Österreichische Sprache inzwischen voll inhaliert

Menschen / 01.11.2019 • 22:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lilian Klebow alias Penny Lanz vom „Soko Donau“-Team arbeitet zum ersten Mal mit den Leipziger Kollegen zusammen. ORF/Satel Film/Petro Domenigg
Lilian Klebow alias Penny Lanz vom „Soko Donau“-Team arbeitet zum ersten Mal mit den Leipziger Kollegen zusammen. ORF/Satel Film/Petro Domenigg

Lilian Klebow über Ralf Bauer, Humor und „Soko Donau“-Drehs.

Wien Ein besonderer Einsatz für das „Soko Donau“-Team: Heute (20.15 Uhr) strahlt ORF 1 den ersten Crossover-Fall „Der vierte Mann“ aus. Das Wiener Team geht gemeinsam mit den Kollegen von „Soko Leipzig“ auf Spurensuche. Es geht um Verstrickungen Österreichs mit dem SED-Regime in der DDR. Natürlich ist dabei auch Lilian Klebow als Penny Lanz wieder am Ermitteln. Am Donnerstag hatte sie übrigens Geburtstag (Nummer 40), und im kommenden Jahr feiert sie ihr 15-Jahre-Jubiläum in der populären Serie.

 

Erinnern Sie sich noch, wie Sie zu dieser Rolle gekommen sind?

Klebow Und ob! 15 Jahre ist das her? Schockierend, aber wahr. Ich war mit meinem damaligen Freund Hary Prinz beim Filmfestival in Locarno, als ein Anruf meiner Agentin kam: „In den Bavaria-Studios in München findet ein Casting für eine österreichische Serie statt. Du sollst dich vorstellen!“ Beim Checken erfuhr ich, dass es sich um die Rolle einer 42-jährigen Frau handelte, ich war aber erst 23, 24 Jahre alt. Klar fragte ich mich: Was soll das? Aber ich ging hin, auch, weil mein Vorsprech-Partner Ralf Bauer war. Der schöne Ralf Bauer! Ich war ganz aufgeregt. Wir spielten gemeinsam zwei Szenen.

 

Und?

Klebow Dann hörte ich lange nichts. Ein Jahr später wurde das Casting von Judith Doppler in Wien übernommen, und ich wurde neuerlich hinbestellt. Diesmal war keine 42-Jährige mehr gefragt. Wir waren vier junge Frauen dort, eine Blonde – also ich, eine Schwarze, eine Brünette und eine Rote. Wir spielten mit vier verschiedenen Männern. Ich hatte mir vorher überlegt: Was zieh ich an? Ich entschied mich für dunkelblaue Jeans, weil die meiner Meinung nach einer Polizistenuniform nahe kamen. Und ich bereitete mich wie eine Wahnsinnige auf meine Szene vor. Drei Wochen später wieder ein Anruf meiner Agentin: „Setz dich. Du hast die Rolle!“ Eine schöne Meldung an einem eher traurigen Tag, denn meine über alles geliebte Oma war gerade gestorben.

 

Sie kommen aus Bayern, haben Sie sich hier schnell akklimatisiert?

Klebow Meine bayerische Herkunft machte es leichter. Denn üblicherweise ist ja der deutsche Humor ein ganz anderer, der österreichische wird mehr aus der Hüfte geschossen. Am Anfang war auch ich ein bisschen überfordert, habe mich bei Scherzen oft gefragt: Meinen die das auch so? Inzwischen habe ich jedoch die österreichische Sprache voll inhaliert. Oft wundern sich heute Menschen: „Was, du bist Deutsche?“ Das ist für mich ein Riesenkompliment.

 

Was können Sie über die Crossover-Folge vom 2. November erzählen?

Klebow Sehr spannend, weil ein Stück Zeitgeschichte. Wir feiern ja heuer auch das 30-Jahre-Jubiläum des Mauerfalls. Damals gab es in Wien eine Kommunistin namens Rudolfine Steindling, auch die „rote Fini“ genannt. Sie hantierte zwischen Wien und der DDR mit einer Milliardensumme. Die Handlung ist an diese Affäre angelehnt. Es waren wahnsinnig schöne Begegnungen mit den „Soko Leipzig“-Kollegen. Denen kann ich nur Rosen streuen.

 

15 Jahre „Soko Donau“, da gab es gewiss denkwürdige Erlebnisse. An welche erinnern Sie sich besonders gut?

Klebow Da fällt mir zum Beispiel eine Folge ein, die ich drehte, als meine Tochter Charlie gerade vier Monate alt war. Der Drehbuchautor hatte sich etwas Ungewöhnliches ausgedacht. Penny Lanz wird angeschossen und erlebt die fünf Phasen des Sterbens. Ich trug eine Sprengweste am Körper, alle Sicherheitsmaßnahmen waren getroffen, aber ich hatte dennoch große Angst. Meine Mutter stand damals mit Charlie im Arm am Set und ich betete: „Lieber Gott, lass nichts Böses passieren. Ich bin ja gerade erst Mama geworden!“ Wie schön und erleichternd, dass ich, nachdem alles gut vorbeigegangen war, die Kleine wieder in die Arme schließen konnte. LH