Daniel Glattauer: „Mein Erfolg hat mich total überrascht“

Menschen / 12.09.2019 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erfolgreicher Schriftsteller: Die Bücher von Daniel Glattauer werden in 35 Sprachen übersetzt.  ©Starpix

Daniel Glattauer spricht im Interview über seine Romanverfilmung „Gut gegen Nordwind“ und seine Karriere.

Wien Mit seinem 2006 veröffentlichten Roman „Gut gegen Nordwind“ erlebte der Wiener Daniel Glattauer das, was man den großen Durchbruch nennt. Jetzt läuft die Verfilmung des Bestsellers in den Kinos, mit Nora Tschirner und Alexander Fehling in den Hauptrollen.

Bis zur Verfilmung hat es ziemlich lange gedauert. Warum?

Weil ich mir lang keine filmische Fassung für das Buch vorstellen konnte. Aber es gab von Anfang an viele Anfragen und auch Treffen, doch ohne Konzept. Zu diesem Zeitpunkt schien mir eine Kinoversion gefährlich und riskant. Ich wollte nicht, dass die Geschichte verkitscht wird. Ein schlechter Film hätte das Buch imagemäßig runterfahren können, und welcher Autor wünscht sich das?

Wann wurde es schließlich ernst?

Vor viereinhalb Jahren, als mich die Produktionsfirma Komplizen-Film und Regisseurin Vanessa Jopp kontaktierten. Sie legten mir ein Konzept vor, die Kombination aus Konzept und persönlichem Eindruck hat mich letztendlich dazu gebracht, o.k. zu sagen.

Üblicherweise hat der Autor ab dem Moment, wo die Rechte vergeben sind, wenig mitzureden. Tut so was nicht weh?

Nein – wenn man die Spielregeln vorher akzeptiert hat. Und das Dreinreden ist an sich auch nicht meine Sache. Als Wettkampftyp wünsche ich mir jetzt nur noch, dass der Film möglichst viele Leute erreicht.

Waren Sie je bei den Dreharbeiten?

Nur einen Tag, in Köln. Bei dieser Gelegenheit habe ich Nora Tschirner persönlich kennengelernt und erfreulicherweise festgestellt, dass sie total auf meine Fantasiegestalt Emmi passt.

Wo liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen Roman und Film?

Der Film ist konkreter. Er gibt Nebenfiguren, die in meinem Buch eher im Hintergrund stehen, mehr Raum und man versteht besser, dass sich die beiden Hauptfiguren auch visuell ineinander verlieben können.

Sie haben eine imponierende Karriere hinter sich. Ihre Arbeiten werden in 35 Sprachen gedruckt, bei Theaterdirektoren sind Sie heiß begehrt. Hätten Sie sich das je gedacht?

Niemals. Um es mit Marcel Hirscher zu sagen: Mein Glück ist größer geworden, als es eingeplant war. Ich habe ja viele Träume, doch was passiert ist, hat all meine Träume übertroffen. So gesehen hat mich mein Erfolg total überrascht.

Welche Aktivitäten stehen bei Ihnen aktuell an?

Ein neues Theaterstück, das mit ziemlicher Sicherheit an den Wiener Kammerspielen uraufgeführt wird. Der Titel steht noch nicht hundertprozentig fest. Aber es geht um Geld und Banken.

Wenn Sie nicht gerade schreiben, was lesen Sie gerne?

Zum Beispiel gute Kritiken, die ich mir jetzt auch für den Film „Gut gegen Nordwind“ erhoffe. Im Sinne, dass geschrieben wird, dies sei ein schöner, interessanter, zeitgemäßer Liebesfilm.

Noch eine letzte Frage. Es heißt immer, für einen Autor sei die erste Seite, das allererste Blatt Papier das schwierigste. Gilt das auch für Sie?

Nein. Für mich ist das Schwierigste nicht der erste, sondern der letzte Satz. Das bedeutet, dass ich fertig bin. Es gibt nichts Schöneres für einen Schriftsteller. Von Ludwig Heinrich