-Firmen vor einem möglichen Kontrollverlust auf einem Höhepunkt. Doch auch wenn die Verunsicherung groß ist, so ist es momentan oft erst ein Herantasten an die Nutzungsmöglichkeiten, die sich in der produzierenden Wirtschaft und in der Logistik ergeben könnten. Der Harder Kranspezialist Künz ist da schon einen Schritt weiter, und das wird von der internationalen Kundschaft honoriert, wie die Auftragsbücher des Unternehmens zeigen. Der “Schwerlastspezialist” mit Stammsitz in Hard ist weit bis ins nächste Jahr mit Aufträgen ausgelastet, wie Geschäftsführer David Moosbrugger bereits vor Monaten in einem Gespräch mit den VN betonte. Das liegt auch am zusammen mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelten System, das Künz einen weiteren Vorsprung vor der Konkurrenz gibt. Es wird auch von Experten, nämlich der Jury für den VCÖ Mobilitätspreis 2026, nicht nur hochgelobt, sondern auch ausgezeichnet.

In der Kategorie “Digitalisierung, Technologie und Automatisierung” erhielten Künz und AIT vor Kurzem den Hauptpreis. “Trailer Assist (so der Name des Systems) macht den Umschlag von Sattelaufliegern auf die Schiene effizienter, sicherer und zuverlässiger und unterstützt damit die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene. Zugleich schafft die Remote-Bedienung barriereärmere Arbeitsplätze”, begründeten die Jurorinnen und Juroren ihre Entscheidung.
Projektstart 2022
Bereits im Jahr 2022 als gemeinsames Forschungsprojekt von AIT und Künz gestartet, ist das KI-gestützte Assistenzsystem heute eine praxiserprobte Lösung für Intermodalkranterminals, also für Umschlagterminals für den kombinierten Verkehr. Der Trailer Assist ist, wie der Name schon sagt, nicht selbstständig tätig, sondern er unterstützt Kranführerinnen und Kranführer beim Umschlag von Sattelaufliegern, reduziert Fehlmanöver und verbessert Sicherheit, Präzision und Prozessqualität. “Damit stärkt es eine entscheidende Schnittstelle im kombinierten Verkehr und verbessert die Voraussetzungen, zusätzliche Transporte auf die Schiene zu verlagern”, erklärt Hannes Eberharter, Leiter der Forschung und Entwicklung bei Künz, der das Projekt auch initiiert hat. Die Wirkung zeigt sich deutlich in der Produktivität: Unter realen Betriebsbedingungen wurde bereits eine Steigerung von 18 Prozent erreicht.
Doch wie funktioniert der Trailer Assist in der Praxis? Mithilfe von künstlicher Intelligenz, Sensorfusion und intelligenter Bildverarbeitung erkennt das System relevante Objekte und deren Position in Echtzeit und unterstützt so eine präzisere Pfadplanung. Besonders bei eingeschränkter Sicht und schwierigen Witterungsbedingungen trägt die kontinuierliche Umgebungsanalyse dazu bei, Hindernisse frühzeitig zu erkennen und Fehlmanöver zu reduzieren. Das erhöht die Betriebssicherheit und stabilisiert die Prozessqualität.

“Mit Trailer Assist zeigen wir, wie Künstliche Intelligenz in konkrete industrielle Anwendungen gebracht werden kann. Entscheidend ist für uns, dass technologische Innovation messbare Wirkung erzielt: effizientere und sicherere Prozesse und zugleich bessere Arbeitsbedingungen für die Menschen”, erläutert Andreas Kugi, Scientific Director des AIT. Trailer Assist ist auf Kranen in Polen im operativen Einsatz. Weitere Terminals werden mit der Technologie ausgestattet, informiert das Harder Unternehmen und ergänzt, dass auch für ÖBB-Terminals in Wolfurt, Wien und Wels Implementierungen des KI-Systems im Gespräch sind.