„Bin eher auf der ruhigen Seite“

Leonard Lansink über 25 Jahre „Wilsberg“, seine Gelassenheit und Selfies.
Berlin Georg Wilsberg ist Privatdetektiv, Jurist und stolzer Besitzer eines Antiquariats in Münster. Vor 25 Jahren ging der sympathisch-chaotische Ermittler im ZDF das erste Mal auf Verbrecherjagd, damals spielte Joachim Król den Wilsberg. Schon im zweiten Film, der erst drei Jahre später ausgestrahlt wurde, übernahm aber Leonard Lansink die Rolle des belesenen Schnüfflers.
Herr Lansink, im ersten Wilsberg-Krimi vor 25 Jahren spielte noch Joachim Król die Hauptrolle, Sie waren 1998 das erste Mal als Wilsberg zu sehen. Wie ist es dazu gekommen?
Lansink Wenn ich mich recht erinnere, wurde ein neunzigminütiger Film mit Joachim Król gedreht, der Kollege hatte dann aber keine Lust mehr. So sind die auf mich gestoßen.
Haben Sie damals geahnt, dass Sie die Rolle so lange spielen würden?
Lansink Überhaupt nicht. Wir haben einfach einen Film nach dem anderen gedreht und versucht, das so gut wie möglich zu machen. Wir drehen vier Folgen im Jahr und nähern uns jetzt so langsam Episode 70.
Wilsberg ist ein cooler Typ. Sind Sie das auch?
Lansink Weniger cool als er, würde ich sagen, aber ich bin jetzt auch nicht einer, der sich über alles schnell aufregt. Ich bin wie er eher auf der ruhigen Seite.
Wilsberg ist Privatdetektiv, betreibt aber auch ein Antiquariat. Sind Sie denn auch ein Bücherwurm wie er?
Lansink Ich lese wahnsinnig gern und viel, aber ich muss die Bücher nicht unbedingt in der Hand haben, ich lese die auch ganz gerne auf dem Tablet oder so. Ich lese auch viel Zeitung und habe auch kein Problem, wenn es eine Paywall gibt. Ich zahle gerne für das, was ich im Internet lese.
„Wilsberg“ zählte zu den ersten Regionalkrimi-Komödien im deutschen Fernsehen, heute gibt es ganz viele davon. Wie finden Sie das?
Lansink Ich find das ganz prima, die sollen uns ruhig alle imitieren (lacht). Ich glaube, von denen hat uns noch keiner den Rang abgelaufen.
Bis auf die Kollegen vom „Tatort“ in Münster. Die haben sogar noch bessere Quoten als Sie.
Lansink Stimmt, die finde ich auch sehr lustig. Der WDR musste sich ja damals überlegen, wo er einen weiteren „Tatort“ dreht und hat sich für Münster entschieden. Die Kollegen Liefers und Prahl machen das ganz prima, ich guck denen gerne zu.
In Münster verursachen Sie bei den Dreharbeiten regelmäßig Aufläufe. Nervt das nicht auf Dauer?
Lansink Nee, das nervt überhaupt nicht, im Gegenteil: Wir freuen uns über das Interesse der Leute. Die Münsteraner sind außerdem so diszipliniert, dass sie ganz genau wissen, wenn sie zur Seite gehen sollen oder aufs Fotografieren verzichten müssen.
Müssen Sie viele Selfies mit Fans machen?
Lansink Gegen Selfies habe ich überhaupt nichts einzuwenden, es ist nur manchmal etwas lästig, wenn verzweifelte Menschen mit ihrem Handy rummachen und es passiert nix. Man steht da und grinst und grinst und das Foto kommt, aus welchen Gründen auch immer, nicht zustande. Das kann dann dauern.
Wilsberg verzichtet auf ein Handy. Haben Sie denn eins?
Lansink Ja, ich hab eins und weiß auch wie’s geht (lacht). Der alte Handyverweigerer Wilsberg wird aber nie eines bekommen, denke ich.
Stimmt es denn, dass Sie keinen Führerschein haben?
Lansink Das stimmt. Als ich so mit 18 vor der Frage stand, ob ich ihn machen will, um die Mädchen zu beeindrucken, hatte ich dummerweise kein Geld. Und später fand ich es dann nie besonders sexy, selber mit dem Auto zu fahren. Es gibt mir bis heute nichts, am Steuer zu sitzen.
Und wie kommen Sie dann immer von Ihrem Wohnort Berlin zum Drehort in Münster?
Lansink Mit der Bahn. Das gibt jedes Mal ein riesen Auflauf, wenn ich in Münster aus dem Zug steige, denn Sie dürfen ja nicht vergessen: In Münster bin ich weltberühmt (lacht). mw