“Am Ende müssen sich alle wieder mehr anstrengen”

Die VN fragen Markus Comploj: Drei Antworten zur Wettbewerbsfähigkeit der Vorarlberger Industrie, zum Standort und Klimaschutz.
Die Industrie sieht in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eine zentrale Voraussetzung für Wohlstand. Was braucht die Industrie dafür?
Die Industrie braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Dazu gehören neben den Fachkräften, die die Industrie größtenteils selbst ausbildet, vor allem leistbare Energie, weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungsverfahren. Viele Maßnahmen sind seit Jahren bekannt, jetzt geht es um die konsequente und rasche Umsetzung. Auf Bundesebene braucht es ein höheres Tempo bei der Umsetzung der Industriestrategie 2035 und eine Verlängerung der reduzierten Elektrizitätsabgabe über 2026 hinaus. Auf Landesebene ist zum Beispiel eine Schwerpunktsetzung bei den Bezirkshauptmannschaften einen Versuch wert. Es muss allen klar sein: Investitionen und Arbeitsplätze und damit die Grundlagen unseres Wohlstands entstehen dort, wo die Bedingungen stimmen.
Ist der Standort Vorarlberg bzw. Österreich ernsthaft in Gefahr?
Ja, der internationale Wettbewerbsdruck ist deutlich gestiegen. Unternehmen vergleichen heute sehr genau, an welchem Standort sie investieren und produzieren. Wenn Kosten und Auflagen dauerhaft höher sind als anderswo, werden Investitionen zunehmend verlagert. Unser Ziel muss daher sein, Vorarlberg und Österreich als Industriestandort wieder attraktiver zu machen. Die hohen Lohnstückkosten sind dabei ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Wir sehen bereits, dass Arbeitsplätze und Wertschöpfung ins Ausland verlagert werden. Gleichzeitig werden immer mehr nicht wertschöpfende Verwaltungsaufgaben auf die Wirtschaft übertragen. Das muss aufhören. Unsere Standortkosten sind zu hoch, gleichzeitig ist es ein Gebot der Stunde, die Wirksamkeit und Effizienz der öffentlichen Ausgaben deutlich zu verbessern. Am Ende müssen sich alle wieder mehr anstrengen, um den Standort zu sichern und damit unseren Wohlstand zu erhalten.
Klimaschutz oder Wettbewerbsfähigkeit?
Gute Frage! Beides muss und kann gelingen. Die Vorarlberger Industrie bekennt sich klar zu Klimaschutz und Transformation. Entscheidend ist aber, dass die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass Unternehmen die notwendigen Investitionen auch wirtschaftlich stemmen können. Klimaschutz gelingt langfristig nur mit einer starken und erfolgreichen Industrie. Das Ganze ist eine Frage der richtigen Geschwindigkeit und einer internationalen Abstimmung. Die Klimaneutralität in Österreich schon 2040 erreichen zu wollen, halte ich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. Vor allem dürfen wir unsere Industrie nicht mit Vorgaben belasten, die international nicht im Gleichschritt erfolgen. In Vorarlberg ist die Korrektur überbordender Bürokratie beim Naturschutz ein konsequenter und realistischer Schritt in die richtige Richtung, der Investitionen erleichtert und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.