Die „Mamarazza“ wird 100 Jahre alt

Menschen / 06.12.2019 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Die „Mamarazza“ sammelte mehr als 300.000 Schnappschüsse von Promis.

Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn feiert mit der Familie.

Fuschl, Salzburg Sie ist eine Nachfahrin von Kaiserin Maria Theresia und legendär für ihre Promi-Mittagessen in ihrem Landhaus in Fuschl (Flachgau) zur Salzburger Festspielzeit: Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Wegen ihres Hobbys, Persönlichkeiten der High Society zu fotografieren, erhielt sie von Prinzessin Caroline von Monaco den Spitzennamen „Mamarazza“. Am 9. Dezember wird die Fürstin 100 Jahre alt. „Manni“, wie die gebürtige Salzburgerin von Familienmitgliedern und Freunden genannt wird, gilt als lebensfrohe und selbstbewusste Frau. Sie hat sich nie ein Blatt vor dem Mund genommen, wenn sie um Interviews gebeten wurde, war aber auch als Gesellschaftsfotografin stets bedacht, bei ihren insgesamt mehr als 300.000 Schnappschüssen Diskretion zu wahren.

Hobbyfotografin

Mehr als acht Jahrzehnte hielt „Mamarazza“ mit ihrer Kamera Adelige, Schauspieler, Künstler und Mächtige der Welt fest. Ob Arnold Schwarzenegger, Sean Connery, Gunter Sachs, Thomas Gottschalk, Eliette von Karajan oder Prinz Aga Khan: Niemand konnte dem Objektiv der Fürstin entkommen. Viele dieser Schnappschüsse stammten von den sommerlichen „Tischgesellschaften“ in ihrem Landhaus. In ihrem Bildband „ManniFeste. Fuschler Mittagessen 1974-2009“ hat sie 400 Fotos aus 36 Festspielsommern veröffentlicht. Im Juli 2010 gab die Fürstin im festlichen Dirndlkleid ein Abschiedsfest in ihrem Garten in Fuschl. Irgendwann habe alles einmal ein Ende, sagte sie, so auch die legendären Mittagessen, an denen bis zu 100 Gäste teilnahmen.

Bis ins hohe Alter zeigte sich die Fürstin vital und humorvoll, bewegte sich elegant auf dem gesellschaftlichen Bankett. Ihren Hang zur Natürlichkeit hat sie nie verloren. Schönheits-OP und Botox lehnte sie ab. Im Alter von 98 Jahren sagte sie gegenüber Medien, sie wolle das 100. Lebensjahr gerne erreichen. In diesem Jahr ist es leiser um die sonst so agile Fürstin geworden. Ihren Geburtstag wird sie im Kreise ihrer Familie in Salzburg feiern, wie ihr Sohn Peter Prinz zu Sayn-Wittgenstein im APA-Gespräch erzählte. „Es geht ihr gut.“

Bronze-Büste

Anlässlich ihres 100. Geburtstages soll eine Bronze-Büste der Fürstin im nächsten Jahr, wenn die Salzburger Festspiele ihr 100-Jahr-Jubiläum feiern, im Festspielbezirk in der Stadt Salzburg aufgestellt werden. Die Büste ist ein Geschenk der Fürstin an die Stadt Salzburg.

Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn erblickte am 9. Dezember 1919 in Salzburg als älteste von neun Kindern des Salzburger Großgrundbesitzers Friedrich Mayr-Melnhof das Licht der Welt. Ihre Mutter, Maria-Anna, soll eine geborene Gräfin von Meran aus einer morganatischen Nebenlinie des Hauses Habsburg-Lothringen gewesen sein. Nach ihrer Matura im Jahr 1938 studierte „Manni“ an einer Kunstschule in München. 1942 heiratete sie den damaligen Offizier Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. 1962 wurde der Ehemann von Fürstin Marianne von einem betrunkenen Lastwagenfahrer in Sayn nahe Koblenz tödlich überrollt.