“Viele Preissteigerungen können wir nicht an die Gäste weitergeben”

Markt / 09.10.2026 • 11:00 Uhr
"Viele Preissteigerungen können wir nicht an die Gäste weitergeben"

Die VN fragen die Tourismusunternehmerin Jutta Frick: drei Fragen, drei Antworten zur Herbstsaison – zu Nächtigungszahlen sowie zu Produktivität und Motivation.

Wir haben Zwischensaison – ist denn der Herbst eine gute Reisezeit in Vorarlberg?

Der Herbst ist eine unterschätzte Reisezeit im Ländle, aber er wird entdeckt. Viele Gäste buchen kurz entschlossen ein paar Tage Auszeit. Besonderes im Oktober ist die Natur mit den bunten Bäumen, rotbraunen Wäldern wie im Indian Summer, und die Bergbahnen sind noch in Betrieb. Es finden in den Regionen viele Kulturveranstaltungen statt, die auch Gäste anziehen. Es gibt ein Wellnessangebot, und die Hotels und Lokale bieten Gemütlichkeit und gute Kulinarik, was auch eine Reisezielgruppe anspricht. Wir haben einige Vorarlberger, die in den Herbstferien im Ländle Urlaub machen.

Die Nächtigungszahlen im bisherigen Jahr sind gut. Reicht das, um in der Hotellerie wirtschaftlich zu arbeiten?

Auslastung ist eine markante Zahl für die Wirtschaftlichkeit des Tourismus. Die Branche ist geprägt von sehr hohen Fixkosten, die in jedem Fall anfallen. Das Hotel muss geheizt werden, ob viele oder wenige Gäste da sind, ebenso Schwimmbad, Sauna, die ganze Infrastruktur, und ein großer Block der Mitarbeiterkosten sind auch Fixkosten. In den letzten Jahren ist die Wertschöpfung kleiner geworden, man muss wirklich auf die Kosten achten, um wirtschaftlich zu bleiben. Wichtig ist auch, ein Budget für Investitionen zu haben, damit der Betrieb aktuell bleibt.

Wie meistern Sie in Ihrem Unternehmen den Spagat zwischen Produktivität und Motivation?

Viele Preissteigerungen können wir nicht an die Gäste weitergeben. Die Preise wären nicht durchsetzbar. Daher ist es für uns wichtig, effizient zu sein. Aber Effizienz allein ist zu wenig. Wir haben einen guten Spirit, die Gäste wollen etwas erleben. Unser Thema ist es, eine schöne Zeit zu bieten. Daher brauchen wir nach wie vor Gastfreundschaft und Qualität. Darauf können wir nicht verzichten. Dann werden Gäste zu Stammgästen und empfehlen uns auch anderen Gästen weiter. So kommen wir zu begeisterten Gästen, die sich etwas gönnen, sich mit uns freuen und uns alle motivieren: als Mitarbeiter, Gastgeber und Unternehmer.